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Die KD Avia holte eine große Boeing-Flotte nach Kaliningrad (Foto: tp/.rufo)
Die KD Avia holte eine große Boeing-Flotte nach Kaliningrad (Foto: tp/.rufo)
Dienstag, 04.11.2008

Überflieger KD Avia in finanziellen Turbulenzen

Kaliningrad. Für die Airline KD Avia ist 2008 kein Glücksjahr. Erst musste die Gesellschaft eine Pannenserie verkraften, nun gerät sie noch finanziell in Turbulenzen: Das Unternehmen steht knapp vor der Insolvenz.

Die Probleme stehen offenbar in Zusammenhang mit der weltweiten Finanzkrise. KD Avia sei derzeit nicht in der Lage, die laufenden Kredite zu bedienen, die Tochterfirma KD Avia Finance habe die Zahlung daher zum Teil eingefroren und den „technischen Default“ erklärt, meldet die Nachrichtenagentur Regnum. Die offenen Forderungen aus Obligationsverpflichtungen belaufen sich derzeit auf rund 80 Millionen Rubel (2,2 Mio Euro).

Um den finanziellen Absturz zu vermeiden, hat die Kaliningrader Airline nun staatliche Hilfe beantragt. Damit ist sie freilich nicht allein: Insgesamt 35 ins Trudeln geratene russische Fluggesellschaften hoffen aktuell auf 4 Milliarden Rubel (116 Mio. Euro), um Notlandungen abzuwenden.

Nach Einschätzung von Alexander Poljutow, Analyst der Nomos-Bank (die Gläubigerbank der Obligationen von KD Avia Finance), hat das Unternehmen immerhin gute Chancen, vom Staat unterstützt zu werden, da es als einer von wenigen Anbietern die Flugverbindung zwischen dem russischen Kernland und der Exklave Kaliningrad aufrecht erhält. Damit erfüllt KD Avia eine wichtige soziale und politische Funktion.

Russlands Verkehrsminister stellt Bedingungen


Ungeachtet der sehr ernsten finanziellen Situation richtet sich die Hoffnung der Investoren von KD Avia daher jetzt auf die Hilfe einer staatlichen russischen Bank. Ein solches Krisenhilfspaket stellte Russlands Verkehrsminister Igor Lewitin während seines Arbeitsbesuchs vorige Woche in Kaliningrad auch bereits in Aussicht.

Allerdings unter Bedingungen. Die wichtigste: KD-Avia muss das Fluggeschäft vom Betrieb des Flughafens in Kaliningrad/Chrabrowo trennen.

Bisher waren alle Versuche seitens der Gebietsregierung gescheitet, diese Quasi- Monopolstellung zu brechen und den aufstrebenden Flughafen für andere Beteiligungen zu öffnen. Was die Behörden nicht vermochten, erledigt nun offenbar die Krise.

Eine seiner Überlebenschancen sieht KD Avia in seiner schuldenfreien Flughafen-Immobilien. Deren taxierter Wert von 130 Millionen Rubel reicht nach Meinung von Finanzfachleuten allerdings zur Deckung der Kredite nicht aus. Zumal KD Avia bereits den zweiten Abschnitt des Internationalen Terminals beleihen will (3,8 Mrd. Rubel) – der Komplex ist noch eine Großbaustelle und wird wohl erst Mitte 2009 fertig.

Fragwürdiges Rettungsmanöver Aktientausch


Derzeit liegen sämtliche Aktien von KD Avia bei zwei privaten Banken in Kaution: Der Wneschekonombank und der Bank St. Petersburg. Das Management der Airline plant jetzt einen Tausch der Anteilsscheine gegen Immobilienaktien, um diese wiederum bei einer staatlichen Bank zwecks Kreditaufnahme zu verpfänden.

Doch Fachleute aus de Hochfinanz haben angesichts des geplanten Manövers schwere Befürchtungen. Es sei kaum geeignet, die Fluggesellschaft aus der Krise zu retten und technisch höchst problematisch, weil es an finanziellen Ressourcen fehle, die für das Auslösen von Aktienpaketen oder Immobilien notwendig sei, so Nomos-Analyst Poljutow gegenüber Regnum.

„Für uns entsteht der Eindruck, als wolle KD Avia die Verantwortung für die Refinanzierung ihrer Schulden sowie den Unterhalt der laufenden Tätigkeit allein den staatlichen Banken übertragen.“

27 Ziele in Ost und West


Ob Kaliningrads 2002 hoffnungsvoll gegründete Fluggesellschaft, die die Exklave zu einem Luftdrehkreuz für Fracht und Passagiere zwischen russischen und europäischen Großstädten entwickeln will, die Turbulenzen übersteht, ist demnach eine keinesfalls beantwortete Frage.

Bei Russland-Aktuell
• Gegen-Allianz: Aeroflot möchte Airline S7 schlucken (23.10.2008)
• Neuer Luftfahrtgigant in Russland geplant (05.09.2008)
• Fluggesellschaft AirUnion steht vor dem Bankrott (26.08.2008)
• Nächste Airline in Not: Interavia kann nicht starten (16.10.2008)
• Airline Dalavia aus Chabarowsk fliegt nicht mehr (23.09.2008)
Dabei konnte sich die Bilanz der jungen Airline bisher sehen lassen: Mit einer Flotte von mittlerweile 17 Boeing 737-300 fliegt KD Avia im Linienbetrieb mittlerweile 27 Ziele an. Die blau-weißen Jets verbinden Kaliningrad sowohl mit russischen Zentren (Moskau, St. Petersburg, Jekaterinburg, Nishnij Nowgorod, Omsk, Samara, Perm, Tscheljabinsk, Wolgograd, Rostow am Dom u.a.) als auch mit Metropolen Westeuropas (London, Paris, Prag, Mailand, Barcelona, Tel Aviv, Rom). Mehrmals pro Woche werden auch fünf deutsche Flughäfen angeflogen (Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, München).

Zu hoch geflogen - zu schnell gewachsen?


Doch mit dem schnellen Wachstum des Unternehmens häuften sich auch die Klagen über schlechten Service, mangelnde oder gleich ganz fehlende Informationen etwa über verspätete oder abgesetzte Flüge, stundenlanges Warten auf die Gepäckabfertigung und vieles andere.

Kritiker meinen schon lange, die Firma habe sich schlichtweg übernommen. Derzeit sieht sich da mancher bestätigt - seit KD Avia auch in technischer Hinsicht aus den Schlagzeilen kaum herauskommt.

Pech, Pannen - und jetzt auch noch Pleite?


Es sind beunruhigende Nachrichten: Am 1. Oktober musste eine aus Barcelona kommende Maschine auf dem Flughafen Chrabrowo mit schadhaftem Fahrwerk eine Bauchlandung riskieren. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon.

Am 11. Oktober gerieten dann auf einem Flug von Perm nach Kaliningrad Vögel ins Treibwerk, drei Tage später entstand beim Anflug auf Omsk ein Cockpit-Schaden aus demselben Grund.

In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober musste dann eine nach Astana gestartete Maschine wegen eines Fehlers im Navigationssystem kurz nach dem Start zurückkehren.

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten bei KD Avia. In der vorigen Woche gab das Unternehmen bekannt, dass die Freigepäckgrenze von 20 auf 30 Kilogramm angehoben worden ist. Die Regelung gilt vorerst bis zum 31. März 2009. Sollte das staatliche Rettungspaket ausbleiben, möglicherweise auch kürzer.



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