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Liegt das Original-Kant-Denkmal in Kaliningrad im Geheimbunker? (Foto: Plath/.rufo)
Liegt das Original-Kant-Denkmal in Kaliningrad im Geheimbunker? (Foto: Plath/.rufo)
Freitag, 20.11.2009

Kant-Denkmal oder Bernsteinzimmer im Geheimbunker?

Kaliningrad. Unter dem Bunkermuseum an der Kaliningrader Universität ist ein bisher unbekannter Raum entdeckt worden. Gleich wird spekuliert: Liegt hier vielleicht das verschollene Kant-Denkmal? Oder gar das Bernsteinzimmer?

Immer wenn Sergej Trifonow, Historiker mit ausgeprägtem Hang zur Erforschung Königsberger Mythen, mit einer neuen These auf den Plan tritt, kann er sich der öffentlichen Aufmerksamkeit sicher sein.

Im Kollegium der Kaliningrader Geschichtsforscher ist er daher nicht unumstritten, man wirft ihm gern mal vor, sich mit seinen geheimnisumwölkten Legenden vor allem selbst inszenieren zu wollen.

Doch der Mann bewies schon öfter, dass an manchem, was in dieser doppelbödigen Stadt nach Spinnerei klingt, mehr dran ist. Ein verborgener Tunnel etwa zwischen dem einstigen Königsberger Schloss und der Dominsel Kneiphof hat vermutlich tatsächlich existiert.

Bei Ausgrabungen in den Schlosskellern stieß man auf deutliche Spuren. Die Archäologen des Gebietsmuseums für Geschichte und Kunst hatten den Gang immer angezweifelt. Trifonow beharrte auf seiner These – und behielt recht.

Hohlraum unter der Treppe


Jetzt hat der Legendenforscher wieder ins Schwarze getroffen. Unter dem so genannten Lasch-Bunker am Universitätsplatz existiert offenbar ein zweites, bisher unbekanntes Bunkersystem. Einen Raum entdeckte Trifonow soeben, auf Basis von Daten, die zuvor eine Georadar-Untersuchung geliefert hatte.

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Die etwa sechs Quadratmeter große Kammer hat Stehhöhe und befindet sich direkt unter der Haupteingangstreppe in den einstigen zentralen Befehlsstand der Wehrmacht in Königsberg.

Vorerst existieren von dem jüngsten gelüfteten Geheimnis der alten Preußenmetropole am Pregel nur einige verschwommene Bilder einer Videosonde. Durch die Treppenstufen hatte Trifonow – allein, ohne Zeugen – ein Loch gebohrt, groß genug für eine Kabelkamera.

Nach dem Abpumpen von etwa dreieinhalb Tonnen Wasser (Trifonow: „klar wie Trinkwasser“) filmte er mit der Sonde einen Raum, in dem auf den Bildern außer grauen Betonwänden ein größerer länglicher Gegenstand auf dem Boden auszumachen ist – für den Historiker eine Skulptur oder der Teil einer solchen.

Nicht nur die Form spreche dafür, sondern auch deutlich erkennbarer Grünspanbelag. Trifonow hält es für möglich, dass es sich um das verschollene Denkmal des Philosophen Immanuel Kant handelt.

„Das Denkmal stand damals vor der Universität. Bisher meint man, es sei nach dem Krieg verschollen. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es in dem geheimen Bunker eingelagert wurde“, meint Trifonow

Das Diorama im Bunkermuseum zeigt Königsberg nach den verheerenden Luftangriffen von 1944. (Foto: Plath/.rufo)
Das Diorama im Bunkermuseum zeigt Königsberg nach den verheerenden Luftangriffen von 1944. (Foto: Plath/.rufo)

Denkmal ausgelagert und verschollen


Ob da unten wirklich die Skulptur des großen Königsberger Denkers entdeckt wurde, darf allerdings bezweifelt werden. Das Denkmal, ein Werk des Bildhauers Christian Daniel Rauch von 1857, war nach der Bombardierung der Stadt im Frühherbst 1944 von Gräfin Marion Dönhoff auf ihr Gut Friedrichstein 20 Kilometer östlich von Königsberg evakuiert worden – zum Schutz vor weiteren Luftangriffen.

Die Auslagerung ist belegt. Aus dem Schlosspark verschwand die Kant-Skulptur demnach nach dem Krieg. Ihr weiteres Schicksal ist ungeklärt. Friedrichstein gibt es nicht mehr.

Allerdings wäre Königsberg nicht Königsberg, gäbe es nicht auch hier widersprüchliche Informationen. So finden sich in Archiven die Berichte mehrerer Augenzeugen, unter anderem die des einstigen Gymnasialdirektors Horst Dühring, die Statue noch nach dem Krieg vor der Universität gesehen haben wollen. Nur: Wie käme das Denkmal dann in den geheimen Bunker?

Bunker heute Museum


Marion Dönhoff ließ 1992 mit Spendengeldern der ZEIT-Leser eine Replik des Denkmals anfertigen, es steht seither fast auf dem gleichen Platz vor der mittlerweile nach Immanuel Kant benannten Kaliningrader Staatsuniversität.

An diesem Schreibtisch wurde 1945 die Kapitulation der Festung Königsberg unterzeichnet. (Foto: Plath/.rufo)
An diesem Schreibtisch wurde 1945 die Kapitulation der Festung Königsberg unterzeichnet. (Foto: Plath/.rufo)
Knapp 150 Meter sind es von dort bis zum Eingang jenes erst Anfang 1945 fertig gestellten Bunkers, in dem Wehrmachtsgeneral Otto Lasch als Stadtkommandant die sinnlose Verteidigung Königsbergs gegen die Sowjetarmee befehligte und am 9. April die Kapitulationsurkunde unterschrieb.

Bis heute hält der Bunker als Filiale des Kunsthistorischen Gebietsmuseums in 21 Stahlbetonkammern voller heroisch aufgemachter Schaubilder, Fotos und Originaldokumente die Erinnerung an den Sturm der „Festung Königsberg“ wach.

Jährlich kommen mehr als 20.000 Besucher hierher. Dass sich unter ihren Füßen ein zweiter, geheimer Bunker befand, ahnte niemand.

Sergej Trifonow hofft, nun bald die Genehmigung zu bekommen, den entdeckten Hohlraum zu öffnen. Er hält ihn nur für den Anfang zu weiteren Schutzräumen: „Der Gedanke, dass dort verschollene Königsberger Kulturgüter entdeckt werden könnten, ist wohl nicht besonders abwegig.

Mich würde es jedenfalls nicht überraschen, wenn wir hier auf Spuren des Bernsteinzimmers stoßen würden.“




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In der Straßenkinder-Betreuungsstätte Jablonka (Apfelbäumchen) bekommen diese Kaliningrader Kinder, was ihnen in ihren sozial zerrütteten Familie versagt blieb: ein warmes Zuhause, Fürsorge, geregelte Mahlzeiten. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche leben in Kaliningrad auf der Straße - bei den derzeitigen Temperaturen der blanke Horror. (Topfoto: Plath/.rufo)


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