Komfortabel, schnell, beliebt: Per Flieger von Kaliningrad nach Berlin. (Foto: Plath/.rufo)
Dienstag, 15.08.2006
Staatsanwaltschaft prüft Fluggesellschaft KDavia
Kaliningrad. Die Staatanwaltschaft hat eine großangelegte Untersuchung der Kaliningrader Fluggesellschaft KDavia gestartet. Es geht um die Preispolitik der Regional-Airline. Und um die Sicherheit der Flugzeuge.
Ausgelöst wurden die Untersuchungen der Gebietsstaatsanwaltschaft wohl durch die wachsende Zahl von Beschwerden, die Passagiere an die Ermittlungsbehörden und sogar an Gouverneur Georgij Boos schrieben. Viele Fluggäste von KDavia beklagen stark gestiegene Preise – vor allem auf der meistgenutzten Fluglinie Kaliningrad – Moskau. Ein Flug in die russische Hauptstadt und zurück kostet derzeit bis zu 12 000 Rubel (rund 350 Euro), dreimal mehr als noch vor einem Jahr. Die Ermittler sollen nun klären, ob die Verteuerung der Tickets rechtens ist und wie KDavia sie begründet.
Hoher Service, niedrige Preise
Hinter der Überprüfung steckt auch die Antimonopol-Komission der Regionalregierung. Denn die Fluggesellschaft KDavia ist zugleich Besitzerin des Kaliningrader Flughafens und lässt sich dessen Dienstleistungen von den Mitwettbewerbern gut bezahlen.
Die Staatsanwälte laden zum Technik-Check: Eine TU 134 im Landeanflug in Kaliningrad. (Foto: Plath/.rufo)
Hoher Service, niedrige Preise. Mit diesem Slogan wirbt KDavia um Kunden. Nach Meinung vieler Kunden ist es in Wirklichkeit freilich gerade umgekehrt. Nicht nur die teuren Billetts verärgern die Fluggäste, sondern auch häufig verspätet startende Maschinen, lange Wartezeiten auf Gepäck, mangelhafte bis falsche Auskünfte. Mehrfach wurden in jüngster Vergangenheit Flüge storniert – meist aus technischen Gründen, wie die Fluggäste mitgeteilt bekamen.
Schreckliche Stimmung nach der Landung
Dreimal sei ihr Flug von Moskau nach Kaliningrad verschoben worden, zitierte die Kaliningradskaja Prawda dieser Tage eine Studentin namens Julia. „Als wir dann endlich starteten, flogen wir nur bis Minsk und kehrten zurück nach Moskau, wegen irgendwelcher technischen Probleme, wie uns gesagt wurde. In Kaliningrad kamen wir mit vielen Stunden Verspätung an, alle waren schrecklicher Stimmung.“
Entsprechen die Maschinen der Kaliningrader Fluggesellschaft den internationalen Sicherheitsnormen? Diese heikle Frage steht im Mittelpunkt einer zweiten, parallelen Untersuchung, mit der die Baltische Transport-Staatsanwaltschaft in der vorigen Woche auf den Plan trat. Sie richtet sich freilich nicht allein an KDavia, sondern beinhaltet die Überprüfung aller Airlines, die Russlands Ostsee-Exklave bedienen. In letzter Zeit häufen sich bei vielen kleineren russischen Airlines technische Mängel an Fluggeräten.
Den Technik-Check solltre KDavia eigentlich nicht fürchten müssen. Die Fluggesellschaft mit dem blauweißen Schwalben-Logo setzt auf ihren internationalen Strecken nach Berlin, London und Riga sowie auf den Linien nach Moskau und St. Petersburg seit einiger Zeit Boeing 737 ein. Die bewährten Mittelstreckenflieger mit Platz für 140 Passagiere zeichnen sich durch hohe Betriebssicherheit aus.
Und sie verbrauchen nur halb soviel Kerosin wie die TU 154M aus sowjetischer Produktion, die bisher in Kaliningrader Diensten standen – und nun immer mehr von den moderneren und komfortableren Boeing verdrängt werden. Die erste B 737 landete im Februar 2005 auf dem Flughafen Chrabrowo (Powunden). Inzwischen hat KDavia 19 Jets dieses Typs in Betrieb, für vorerst fünf Jahre geleast von der irischen Airline ILFS.
Berlin-Verkehr noch relativ günstig
Auch auf der Linie Kaliningrad-Berlin, am 28. Februar 2005 (wieder)eröffnet und je zweimal wöchentlich (Dienstag und Freitag) bedient, ist die B 737 im Einsatz. Die Tickets sind seither zwar auch schon etwas teurer geworden, gelten mit Preisen zwischen 170 und 220 Euro für Hin- und Rückflug aber immer noch als vergleichsweise günstig.
Immerhin wollte KDavia mit dem Berlin-Direktflug („Vom Pregel an die Spree in einer Stunde“) eine Visitenkarte abliefern, um sich für weitere internationale Verbindungen zu empfehlen und Kaliningrad für eine Drehscheiben-Rolle zwischen russischen Großstädten und Westeuropa vorzubereiten.
Doch auch auf der Vorzeige-Linie klagen Fluggäste in letzter Zeit über verzögerte Starts und schleppende Gepäckabfertigung. Was an den Vorwürfen tatsächlich dran ist, haben nun die Staatsanwälte zu klären.
(tp/.rufo)
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Der sibirische Frost hat auch Kaliningrad fest im Griff: Der Meteorologische Dienst sagt für das Wochenende Temperaturen von bis zu -30 Grad voraus. Im Ostseebad Selenogradsk ist man dann bereits nah am historischen Kälterekord: Am 25. Januar 1942 waren hier minus 33,1 Grad gemessen worden. ( Topfoto: Plath/.rufo)