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| Bauen in Zeiten der Wirtschaftskrise: Wohnungskäufer dringend gesucht. (Foto: Plath/.rufo) | |
Montag, 12.01.2009
Kaliningrad startet pessimistisch in das neue Jahr
Kaliningrad. Die wirtschaftlichen Aussichten für 2009 sind auch im Gebiet Kaliningrad alles andere als rosig. Dem Aufschwungswunder in Russlands Ostsee-Exklave droht ein empfindlicher Rückschlag.
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Es ist ein bisschen wie mit mit dem Kater nach einer fröhlichen Zeche: Nach der Euphorie im Schaum des Wirtschaftswachstums der letzten drei Jahre beherrscht jetzt Ernüchterung die öffentliche Debatte in Kaliningrad.
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Wohin man auch hört in den ersten frostigen Tagen des jungen Jahres, ein Thema ist allgegenwärtig: die Krise. Dabei ist es noch kein halbes Jahr her, da gefiel man sich in den politisch-wirtschaftlichen Chefetagen von Gebietsregierung bis Handelkammer im gegenseitig Auf-die-Schulter-klopfen.
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Das Gebiet Kaliningrad zähle zu den am schnellsten wachsenden Regionen Russlands, bald würden die Zuzügler Schlange stehen vor den Grenzübergängen der aufblühenden Provinz. Bei der Präsentation von Investoren und Investitionen schien sich unter hundert Millionen Rubel kaum noch eine Pressekonferenz zu lohnen.
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Jetzt macht ein neues Wort die Runde: Antikrisenplan. So schnell kann es gehen. Das Wirtschaftsministerium der Gebietsregierung hat angesichts des globalen ökonomischen Einbruchs seine allgemeine Prognose für 2009 kräftig nach unten korrigiert:
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Rückgänge auf allen Ebenen
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Zu rechnen sei mit einem starken Einbruch des Bruttoregionalprodukts. Das BRP-Wachstum wird 2009 nach Schätzungen des Ministeriums nur etwa 0,1% betragen – also quasi stagnieren. Erst im Jahr 2013 hofft man mit einer Rate von etwa 12 Prozent wieder auf Wachstumswerte vor Ausbruch der Krise zu kommen.
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Die Gebietsregierung geht zudem davon aus, dass das Interesse ausländischer Investoren für Kaliningrad erst ab 2011 wieder steigen werde. Derzeit sind im Gebiet offiziell 835 Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung registriert.
Auch dem Tourismus droht laut besagter Prognose ein Rückschlag: Die Zahl der Gäste werde von derzeit etwa 500 000 pro Jahr auf 350.000 sinken, und das bei gleichzeitiger Eröffnung neuer Hotels, was den Konkurrenzdruck im Beherbungs- und Gastronomiegewerbe erheblich verstärken wird.
Der Gouverneur lernt chinesisch
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Nur einer bleibt Optimist: Gouverneur Georgi Boos. Zur Vorstellung des „Antikrisenprogramms“ der Gebietsregierung brachte er dieser Tage zwei chinesische Schriftzeichen mit.
Es seien, erklärte der Gebietschef der versammelten Journaille, zwei verschiedene Symbole für das Wort Krise: Im ersten Fall bedeute es soviel wie „Gefahr“, im zweiten stehe es im Kontext von „Chance“ oder „Möglichkeit“.
Was natürlich heißen sollte: Gouverneur Boos sieht die um sich greifende Wirtschaftskrise als Chance. Damit das auch sein Kaliningrader Gebietsvolk so empfindet, hat die Regierung besagtes Antikrisenprogramm aufgelegt.
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Es umfasst fünf Punkte: Steigerung der Haushaltseinahmen bei gleichzeitiger Ausgabenkürzung, Ausbau der Infrastruktur zur Förderung der Konjunktur und Schaffung eines günstigen Investitionsklimas, Maßnahmen zur Unterstützung der sozial schwachen Bevölkerung.
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Besonders konkret klingt das nicht. Unklar auch, woher das Geld für die Haushaltsentlastung kommen soll. Immerhin: Ein konkretes Hilfsprogramm hat die Provinzregierung Boos bereits beschlossen.
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Aus einem speziellen 100-Millionen-Rubel-Fond will das Gebiet einen Teil der Zinsen von Immobilienkrediten übernehmen. Bis zu einem Zinssatz von zehn Prozent soll der von Insolvenz bedrohte Kreditnehmer den Hypothekenzins selbst zahlen, den Rest trägt der Gebietshaushalt.
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Baubranche leidet besonders
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Unterstützen will die Regieurng damit vor allem die Baubranche, die besonders hart unter der Krise und zahlungsunfähigen Auftraggebern leidet. Das Bauvolumen ist radikal eingebrochen, mehrere Hundert neuer Wohnungen stehen leer, weil die Käufer abgesprungen sind.
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Einen Teil davon will die Gebietsregierung aufkaufen und im Rahmen eines Sozialprogramms zu bezahlbaren Preisen vermarkten. Im vorigen Jahr wurden in Kaliningrad etwa 6200 neue Wohnungen mit einer 478.000 Quadratmetern gebaut. Das klingt viel, liegt aber ein Drittel unter dem Plan.
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Und der Einbruch am Bau zieht Kreise – auch Zulieferer stecken mittlerweile in Problemen. Das Unternehmen Thomas Beton hat seine Produktion laut einem Bericht der Kaliningradskaja Prawda bereits um 40 Prozent gesenkt.
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Für Januar ist daher eine gemeinsame Sitzung der Stadtverwaltung und des Bauunternehmerverbandes anberaumt, um Hilfsmaßnahmen für die Baubranche zu erörtern.
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Musterknaben in Nöten
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In finanzielle Schwierigkeiten geraten zunehmend auch die bisherigen Musterknaben des regionalen Wirtschaftswunders. Auf einer Ende des Jahres von der russischen Regierung vorgestellten Liste von 292 Firmen, die Unterstützung aus einem staatlichen Hilfsfonds erhalten sollen, finden sich auch drei Unternehmen aus Kaliningrad:
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Die bislang erfolgreiche und expandierende Supermarktkette Viktoria, die Jantar-Werft und das erst kürzlich aus der regionalen Airline KD Avia herausgelöste Unternehmen „Internationaler Flughafen Kaliningrad“. Die gelisteten Unternehmen können nun laut Medienberichten mit „staatlichen Garantien, Subventionen, Stundung von Steuerschulden und anderen Maßnahmen“ rechnen. Ob es hilft, bleibt abzuwarten.
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Nur für den Iwan-Normalbürger ist kein staatliches Hilfspaket in Sicht. Dafür laut Wirtschaftsprognose der Gebietsregierung für 2009 eine satte Inflation von etwa 16 Prozent.
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Und auch das, was die Kommunen, allen voran die Gebietshauptstadt, zur Stabilsierung ihrer Haushalte ankündigen, klingt nicht eben nach Antikrisenprogramm. Die Wohnungs-Nebenkosten steigen im neuen Jahr erneut drastisch: Trink- und Abwasser sollen um rund 20 Prozent, die Müllabfuhr um fast 15 Prozent teurer werden.
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