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Der Hafen Sassnitz will von den wachsenden Beziehungen zu Russland profitieren (Foto: faehrhafen-sassnitz.de)
Der Hafen Sassnitz will von den wachsenden Beziehungen zu Russland profitieren (Foto: faehrhafen-sassnitz.de)
Freitag, 17.11.2006

Rügen und Kaliningrad rücken zusammen

Kaliningrad. Die russische Exklave Kaliningrad und Deutschland rücken auf dem Seeweg enger zusammen. Am 5. Dezember startet die neue direkte Fährverbindung zwischen den Ostseehäfen Baltisk (Pillau) und Sassnitz-Mukran auf der Insel Rügen ihren regulären Dienst.

Einmal pro Woche wird die moderne Großfähre „Vilnius“ künftig zwischen Sassnitz und Baltisk pendeln. Fahrzeit: etwa 18-20 Stunden. Das 190 Meter lange Schiff kann einen kompletten Güterzug an Bord nehmen: 90 Eisenbahnwaggons russischer Breitspur oder, anders gerechnet, 108 Lkw-Trailer. In den Kabinen ist Platz für 132 Passagiere.

Bei Russland-Aktuell
• Russische Eisenbahn steigt ins Hafengeschäft ein (26.09.2006)
• Kaliningrad: Fährverbindung nach Ust Luga läuft jetzt (17.09.2006)
• Eisenbahn-Fähre nach Kaliningrad schon ab September (03.09.2006)
• Kaliningrader Transit-Streit: Litauen wird umschifft (29.08.2006)
Die neue Direktverbindung ist ein Projekt der russischen Eisenbahngesellschaft RZD und der Railion Deutschland AG (DB Logistics). „Vor allem die zunehmenden Importe von Rohstoffen aus Russland sprechen für unser Engagement auf dieser Fährlinie“, sagte Eckart Fricke, Vorstandsmitglied der Railion AG, am Donnerstag bei der Eröffnung des Fährbetriebes. Aus diesem Anlass hatte eine hochrangig besetzte russisch-deutsche Wirtschaftsdelegation das neugebaute Terminal in Baltisk besichtigt. Unter ihren auch Otto Ebnet, Minister für Bau und Transport Mecklenburg-Vorpommerns, der neben der ökonomischen Bedeutung der Linie hervorhob, dass „dieses Projekt auch gut für die Entwicklung zwischen unseren Ländern sein wird“.

Russisches Gleisnetz


Seeweg eröffnet: Wirtschaftsvertreter besichtigen die neue Fähre. (Foto: Railion)
Seeweg eröffnet: Wirtschaftsvertreter besichtigen die neue Fähre. (Foto: Railion)
Geplant ist das bilaterale Seeverkehrs-Projekt seit längerem, und mehrere deutsche Ostseehäfen hatten sich darum beworben. Auf Sassnitz im Nordosten der Insel Rügen fiel die Wahl vor allem, weil der größte Eisenbahn-Fährhafen Deutschlands zugleich als einziger in Westeuropa über ein Gleisnetz und Umschlag-Anlagen der russischen Breitspur verfügt.

„Westlichster Cargo-Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn“ wird er darum auch genannt. Sassnitz/Mukran, mit einem jährlichen Brutto-Umschlagvolumen von über 5 Millionen Tonnen der drittgrößte deutsche Ostseehafen, bedient regelmäßige Verbindungen nach Schweden, Litauen, Dänemark und Russland.

Alternative zum Landweg


In Kaliningrad wird die neue Linie als „großer Schritt zur Einbindung in die wachsende Dynamik der internationalen Transport-Korridore auf der Ostsee“ gefeiert, wie Georgi Sebow, Chef der Kaliningrader Filiale von Rosmorport, am Donnerstag sagte. Die Wirtschaft der Exklave soll auf diesem Wege aber auch unabhängiger werden von Gütertransporten über Land zwischen dem Kaliningrader Gebiet und dem russischen Inland - der jüngste Streit mit Litauen um den Eisenbahn-Transit zeigte deutlich die Anfälligkeit der Exklave für grenzüberschreitende Verkehre.

Der Hafenstandort Baltisk, bislang vor allem als isolierte und für Ausländer nach wie vor gesperrte Basis der Russischen Ostseeflotte bekannt, wird künftig auch ökonomisch an Bedeutung gewinnen. Außerdem hofft man in Kaliningrader Gebietsregierung, dass sich durch die verbesserte Logistik mehr deutsche Firmen in der russischen EU-Enklave engagieren.

Denn Baltisk ist nur ein Baustein im neuen Ostsee-Verkehrsprojekt zwischen Deutschland und Russland. Hauptziel der Linie ist der moderne Großhafen Ust Luga bei St. Petersburg. Künftig werden also beide Richtungen von der „Insel“ Kaliningrad aus auf dem Seeweg direkt erreichbar sein: das russische „Festland“ und der Westen Europas. Zwischen Baltisk und Ust Luga pendelt eine Frachtfähre schon seit September.

(tp/.rufo)


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