Freitag, 30.04.2010

Litauen klagt gegen Atommeiler in Kaliningrad

Das AKW Ignalina in Litauen wurde stillgelegt, nun werden neue Reaktoren an der Ostsee gebaut (Foto: Archiv/.rufo)
Kaliningrad. Das Atomkraftwerk in Kaliningrad stößt beim Nachbarn Litauen auf Ablehnung. Ein Abgeordneter des Sejm hat nun den Europarat eingeschaltet, um den Bau des Meilers zu verurteilen. Gebaut wird er trotzdem.
Das Projekt ist groß, zu groß eigentlich für Kaliningrad. 2.230 Megawatt Leistung soll das Atomkraftwerk, Projektname BAES, haben. 17,4 Milliarden Kilowattstunden Strom soll das Kraftwerk pro Jahr produzieren. Das ist deutlich mehr als Kaliningrad braucht; das ist soviel wie Lettland und Litauen zusammen verbrauchen.

Vom Stromdefizit zum Energieexporteur


Daher war der Meiler, dessen Baubeginn im Juli geplant ist, von Anfang an auch als Stromexporteur gedacht. Speziell Litauen, das unter Strommangel leidet, seit das Land, um der EU beitreten zu können, sein altes AKW abschalten musste.

Der Atommeiler als Mittel der Annäherung? Keineswegs. In Litauen ist man auf russischen Atomstrom nicht erpicht – und baut stattdessen an seinem eigenen Atomkraftwerk. Gemeinsam mit den anderen beiden baltischen Staaten und Polen will Litauen im eigenen Land ein Kraftwerk bauen. Litauische Umweltschützer haben daher in der vergangenen Woche in Vilnius gegen alle Pläne zum Bau von Atomkraftwerken in der Region protestiert.

„Große Besorgnis“ bei Litauern


Berute Besaite, Abgeordneter der Sozialdemokraten im litauischen Parlament Sejm, hat nun sogar eine Resolution in den Europarat gegen das BAES eingebracht. Die Pläne, nahe der litauischen Grenze ein Kernkraftwerk zu bauen, „rufen große Besorgnis“ hervor, heißt es in dem Dokument.

Der Politiker forderte vom Europarat darauf zu dringen, dass solche Projekte „in Europa in Übereinstimmung mit internationalen Normen und Ökostandards verwirklicht und darüber hinaus vorher mit den Nachbarn abgestimmt werden“. Eine endgültige Entscheidung über den Bau dürfe erst nach einer internationalen Expertise fallen, so der litauische Politiker.

BAES wird gebaut, aber für wen


Der Protest aus Vilnius wird das BAES nicht aufhalten. Die Sicherheitsstandards seien hoch, versichern die Erbauer des Meilers. „Das BAES wird das sicherste Kernkraftwerk der Welt sein“, erklärte Sergej Bojarkin, Vize-Direktor des Energieversorgers EnergoAtom, bei einer Anhörung im letzten Herbst.

Allerdings müssen sich die Strategen nun fragen, ob die gewaltige Leistung, die das Kraftwerk erbringen soll, tatsächlich nötig ist. Nach der Ablehnung der Litauer dürfte die Idee eines Stromexports wohl nicht durchzusetzen seien.