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| Kiefern am Ostseestrand. Die Kurische Nehrung ist ein beliebtes Urlaubsziel, allerdings in erster Linie für russische Touristen (Foto: Mischke/.rufo) | |
Donnerstag, 14.07.2005
Kaliningrad ist Deutschen nur einen Kurztrip wert
Kaliningrad. Kurz nach der Öffnung 1991 strömten hunderttausende deutsche Nostalgie-Touristen nach Kaliningrad. Als Urlaubsziel hat sich das ehemalige Nordostpreußen bei den Deutschen jedoch nicht etabliert.
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Das Kaliningrader Tourismusgewerbe erwartet 2005 wieder einmal eine gute Saison. Allein die Kreisverwaltung Swetlogorsk rechnet in diesem Jahr mit 500.000 Sommerurlaubern. Die Pensionen und Hotels sind bis in den Herbst hinein ausgebucht.
Russen unter sich
Schon seit mehreren Jahren erfreut sich die Kaliningrader Ostseeküste steigender Besucherzahlen und im Jubiläumsjahr 2005 werden noch mehr Gäste als sonst erwartet. Doch es sind fast ausschließlich russische Touristen, die sich hier im Hochsommer am Strand drängeln, sich von lauter Popmusik beschallen lassen und die Schaschlikbuden stürmen.
Zwar kommen auch relativ viele ausländische Besucher, allen voran die Deutschen, doch diese wollen nicht ihren gesamten Sommerurlaub am russischen Ostseestrand verbringen. Ihnen ist die Reise in die traditionellen Seebäder wie Selenogradsk (Cranz) und Swetlogorsk (Rauschen) lediglich einen Kurztrip wert.
Durchreisestation Ostpreußen
Vorbei die Zeiten, als jährlich zehntausende deutsche Heimweh-Touristen in die russische Ostsee-Exklave reisten. Ein bis zwei Wochen blieben die Besucher damals, erinnert sich Irina Zwijagyntsewa vom Kaliningrader Reiseunternehmen „Universal“. „Früher war Kaliningrad Endziel. Das ist heute nicht mehr so“.
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Zwar sei die Zahl der deutschen Urlauber relativ konstant, doch die meisten kämen nur noch im Rahmen einer Baltikum-Rundreise in die russische Exklave, so Zwijagyntsewa. Die typische Route der Reiseveranstalter sieht heute so aus: Anreise aus Gdansk, ein Tag in Kaliningrad, eine Übernachtung in Swetlogorsk, ein Tag auf der Kurischen Nehrung - und schon geht es weiter nach Litauen.
Kaum Individualtourismus
Individualtouristen, die sich mehr Zeit für das Gebiet nehmen, gibt es bislang nur wenige. Infrastruktur und Serviceangebot entsprechen oft nicht den gewohnten westlichen Standards. Komplizierte Visaregelungen, lange Wartezeiten an der Grenze und fehlende Fremdsprachenkenntnisse der Bevölkerung erschweren das Reisen. Auch die oftmals unangemessen hohen Preise schrecken ab. „Einfach Urlaub“ macht hier deshalb kaum einer.
Mythos der Vergangenheit
Die Leute kommen vor allem, um dem Mythos der Vergangenheit hinterherzuspüren. Doch wie lange das noch so bleiben wird, ist fraglich. Denn das Durchschnittsalter der Touristen ist hoch: Es sind immer noch die alten Ostpreußen, die es in die Heimat zieht oder ihre Altersgenossen aus Deutschland, die früher in der Schule von der „Kornkammer Deutschlands“ hörten.
Jüngere Leute kommen hingegen nur in Begleitung ihrer älteren Verwandten, auf der Suche nach den familiären Wurzeln. Ob sie auch noch kommen werden, wenn die Alten nicht mehr sind, scheint unwahrscheinlich. Noch will sich die Kaliningrader Reisefachfrau Zwijagyntsewa jedoch nicht beklagen: Das firmeneigene Hotel in Swetlogorsk ist von deutschen Reiseveranstaltern schon seit Monaten für den gesamten Sommer ausgebucht.
(jm/.rufo)
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