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| Das Fahrwasser verflacht ebenso wie der Güterumschlag: der Hafen von Kaliningrad (Foto: tp/.rufo) | |
Dienstag, 01.12.2009
Kaliningrader Hafen im Minus, Ausweg in Planung
Kaliningrad. Der Frachtumschlag im Kaliningrader Hafen ist in den ersten neun Monaten 2009 um 23 Prozent gesunken. Und das, obwohl alle russischen Häfen zeitgleich um über acht Prozent zulegten. Woran liegt‘s?
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Solche Nachrichten hört Alexandra Smirnowa, Wirtschaftsministerin der Kaliningrader Regionalregierung, gar nicht gern. Vom Verbreiten ganz zu schweigen: Darum ließ die Ministerin im jüngsten Bericht zur „Wirtschaftsentwicklung des Gebietes Kaliningrad von Januar bis September“ das Hafen-Minus einfach weg.
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Das Problem freilich ist damit nicht vom Tisch. Mit einem Jahresumschlag von knapp 12 Mio. Tonnen erreicht der Hafen mittlerweile noch gerade die Hälfte dessen, was hier in den krisengeschüttelten 1990er Jahren umgeschlagen wurde.
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Früher viel Schrott, heute viel Öl Sicher, damals schraubten Unmengen an Altmetall die Statistik hoch, weil in den bankrotten Rüstungs- und Staatsbetrieben der einstigen Militärprovinz noch die letzte Präzisionsdrehmaschine unter den Schneidbrenner kam und anschließend portionsgerecht auf riesigen Stahlhaufen im Hafen landete, um als billiger Schrott nach Skandinavien verschifft zu werden.
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Doch auch heute täuscht die Statistik über die wahre Not des Hafens hinweg. Denn allein fast zwei Drittel entfallen auf den Umschlag von Öl. Und der läuft großenteils über die Terminals in Swetly (Zimmerbude) weit außerhalb des alten Königsberger Hafengeländes. Ohne das Öl sähe es um die Statistik noch viel düsterer aus.
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Zuwenig Wasser unterm Kiel Denn der Kaliningrader Hafen steckt in der Klemme. Buchstäblich. Größtes Handicap ist, neben dem fehlenden industriellen Hinterland, seine Lage: Schiffe, die Kaliningrad anlaufen wollen, müssen dafür zunächst den 43 Kilometer langen Seekanal passieren.
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Die über hundert Jahre alte künstliche Wasserstraße ist hoffnungslos versandet, doch ein Ausbaggern der Fahrrinne würde Millionen kosten. Darum kommen mittlerweile nur noch Frachter bis maximal 12.000 Tonnen zum Hafen durch – für die moderne Schifffahrt ein unrentables Geschäft.
So bleibt der Kaliningrader Hafen trotz Wirtschaftsaufschwungs und Baubooms in der russischen Ostsee-Exklave immer weiter hinter seinen baltischen Konkurrenten zurück.
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Zum Vergleich: Der Hafen im benachbarten litauischen Klaipeda schlägt derzeit rund 23 Mio. Tonnen um, Tendenz steigend. Die lettische Hafenstadt Ventspils bringt es gar auf 35 Mio. Tonnen Jahresumschlag – trotz der Boykottmaßnahmen, mit denen Moskau den einst größten Erdölumschlaghafen der Sowjetunion nach wie vor belegt.
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Suche nach Alternativen In Kaliningrad dauert die Suche nach einer Alternative für den defizitären Handelshafen schon über als zehn Jahre. Die naheliegende Lösung wäre ein Wirtschaftshafen in Baltijsk – direkt an der offenen Ostsee. Das Projekt stieg in der Exklave sogar schon einmal zu einem zentralen Wahlkampfthema auf, Ende der 1990er Jahre, als Gouverneure in Russland noch vom Volk gewählt wurden.
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Doch in Baltijsk, dem einstigen Pillau, ist die Baltische Flotte stationiert. Und die Marine wehrte und wehrt sich heftig gegen eine zivile Öffnung der nach wie vor für Ausländer gesperrten Stadt.
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Inzwischen kristallisiert sich mehr und mehr Swetly, 20 Kilometer westlich von Kaliningrad, als künftiger Industriestandort heraus. Für den Bau eines supermodernen Tiefwasserhafens in Nachbarschaft des Öl-Umschlagterminals laufen bereits die Vorplanungen. Angepeilte Bauzeit: 2012-15.
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| Die "Lappland" bringt jetzt regelmäßig Container von Hamburg nach Kaliningrad (Foto: Hafen Hamburg) | |
Neue Container-Linie eröffnet In der vorigen Woche wartete die Seewirtschaft in Kaliningrad aber auch mit einer positiven Nachricht auf. Die Trans-Baltica Container Line, Anbieter von Liniendiensten im Container- und RoRo-Segment, hat einen neuen Feeder-Dienst zwischen Hamburg, der russischen Exklave Kaliningrad und Riga eingerichtet. Laut einem Bericht von transport-online.de wird die Linie mit dem eisverstärkten Spezialfrachter „Lappland“ bedient.
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Das 119 Meter lange, bis zu 17 Knoten schnelle Schiff verfügt über eine Stellplatzkapazität von 658 Standardcontainern und läuft im wöchentlichen Dienst den Hafen Baltijsk und die lettische Hauptstadt an. Die erste Abfahrt ab Hamburg erfolgte am 5. November.
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