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| Die Wirtschaft in Kaliningrad stagniert, aber bis zur Karastrophe ist es noch weit. (Foto: tp/.rufo) | |
Dienstag, 10.02.2009
Kaliningrad: Deutscher Wirtschaftsexperte gegen Panik
Kaliningrad. Wohin man auch hört derzeit in Kaliningrad, ein Thema beherrscht alle Debatten: die Wirtschaftskrise. Doch der Chef der Deutschen Außenhandelskammer, Stephan Stein, warnt vor Spekulationen und Panikmache.
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Eine Untergangstimmung, wie sie derzeit von manchen Medien und Politikern verbreitet werde, sei Gift in einer "wirtschaftlich zugegeben schwierigen, aber nicht katastrophalen Situation", sagte Stein dieser Tage im Deutschen Wirtschaftskreis, dem monatlichen Treffen von Unternehmern und Geschäftsleuten. Denn welche Folgen der Abschwung für die russische Exklave wirklich haben werde, wisse bislang niemand.
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"Mit der Krise 98 nicht vergleichbar"
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Stephan Stein gilt als exzellenter Kenner der Wirtschaft im Gebiet Kaliningrad. Er lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Russland und erlebte, als Chef der Vertretung der Handelskammer Hamburg in Kaliningrad, im August 1998 die Staatspleite mit – als das Kartenhaus der Staatsanleihen zusammenfiel und der Rubelkurs ins Bodenlose stürzte.
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"Das war eine wirklich ernste Lage damals, bedrohlicher als alles, was wir hier derzeit erleben. Es ist aus meiner Sicht unbegründete Stimmungsmache, die derzeitige Krise mit der von 98 zu vergleichen und zu behaupten, jetzt werde alles noch viel schlimmer."
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Die wirtschaftlichen Perspektiven im Kaliningrader Gebiet seien natürlich im Kontext der gesamtrussischen Situation zu sehen, und hier sei sehr viel von der weiteren Entwicklung des Ölpreises abhängig. "Um einen ausgeglichenen Haushalt und weitere Investitionen in Infrastruktur zu sichern, benötigt Russland einen Ölpreis von etwa 50 Dollar pro Barrel. Die Prognosen für dieses Jahr schwanken zwischen 30 und 70 Dollar. Allein das zeigt, wie schwer verlässliche und seriöse Vorhersagen zu machen sind."
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Spekulationsblase geplatzt
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Große Probleme habe in der Exklave Kaliningrad derzeit die Logistikbranche, räumt Stein ein. Im Januar sei allein das Frachtaufkommen im Eisenbahn-Güterverkehr um 40 Prozent eingebrochen. Katastrophal sei die Lage auch für die Baubranche. "Der Bau war bisher einer der großen Wachstumsmotoren in Kaliningrad.
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Andererseits sollte man berücksichtigen, dass mit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Bau- und Immobiliensektor auch eine gewaltige Spekulationsblase geplatzt ist. Die Preise für neu gebaute Wohnungen standen zuletzt in keinem Verhältnis mehr zum realen Gegenwert, der Markt war komplett überhitzt.
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Eine Gewinnspanne von 100 Prozent bei Neubauten, das konnte nicht ewig so weitergehen und führt jetzt hoffentlich wieder zu einer vernünftigen Entwicklung der Branche." Das Käuferinteresse sei derzeit zwar eingebrochen - auch weil die Banken ihre Kreditzinsen überzogen erhöht hätten: "Aber die Nachfrage nach Wohnraum ist ja nicht verschwunden, im Gegenteil. Es gibt in Kaliningrad nach wie vor eine immense Wohnungsnachfrage, die sogar steigt."
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Darum geht der deutsche Wirtschaftsfachmann davon aus, dass die Konjunktur am Bau schon bald wieder anspringen werde. "Ich wage die vorsichtige Prognose: Im Herbst dieses Jahres ist die Talsohle durchschritten."
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Ab Mitte 2010 könnte es nach derzeitiger Einschätzung wieder deutlich aufwärts gehen mit dem Wachstum: "Vorhersagen sind extrem schwierig. Es wird es einen Einschnitt geben, keine Frage. Das Bruttoinlandsprodukt wird nach Prognosen der Gebietsregierung stagnieren. Aber von einem kompletten Zusammenbruch der Wirtschaft kann keine Rede sein."
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