Dienstag, 01.10.2013

Schmelztiegel Kaliningrad: Schlossplatz vereint Kulturen

Das Haus der Räte soll ebenfalls seinen Platz im neuen Zentrum bekommen. (Foto: Plath/.rufo)
Kaliningrad. Der Schlossplatz wird zum Experimentierfeld für Stadtplaner. Er soll künftig deutsches und sowjetisches Erbe mit neuer russischer Architektur vereinen. Die Ausschreibung soll bis Jahresende stattfinden.
„Herz der Stadt“ heißt das Projekt zur Wiederbelebung des Kaliningrader Stadtzentrums. Das von unabhängigen Experten erarbeitete Konzept wurde erstmals bereits im Juni der Stadtverwaltung vorgestellt. Unter anderem schlugen die Autoren darin vor, das Bernsteinzimmer zu rekonstruieren oder einen hochwertigen Konzertsaal in der Stadtmitte zu bauen.

Neue Pläne für altes Zentrum


Das wieder aufzubauende „historische Zentrum“ soll in eine Ober- und eine Unterstadt geteilt werden. An der Stelle, wo einst Altstadt, Kneiphof und Löbenicht zum alten Königsberg verschmolzen, dominiert den Plänen nach auch künftig ein mittelalterlicher Kern das Stadtbild. Der Kneiphof soll dabei zur Museums- und Yacht-Insel werden, in der Altstadt wird der Aufbau von Hotels, Büros und Geschäften vorgeschlagen, während das Gebiet um das ehemalige Schloss und das Haus der Räte zur „Repräsentationsfläche“ von Stadt und Oblast werden soll.

Derzeit ist das Gebiet davon noch weit entfernt: Der so genannte Siegesplatz dient als Parkplatz und Fahrschule, oder ab und an fliegenden Händlern als Marktplatz. Der hohe Zaun, mit dem das Haus der Räte und die Ausgrabungen am alten Schloss weiträumig abgesperrt sind, wird von Werbeplakaten und Graffiti verziert. Das Gebiet dahinter zieht nur Trinker und wilde Pinkler an.

Internationale Ausschreibung


Doch nun will die Stadtverwaltung das 44,4 Hektar große Herzstück Kaliningrads – in der Region hat sich dafür nun der Name „Korolewskaja Gora“ (also Königsberg) eingebürgert – zur Neubebauung ausschreiben. Die Ausschreibung werde international sein, betonte der Leiter des Architekturamts in der Gebietsverwaltung Alexander Baschin. Zurückgegriffen wird dabei aber auf die Ideen des schon vorgestellten Projekts.

Dessen Autoren wollen am Schlossplatz drei Kulturen miteinander vereinen: „Das Objekt, das auf dem Platz des Königsschlosses entsteht (ich weiß bisher noch nicht, in welcher Form das sein wird), wird zum deutschen Areal. Das Haus der Räte in erneuerter Form wird zum sowjetischen Raum. Der dritte Bereich soll modern werden, beispielsweise gibt es den Vorschlag, dort eine internationale Kongresshalle zu bauen“, erklärte Alexander Popadin, einer der Projektentwickler.

Konzept für Fußball-WM gefordert


Unklar ist derzeit noch, wie der Neubau der Stadtmitte finanziert werden soll. Über die Höhe der Zuwendungen aus der Stadt- und Gebietskasse gibt es jedenfalls noch keine konkreten Angaben.

Andererseits kann die Stadt diesen zentralen Teil nicht weiter verfallen lassen wie in den letzten 20 Jahren, als trotz hochfliegender Projekte nichts passierte. Die Stadt hofft dabei auf Zuschüsse aus Moskau. Immerhin ist Kaliningrad eine der Ausrichterstädte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Es ist davon auszugehen, dass der Kreml sich bei dem internationalen Großereignis nicht derart heruntergekommen präsentieren will.