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Eine halbe Ruine - der als "Reichstag" bezeichnete Flughafen von Kaliningrad. (Foto: Plath/.rufo)
Eine halbe Ruine - der als "Reichstag" bezeichnete Flughafen von Kaliningrad. (Foto: Plath/.rufo)
Mittwoch, 11.07.2012

Flughafen Kaliningrad: neuer Besitzer mit „Masterplan“

Kaliningrad. In die Rekonstruktion des ruinösen Kaliningrader Flughafens Chrabrowo kommt offenbar endlich Bewegung. Gerade hatte Moskau der Regionalregierung einen Milliardenkredit genehmigt, taucht nun ein Investor auf.

Kaum war die Freigabe des zinsgünstigen 2,2-Milliarden-Kredits durch die Staatsduma Ende voriger Woche bekannt geworden, macht jetzt in Kaliningrad eine überraschende Nachricht die Runde: Der Flughafen hat in aller Stille den Eigentümer gewechselt. Mitbekommen hat das kaum jemand, selbst Gouverneur Nikolai Zukanow soll überrascht gewesen sein.

Der bisherige Besitzer der Aktienmehrheit, die Bank St. Petersburg, hat ihr Kontrollpaket (75 Prozent der Aktien) an eine Gesellschaft namens „Aeroinvest“ verkauft. Die restlichen 25 Prozent der Anteile an Chrabrowo hält weiterhin die staatliche WneschEkonomBank.

Das Unternehmen „Aeroinvest“ ist in der Branche bislang beinahe unbekannt. Das wundert kaum, erfolgte die Gründung in Moskau doch erst im November vorigen Jahres. Dahinter steckt nach Medienberichten ein auf den Bermudas registrierter Offshore-Fonds, der mit einer Holding namens „Sindika“ in Verbindung steht.

Sie ist der Besitzer und Betreiber des Flughafens der südrussischen Stadt Mineralnye Wody. Der war bei der Übernahme so heruntergewirtschaftet und havarieanfällig, dass viele Airlines ihn aus ihrem Flugplan gestrichen hatten. Nach einem milliardenschweren Investitionsprogramm zählt MinWod inzwischen fast eine Millionen Passagiere und wurde im vorigen Jahr zum „Besten Flughafen Russland“ gekürt.

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Spitzname „Reichstag“


Ähnlich soll es nun auch mit Chrabrowo aufwärts gehen. Aeorinvest-Chef Sergej Krjutschek kündigte Ende voriger Woche einen „Masterplan“ für die Entwicklung des Airport an, an dem derzeit ein international erfahrenes Projektbüro arbeite. Noch in diesem Jahr will Aeroinvest mit der Rekonstruktion und Sanierung des Kaliningrader Flughafens beginnen.

Das tut dringend not. Seit der Pleite von KD-Avia ruht der Umbau, der schon seinerzeit eher eine Aneinanderreihung von Pfusch und Provisorien war und mehr Ruinen hinterließ als fertig gestellte Bauten. Seines „halbzerstörten Zustands“ (Kaliningradskaja Prawda) wegen verpassten die Taxifahrer dem Airport einen wenig schmeichelhaften Spitznamen: „Reichstag“.

Die Bank St. Petersburg als bisheriger Hauptaktionär, durch den Bankrott der Fluggesellschaft KD-Avia ohnehin arg gebeutelt, machte wenig Anstalten, sich die Sanierung des Terminals aufzuhalsen. An Interesse großer russischer Investoren am Airport in der EU-Enklave mangelte es durchaus nicht in den vergangenen beiden Jahren, angeblich wurde man sich mit dem Hauptaktionär nicht handelseinig.

Darum wollte die Regionalregierung von Gouverneur Zukanow jetzt selbst handeln: Im März beschloss die Gebietsduma, das Aktienkontrollpaket von der Petersburg-Bank zu kaufen. Bis 2018 muss Chrabrowo technisch auf westeuropäisches Niveau gehievt werden, sonst kann Kaliningrad sich den Traum vom Austragungsort der Fußball-WM schon gleich abschminken.

„Ein Flughafen ist wie die Garderobe im Theater“


„Wir blamieren uns und Russland vor all unseren europäischen Nachbarn mit dieser Ruine“, wettert Dumaabgeordneter Pawel Fjodorow. Die Rekonstruktion des Airports sei nicht nur wegen der Fußball-WM notwendig: „Ein Flughafen, das ist wie die Garderobe im Theater. Gäste und auch Investoren, die zu uns kommen und diese Garderobe sehen, haben schon keine Lust mehr auf die eigentliche Vorstellung auf der Bühne.“

Darum warten nun viele, was der neue Besitzer mit der bruchgelandeten Luftfahrt-Drehscheibe vorhat. Gerüchten zufolge steht „Aeroinvest“ (wie auch die Sindika-Holding in Mineralnyj Wody) dem Präsidenten der russischen Kaukasus-Republik Kabardino-Balkarien, Arsen Konokow, nahe.

Wie auch immer, der Kaliningrader Flughafen scheint als Investitionsobjekt durchaus lukrativ zu sein. Im vorigen Jahr erwirtschaftete der „Reichstag“ 17,5 Millionen Rubel Gewinn.



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Uwe Niemeier 11.07.2012 - 19:29

Harren und Hoffen

... ja, viele Signale deuten auf das Jahr 2018 - der Fußballweltmeisterschaft. Für mich gibt es schon jetzt keine Zweifel mehr das Kaliningrad einer der Austragungsorte ist. Und natürlich gehört dazu ein Top-Airport. Der nun gefundene Investor ist eine Seite. Aber nun muss real gebaut und organisiert werden ... gewaltige Möglichkeiten für ein geschäftliches Engagement auch von Ausländern. Und die günstigen Flugverbindungen von Berlin nach Kaliningrad laden gerade dazu ein mal eine Stippvisite zu machen und sich von den Betätigungsmöglichkeiten zu überzeugen.


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