Donnerstag, 22.03.2012

Neue Fluglinie verbindet Kaliningrad und Kopenhagen

Mit Maschinen dieses Typus fliegt SAS künftigt von Kaliningrad nach Kopenhagen. (Foto: flysas)
Kaliningrad: Die skandinavische Airline SAS nimmt Russlands Ostsee-Exklave nach zehn Jahren Abstinenz wieder in den Flugplan auf. Am 23. März startet die neue Direktfluglinie Kaliningrad-Kopenhagen.
Viermal wöchentlich fliegen die Schweden-Jets den Kaliningrader Flughafen Chrabrowo künftig an: montags, mittwochs, freitags und sonntags. Gut eine Stunde braucht der Flieger für die rund 510 Kilometer messende Strecke.

Da Kopenhagen von vielen deutschen und europäischen Airports täglich bedient wird, ergibt sich damit auch für deutsche Kaliningrad-Reisende eine weitere Alternative zu Bus, Bahn und den bereits bestehenden Fliegern.

Ganz günstig ist der SAS-Flug nicht, laut aktuellen Offerten ist mit Preisen zwischen etwa 180 (Berlin, Hamburg) und 270 Euro (Düsseldorf, Stuttgart, München) für ein Hinflug-Ticket zu rechnen. (alle Angaben ohne Gewähr, für aktuelle Flugverbindungen siehe auch die offizielle Seite von SAS.

Für die schwedisch-dänische Fluggesellschaft ist Kaliningrad nach Moskau und St. Petersburg die dritte Stadt im Russland-Portfolio. Schon einmal, von Mitte der 1990er Jahre bis 2002, bediente SAS die Linie Kaliningrad-Kopenhagen und war damals sogar lange Zeit die einzige westliche Airline, die den russischen Vorposten an der Ostsee anflog.

Doch Anfang des neuen Jahrtausends geriet die Gesellschaft in wirtschaftliche Turbulenzen, die defizitäre Kaliningrad-Route wurde aus dem Plan gestrichen.

Kaliningrad-Chrabrowo erholt sich allmählich


Mit dem Wiedereinstieg von SAS kommt auch der Flughafen Kaliningrad-Chrabrowo ein weiteres Stück aus der flugtechnischen Sackgasse heraus, in die die aufstrebende russisch-europäische Drehscheibe nach der Pleite der örtlichen Airline KD-Avia 2008 geraten war.

Mit den Skandinaviern gibt es nun bereits wieder drei Ost-West-Linien: Die polnische LOT bedient den Königsberg-Airport via Warschau, AirBaltic (Lettland) über Kopenhagen oder Riga.

Außerdem bestehen von Kaliningrad aus derzeit Flugverbindungen nach Moskau und St. Petersburg (Aeroflot, UTAir, Rossiya, Sky Express, Avianova) sowie nach Minsk (Belavia, Gomelair).

Wieder Direktflüge nach Deutschland


Angeblich sollen bereits in diesem Sommer auch wieder Direktflüge nach Deutschland starten. Darüber berichtete dieser Tage die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf ein russisch-deutsches Regierungsabkommen.

Welche Flughäfen in Betracht kommen, steht offenbar aber bislang ebenso wenig fest wie die Airline, die die Linie bedient. Besagter Bericht nennt auf deutscher Seite die Lufthansa sowie die Billigflieger Air Berlin und Germanwings als Kandidaten.

Chrabrowo-Ausbau wird fortgesetzt



Die Kaliningrader Gebietsregierung plant unterdessen, in diesem Jahr den nach dem KD-Avia-Bankrott eingefrorenen Ausbau des Flughafens fortzusetzen. Dazu legte Gouverneur Nikolai Zukanow in der vorigen Woche ein Entwicklungskonzept vor.

Bis 2017 sind stufenweise unter anderem neue, moderne Flugleiteinrichtungen vorgesehen, die Starts und Landungen wetterunabhängig ermöglichen sollen. Bislang wird der Airport bei Nebel und schwierigen Meteobedingungen oft geschlossen.

Regierungschef Zukanow träumt nach wie vor den Kaliningrader Luftfahrt-Drehscheiben-Traum: „Der größte strategische Vorteil unseres Flughafens ist seine geografische Lage zwischen Russland und den westeuropäischen Zentren. Wir müssen ihn so modernisieren, dass er konkurrenzfähig ist und auf die Zusammenarbeit mit Billigfluggesellschaften ausgerichtet ist. Dann wird Kaliningrad als Transitflughafen für den Personen- und Frachtverkehr international interessant.“
Dem Chrabrowo-Entwicklungskonzept der Regionalregierung zufolge wird das Passagieraufkommen des Kaliningrader Airports bereits bis 2017 von derzeit rund 1,2 auf dann 6-8 Millionen pro Jahr anwachsen. Was die vielen Menschen in Kaliningrad vorhaben, davon steht in dem Papier freilich nichts. Vielleicht wollen sie alle auch einfach nur umsteigen.