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Schön wars, aber eben nicht zu finanzieren: Ein KD-Avia-Jet vor dem neuen Terminal des Kaliningrader Airports (Foto: kd-avia)
Schön wars, aber eben nicht zu finanzieren: Ein KD-Avia-Jet vor dem neuen Terminal des Kaliningrader Airports (Foto: kd-avia)
Dienstag, 25.09.2012

Kaliningrad: Russlands Exklave schlägt mit den Flügeln

Kaliningrad. Die Kaliningrader Gebietsregierung prüft derzeit Möglichkeiten, wieder eine eigene Fluggesellschaft à la KD-Avia zu gründen. Auch der Kauf einer Lizenz einer ausländischen Airline wird erwogen.

Drei Jahre nach der Pleite von KD-Avia sieht Gouverneur Nikolai Zukanow die Zeit offenbar reif, einer neuen Kaliningrader Airline Flügel zu verleihen. „Bei allem, was an KD-Avia zuletzt so kritisiert wurde, die Verspätungen, die unregelmäßigen Flüge, schätzte doch die Mehrheit der Passagiere die Arbeit und den Service der Fluggesellschaft hoch ein“, befand er Anfang dieser Woche in der Pressekonferenz der Gebietsregierung.

Die Tickets seien konkurrenzlos günstig gewesen, die Fluggäste hätten eine große Auswahl an europäischen und russischen Flughäfen gehabt und die Steuern von KD-Avia seien dem regionalen Haushalt zugute gekommen.

Die Exklave will flügge werden


Darum prüfe man derzeit alle Möglichkeiten, wieder eine ähnliche Fluggesellschaft zu gründen, die mit Regionaljets in der Größenordnung von bis zu 50 Plätzen Linien zwischen dem Gebiet Kaliningrad und russischen und westeuropäischen Zielen bedient, so Zukanow.

Der Gebietsvorsteher schloss die Variante nicht aus, die Lizenz einer ausländischen Airline zu kaufen. Man sei bereit zu Verhandlungen mit Discountern und habe auch schon konkrete Investoren dafür.

KD-Avia ist tot, aber das Konzept lebt


In Diskussion ist nach wie vor auch die Neugründung von KD-Avia, was allerdings aus rechtlichen Gründen als schwierig gilt. Dennoch klingen Zukanows Pläne, wenigstens im Kleinen, nach einer Wiederbelebung des „Luftdrehkreuzes“, mit dem die 2002 aus dem Staatsunternehmen „Kaliningrad Avia“ heraus gegründete KD-Avia aufsteigen wollte: westliche und russische Zentren miteinander zu verbinden – via Königsberg.

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• Kaliningrad: Neustart für Flughafen-Ausbau (19.09.2012)
• Air Berlin startet Direktflüge nach Kaliningrad (07.06.2012)
• Kaliningrad: KD-Avia-Mitarbeiter beenden Proteststreik (27.07.2009)
• Fluggesellschaft KD Avia stellt den Ticketverkauf ein (02.09.2009)
• Überflieger KD Avia in finanziellen Turbulenzen (04.11.2008)
Zunächst ging das auch gut, mit einer Flotte von 16 geleasten Boeing 737-300 steuerte KD-Avia zwei Dutzend Flughäfen in Ost und West an. Doch 2009 landete die Airline in der Pleite.

Kreditschulden in Millionenhöhe, Missmanagement und Machtkämpfe der Anteilseigner ließen von dem Kaliningrader Hoffnungsprojekt nur Trümmer übrig. Auch die begonnene Sanierung des Flughafens Chrabrowo war davon betroffen: Nach dem Konkurs von KD-Avia wurden weitere Ausbauetappen eingemottet.

Auch der Flughafen soll reifen


Der Airport ist mittlerweile wieder Baustelle. Auf der Investorenkonferenz in Sotschi stellten Gouverneur Zukanow und der neue Mehrheitseigner von Chrabrowo, die Firma „Aeroinvest“, vorige Woche die konkreten Pläne zur Rekonstruktion des Flughafens vor.

Bis Ende 2013, kündigte Aeroinvest-Chef Sergej Krjutschek an, werde der erste große Sanierungsabschnitt abgeschlossen sein und Chrabrowo in die Lage versetzen, 2,3 Millionen Passagiere pro Jahr abzufertigen – mehr als doppelt so viele wie bisher. Im Jahr 2017, wenn der komplette Ausbau des Flughafens abgeschlossen ist, sollen es bis zu sieben Millionen Fluggäste sein.

Rund 2,4 Mrd. Rubel (60 Mio. Euro) will Aeroinvest dafür in den Airport der russischen Exklave stecken. Das Gebiet wird dem Investor großzügig unter die Flügel greifen: Die Duma billigte in der vorigen Woche die Umleitung eines föderalen Kredites in Höhe von 2,2 Mrd. Rubel auf das Konto einer noch zu gründenden, zu hundert Prozent unter Regierungskontrolle stehenden Firma „Verwaltungsgesellschaft Chrabrowo“.

Die Rubel rollen also wieder in dieser unendlichen Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen. Wie viele auf dem Flughafen tatsächlich ankommen, werden die Passagiere bald selbst sehen können.

Und sich spätestens im Herbst 2013 an die Worte von Gouverneur Zukanow erinnern dürfen: „In einem Jahr werden wir einen modernen und europäischen Flughafen haben.“



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Uwe Niemeier 26.09.2012 - 07:12

Wenn ich solche Informationen lese ...

werden sofort zwei emotionale Gefühle in mir geweckt: Traurigkeit über das, was sich 2008 im Rahmen des Bankrotts der Firma KD-Avia abgespielt hat. Und das zweite Gefühl ist eine Hoffnung, eine tiefe innere Zufriedenheit, dass es nun wohl endlich weitergeht. Weitergeht, nicht nur was den Airport anbelangt. Ich betrachte den Airport einfach nur als Visitenkarte, als Schlüssel für das Kaliningrader Stadttor – denn wer keine vernünftige Tür hat, braucht auch nicht auf Gäste zu warten. Ungepflegte und unsichere Türen laden bekanntlich nicht ein, sondern stoßen ab. Und wenn ich jemanden besuchen will, dann brauche ich auch ein geeignetes Transportmittel. Viele bevorzugen ein eigenes Auto. Kaliningrad, aufgrund seiner isolierten Lage, bevorzugt eine eigene Airline. Eine logische Konsequenz. Zumal man wissen muss, dass es eine Reihe von Airlines gibt, die Kaliningrad anfliegen, aber die Preise für diese Flugtickets kann sich nicht jeder leisten – um es mal höflich auszudrücken. Und schön wäre es, wenn diese Airline auch den Namen der Stadt trägt, damit das, was KD-Avia angefangen hat, in besserer Form zu Ende gebracht wird: Das Raustragen des Namens dieser Stadt in alle Welt. Ich glaube, wir haben es verdient, dass nun endlich zur Kenntnis genommen wird, das wir hier in Kaliningrad ganz normale Leute sind, arbeiten wollen, glücklich sein wollen. Wir wollen nicht isoliert leben, wir wollen nicht stundenlang an der Grenze stehen, wir wollen nicht ewiges Experimentierfeld irgendwelcher Politiker sein. Bei meinem Gespräch mit dem Vertreter des russischen Präsidenten in Kaliningrad, Stanislav Woskresenski, habe ich die Hoffnung erhalten, dass auch im Zusammenhang mit der Aktivierung der Arbeit der Präsidentenresidenz in Pionersk bei Kaliningrad, der beschleunigten Entwicklung des Kaliningrader Airports große Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die Investgesellschaft, mit gutem Ruf, was die Leistungen bei der Modernisierung des Airports in Mineralnye Wody anbelangt, hat nicht viel zeitlichen Spielraum, denn die Planungen zur Durchführung internationaler Treffen laufen bereits. Dazu wurden dieser Tage die neuen Pläne für Kaliningrad bekannt: Kaliningrad soll internationales Konferenz- und Ausstellungszentrum Russlands werden – und wie soll das funktionieren ohne Airport. Also toi, toi, toi für die nächsten 18 Monate.


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