Montag, 18.02.2013

Kaliningrad: Kreuzfahrtschiffe contra Hochseefischer

Heute noch ein stilles Pflaster: der Fischereihafen in Pionerski. (Foto: tp/.rufo)
Thoralf Plath, Kaliningrad. Pläne, die Fischereibasis Pionerski in einen Passagierhafen umzubauen, gab es schon mehrfach. Doch nun wird es spannend. Denn bis zur Fußball-WM 2018 soll ein Terminal für Kreuzfahrt-Liner her.
Das russische Transportministerium ist offenbar bereit, den Umbau des Fischereihafens Pionerski (Neukuhren) an der Kaliningrader Außenküste in eine Marina für Yachten und Passagierschiffe zu unterstützen. Das meldet die Zeitung „Iswestija“ unter Berufung auf Regierungskreise.

Den Schaden hätte die Hochseefischerflotte, die auf einen Teil ihrer Aktiva in der russischen Ostsee-Exklave verzichten müsste und sich darum in der Vergangenheit immer wieder heftig gegen eine Vertreibung aus ihrer baltischen Basis wehrte.

Bisher kein standesgemäßer Pier für Traumschiffe im Gebiet


Doch nun sieht es nach einem Showdown aus, denn die Modernisierung und Entwicklung einer touristischen Hafen-Infrastuktur an der Kaliningrader Küste steht bis 2018 im Soll – im Rahmen der Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Dann will Russland in seiner westlichsten Provinz auch internationale Großfähren und Kreuzfahrtschiffe empfangen können – doch Pötte dieser gediegenen Kategorie wissen derzeit kaum wohin an den großenteils heruntergewirtschafteten Schrottkais zwischen Pionerski, der Marinastadt Baltijsk und dem Königsberger Handelshafen.

Darum blieben Besuche der edlen weißen Dampfer im Gebiet Kaliningrad bislang auch die Ausnahme – MS Europa & Co. steuern lieber Klaipeda, Riga und Tallinn an.

Das darf nicht so bleiben, findet man in Moskau. Derzeit sondiert das Transportministerium noch die Finanzierungsmöglichkeiten und arbeitet an einer Einschätzung, wie nachhaltig die Staatsgelder als Investition in Kaliningrader Hafenbecken angelegt sind, sprich: Welchen Sinn Passagierkais nach der Fußballsause 2018 machen. Am effektivsten sieht eine interne Studie den Ausbau des Hafens von Pionerki an.

Häfen muss man erst mal freikaufen


Das Problem, an dem auch die bisherigen Anläufe scheiterten: Das gesamte Areal und weitere Hafenanlagen im Gebiet Kaliningrad gehören den mächtigen nationalen Hochseefischerei-Gesellschaften „Natsrybresursy“ und „Rosmorport“ und müssten erst einmal freigekauft werden.

Platz wäre ja da an den Molen von Pionerski. Doch damit hier Kreuzfahrt-Riesen einfahren und festmachen können, müssten riesige Summen locker gemacht werden (Foto: tp/.rufo)
Eine Chance wäre das föderale Investitionsprogramm „Entwicklung der Transportsysteme Russlands 2015-2020“. Besagter Fünfjahresplan sieht den Bau eines Tiefwasserhafens in der Nachbarschaft von Baltijsk vor. Wenn es gelingt, die dafür geparkten Rubel zugunsten von Pionerski umzuverteilen, wäre das Projekt finanziell wohl gesichert.

Nebenbei noch Platz für 750 Yachten


Die Kosten für den Umbau des heruntergekommenen Küstenports in einen modernen Passagierhafen beziffert das letzte greifbare Projekt auf rund 300 Mio. Euro. Es stammt von der Firma „Amberland“, einem russisch-französischen Joint Venture, das zu Regierungszeit von Gouverneur Georgi Boos gegründet wurde und den Fischereihafen nicht nur mit einem Terminal für gleich mehrere Kreuzfahrt- und Passagierschiffe der Luxusklasse ausstatten will.

Geplant waren auch ein Yachtclub mit 750 Liegeplätzen und landseitig auf 35 Hektar Fläche mehrere Resort-Hotels, eine Hafenpromenade mit Läden und Cafés, dazu ein riesiger Familienfreizeitpark, ein Amphitheater für 1.500 Zuschauer und diverse weitere Touristikträumereien.

Viel buntes Papier wurde bedruckt, die Autoren ließen sich feiern, dann wurde es still um das Projekt Amberland, das in Kaliningrad von Beginn an umstritten war: Größenwahn, urteilten viele.

Doch im vorigen Jahr tauchte es unerwartet wieder auf. Zu den Unterstützern des Hafenausbaus in Pionerski zählt seither Präsident Wladimir Putin. Eines seiner Sommerresidenzen steht gleich nebenan.