Freitag, 13.05.2011

Hochgeschwindigkeitszug Moskau – Kaliningrad geplant

Der Kaliningrader Bahnhof soll modernisiert und umgebaut werden. (Foto: Plath/.rufo)
Kaliningrad. Die Ostsee-Exklave Kaliningrad soll näher an Russland heranrücken. Dazu wird über den Bau einer Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und Kaliningrad diskutiert. Profitieren würde auch Minsk.
Fast einen Tag, genauer gesagt etwas mehr als 22 Stunden, ist der Zug von Moskau nach Kaliningrad unterwegs. Auf seinem Weg durchfährt er Weißrussland und Litauen. Er macht u.a. Station in Smolensk, der Leinenweberstadt Orscha, Minsk, Vilnius und Tschernjachowsk (Insterburg). Besonders lange steht der Zug freilich an den vielen Grenzstationen.

Mit Hochgeschwindigkeit ins Fußballstadion zur WM


Derzeit verhandelt Kaliningrads Gouverneur Nikolai Zukanow mit dem weißrussischen Botschafter in Russland Wassili Dolgolew über den Bau einer Schnellstrecke.

„Das Projekt ist besonders aktuell im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft. Es ist vorgesehen, dass Spiele der WM auch in Kaliningrad ausgetragen werden. Der Botschafter hat versichert, dass Weißrussland das Projekt unterstützt“, erklärte Zukanow.

Kaliningrad ist eine der 13 geplanten WM-Städte. Das neu zu bauende Stadion soll 45.000 Zuschauern Platz bieten und orientiert sich beim Bau an der Allianz-Arena in München. Die geschätzten Baukosten liegen bei 150 Millionen Euro.

Bisher schlechte Anbindung nach Kaliningrad


Doch zur WM soll nicht nur das Stadion glänzen, sondern auch die Infrastruktur – sowohl im Hotel- und Gastronomiebereich, als auch im Verkehrssektor – auf Vordermann gebracht werden. Die Modernisierung der Eisenbahn hat dabei sicher Priorität, denn die Erreichbarkeit der Region ist schlecht.

Einen Direktzug ins 600 km entfernte Berlin gibt es nicht und auch die Tagesreise ins doppelt so weit entfernte Moskau ist kein Aushängeschild für eine gute Verbindung.

Statt Aufbau machte zuletzt sogar der illegale Abbau des Schienennetzes in der Region Schlagzeilen. Vor Gericht müssen sich derzeit zwei Männer, darunter ein Offizier der Baltischen Flotte, wegen des Diebstahls von gut einem halben Kilometer Eisenbahnschienen verantworten. Die Diebe wollten die 30 Tonnen Stahl als Metallschrott verkaufen.

Kaliningrader Bahnhof soll modernisiert werden


Immerhin plant die RZD nun die Modernisierung und den Umbau des Nordbahnhofs in Kaliningrad. In dem Bauprojekt ist sogar perspektivisch die Schaffung eines extra Terminals für einen Flughafenexpress nach Chrabrowo bis zur Fußball-WM 2018 vorgesehen.

Der Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke hingegen klingt wie Zukunftsmusik. Selbst wenn Minsk das Projekt politisch unterstützt, fehlt noch grünes Licht aus Vilnius. Die Balten haben sich in der Vergangenheit stets als Bremser im Eisenbahnverkehr zwischen Kaliningrad und Kernrussland betätigt.

Dolgolew immerhin zeigt sich optimistisch: „Wenn wir gemeinsam mit den Russen die Strecke bauen, dann laufen auch die Gespräche mit den Litauern zu dieser Frage ganz anders“, glaubt er. Weißrussland sei bestrebt, nicht nur Passagiere auf der Strecke zu befördern, sondern auch mehr Güter über die Hochgeschwindigkeitstrasse und den Kaliningrader Hafen abfertigen zu lassen.

Weißrussland kann Hochgeschwindigkeitsstrecke nicht finanzieren


Allerdings steht Weißrussland derzeit vor massiven finanziellen und wirtschaftlichen Problemen. Es sieht nicht so aus, dass Minsk ein solches Milliardenprojekt in der nächsten Zeit kofinanzieren kann. Ob Moskau nach dem Milliardenkredit für das weißrussische Atomkraftwerk dem Nachbarland auch das Bahnnetz auf Pump modernisiert, ist fraglich.

Zudem steht eine Hochgeschwindigkeits-Strecke nach Kaliningrad aktuell nicht auf der Agenda der RZD. Angedacht ist derzeit allenfalls ein High-Speed-Zug nach Minsk, der dann Richtung Warschau und Berlin weiterbrausen soll. Um den Abzweig nach Kaliningrad zu forcieren, muss Gouverneur Zukanow wohl selbst in Moskau noch harte Verhandlungen führen.