Rettung durch Teilung? Kaliningrader Fluggesellschaft KD Avia (Foto: Ballin/.rufo)
Samstag, 06.12.2008
Kaliningrads Krisen-Airline KD Avia wird geteilt
Kaliningrad. Für die in Finanzturbulenzen geratene Fluggesellschaft KD Avia ist Rettung in Sicht. Die Fluglinie ist bereit, Flugbetrieb und Flughafen zu teilen, wie Transportministerium und Gläubigerbanken fordern.
Vertreter des russischen Transportministeriums, der Flugaufsichtsbehörde Rosawiazija, der Kaliningrader Gebietsregierung und mehrerer Gläubigerbanken haben sich mit Vertretern der Airline offenbar grundsätzlich auf den Plan geeinigt, die beiden bislang zusammen betriebenen Geschäftsfelder des Unternehmens zu teilen: den Flugbetrieb und den Flughafen. Das berichten mehrere Kaliningrader Medien.
Wortlos das Schlachtfeld verlassen
Etwas anderes war von allen Beobachtern des seit vier Wochen offen drohenden Absturzes von KD Avia auch kaum noch erwartet worden. Zu offensichtlich war der Druck aus Moskau: Entweder Teilung des Unternehmens oder Pleite.
Doch inwieweit nach den fast vierstündigen Verhandlungen von einer "Einigung" die Rede sein konnte, zeigte der Abgang der KD-Avia-Vertreter:
Wortlos und mit versteinerten Minen verließen Vorstandvorsitzender Sergej Grischtschenko und Geschäftsführer Leonid Izkow das Gebäude der Gebietsregierung, für die Presse nur ein "no comments" übrig.
Gouverneur Georgi Boos, ganz Mann Moskaus, zeigte sich nicht so wortkarg: “Die Teilung des Unternehmens wird in die Fluggesellschaft, nennen wir sie bedingt KD Avia, und den Flughafen, nennen wir ihn Chrabrowo, erfolgen.
Jetzt wird zunächst ein Maßnahmenprogramm erarbeitet. Selbst wenn KD Avia nun den Flugbetrieb einstellt, werden die Verpflichtungen hinsichtlich der bereits verkauften Tickets von anderen Fluggsellschaften wahrgenommen, allerdings über deren Transitflughäfen.
Für die Einwohner des Kaliningrader Gebietes bedeutet dies zusätzliche Schwierigkeiten, denn von Europa und aus anderen russischen Städten werden sie über Moskau oder S.Petersburg fliegen müssen“, so Boos.
Mit dem Flughafen Kaliningrad-Chrabrowo wird nun wohl das geschehen, was Russlands Transportminister Igor Lewitin schon bei seinem Besuch im November vorgeschlagen hatte: Verkauf an die Eigentümer des Moskauer Großflughafens Scheremetjewo.
“Wir sind nicht dagegen, die Bedingungen und der Verkaufspreis können besprochen werden. Das ist eine Alternative“, sagte KD-Avia-Geschäftsführer Leonid Izkow schon vor der entscheidenden Verhandlung.
Für manchen Beobachter war dies der eigentliche Hintergrund der KD-Avia-Krise: Moskauer Begierden auf ein potenzielles Erfolgskonzept in der Provinz. Alexander Rolbinow, Infrastrukturminister der Kaliningrader Provinzregierung, streitet das ab.
“Es ist nicht relevant, wer den Flughafen Chrabrowo betreiben wird. Wichtig ist, dass er funktionsfähig bleibt. Wichtig ist, die Fluggesellschaft KD Avia zu erhalten. Kaliningrad soll eine Flugdrehscheibe zwischen Russland und Europa bleiben."
"Operativ im Normalbetrieb"
Inzwischen informiert auch KD Avia auf ihrer Homepage über die Sicht des Unternehmens zum Verhandlungsstand: “In der Beratung wurde eine Unterstützung der Fluggesellschaft beschlossen.
Innerhalb einer Woche soll nun ein Aktionsplan zur Überwindung der Krise erstellt werden.
Es wurde eine Trennung der OAO KD Avia in zwei selbstständige juristische Einheiten entschieden – den Flughafen und die Fluggesellschaft, mit einer anschließenden getrennten Finanzierung. Die Fluggesellschaft führt ihre operative Tätigkeit im Normalbetrieb durch.“
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