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In der Werkshalle von Awtotor in Kaliningrad. Foto: tp/.rufo
In der Werkshalle von Awtotor in Kaliningrad. Foto: tp/.rufo
Sonntag, 20.04.2008

Kaliningrad: Awtotor protestiert gegen Quoten-Pläne

Kaliningrad. Das Kaliningrader Automontagewerk Awtotor kommt nicht zur Ruhe. Erst machten Übernahmegerüchte durch Avtovaz/Renault die Runde, jetzt droht eine Quotenregelung das Vorzeige-Unternehmen auszubremsen.

Darum protestierten Anfang der Woche rund 1.200 Awtotor-Beschfätigte auf dem zentralen Platz des Sieges gegen den Beschluss der russischen Regierung, die Pkw-Montage auf 10.000 Stück pro Jahr zu reduzieren. Auch wenn Moskau diese Quote nach energischem Einspruch von Gouverneur Georgi Boos auf bis zu 25.000 Autos anheben will, sieht sich der Konzern vor seiner bisher schwersten Existenzkrise.

Die Awtotor AG besteht im Rahmen der Kaliningrader Sonderwirtschaftszone seit elf Jahren. Das Unternehmen produzierte in dieser Zeit nach eigenen Angaben insgesamt 224.150 Pkw der Marken KIA, BMW, General Motors und Chery. Alleine im letzten Jahr wurden über 109.000 Autos montiert.

Den Umfang der Gesamtinvestitionen in die Produktionsanlagen, Montagelinien und betriebliche Infrastruktur beziffert das Unternehmen mit über 380 Millionen Euro. An Steuern und Abgaben zahlte Awtotor seit seiner Gründung rund 16 Milliarden Rubel (ca. 445 Millionen Euro) in den Staatshaushalt ein.

Ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile?

Bei Russland-Aktuell
• Kaliningrad - Wirtschaft schreibt schwarze Zahlen (08.04.2008)
• Kaliningrad: Montagewerk Awtotor – Verkauf an Renault? (03.04.2008)
Der Druck auf Awtotor wächst seit geraumer Zeit vor allem aus Richtung der einheimischen Produzenten AwtoWAZ und SOK, die für ihre Fahrzeuge keine Vergünstigungen bekommen, während in Kaliningrad Billig-Pkw der Marken Kia und Chery, in der Preisklasse wie die russischen Modelle gelegen, mit den Steuerprivilegien der Sonderwirtschaftszone montiert werden.

Awtotor wurden daher immer wieder ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile vorgeworfen. Zumal das Kaliningrader Montagewerk fast ausschließlich in der so genannten Semi Knocked Down-Technologie (SKD) arbeitet – also in der abgeschwächten Form der Fahrzeugproduktion aus vorgefertigten Baugruppen.

In der wesentlich aufwändigeren CKD-Fertigung (Completely Knocked Down) wird beispielsweise die Karosserie vor Ort aus einzelnen Teilen oder Teilegruppen verschweißt, während im SKD-Verfahren in der Regel die Rohkarosse als Ganzes angeliefert wird.

Bei Awtotor nimmt der CKD-Anteil einen vergleichsweise geringen Anteil an der Gesamtfahrzeugproduktion ein. Das bringt seit längerem die inländische Konkurrenz auf die Palme, da Awtotor wegen der geringeren Wertschöpfungsraten aus Sicht der Wettbewerber ungerechtfertigt Steuervorteile genießt.

Angestellte von Logistikunternehmen streiken mit

Offensichtlich ist die Einführung staatlicher Quoten durch das föderale Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel Ergebnis des Drucks, den andere Autoproduzenten auf die Regierung seit Monaten ausüben. Nach Meinung von Experten könnte diese Sanktion das Investitionsklima in Kaliningrad spürbar verschlechtern, schreibt dazu die „Kaliningradskaja Prawda“.

An der Protestaktion auf dem Siegesplatz nahmen neben Angestellten von Awtotor auch mehrere hundert Mitarbeiter des Kaliningader Seehafens, der Reederei Retschdan und weiterer Logistikunternehmen teil. Die Auslastung dieser Firmen ist bis zu 50 Prozent von Awtotor-Fracht abhängig.

(Thoralf Plath/tp/.rufo)


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