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Prof. Franz-Christian Czygan machte sich um die Deutschland-kontakte der Kaliningrader Universität sehr verdient (Foto: M.Czygan)
Prof. Franz-Christian Czygan machte sich um die Deutschland-kontakte der Kaliningrader Universität sehr verdient (Foto: M.Czygan)
Donnerstag, 02.02.2012

Kaliningrad: Universität gedenkt deutschen Ehrendoktors

Kaliningrad. Die Immanuel-Kant-Universität trauert um Franz-Christian Czygan. Der aus Königsberg gebürtige Würzburger Professor für Pharmazeutische Biologie starb im Alter von 77 Jahren nach langer schwerer Krankheit.

Im April 2000 hatte ihm die Kaliningrader Universität für „seine Verdienste um die Entwicklung einer modernen Pharmazeutischen Biologie sowie um die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ost und West“ die Ehrendoktor-Würde verliehen. Der gebürtige Königsberger war der dritte Deutsche nach dem Völkerkundler Dietrich Rauschning und der Publizistin Marion Gräfin Dönhoff, dem diese Ehre zuteil wurde.

Czygan hatte von 1972 bis 2000 den Lehrstuhl für pharmazeutische Biologie an der Universität Würzburg inne. Sein Forschungsgebiet waren die Wirkstoffe von Arzneipflanzen. Dabei suchte der studierte Apotheker und Botaniker immer wieder Kontakt auch über die Naturwissenschaften hinaus, zu (Kunst-)Historikern, Medizinern, Juristen, Philologen und Theologen.

Daraus resultierte unter anderem die Arbeit in der Forschergruppe „Klostermedizin“, die durch die jährliche Kür der „Arzneipflanze des Jahres“ deutschlandweit bekannt wurde.

Uni-Kontakte und Studentenaustausch nach Würzburg begründet


Als nach dem Ende der Sowjetunion 1991 auch das jahrzehntelang abgeriegelte Militärsperrgebiet Kaliningrad wieder für Ausländer zugänglich wurde, war Prof. Dr. Franz-Christian Czygan einer der ersten Professoren, die Kontakt zur staatlichen russischen Hochschule im ehemaligen Königsberg suchte – jener Stadt, in der er 1934 geboren wurde und die er zum Ende des zweiten Weltkrieges verlassen musste.

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Neben dem Austausch von botanischen Forschungsergebnissen galt das besondere Augenmerk Czygans und seines Kaliningrader Partners, dem Biologen Professor Dr. Viktor Dedkow, immer den menschlichen Begegnungen.

Deutsche und russische Studenten sollten die Möglichkeit erhalten, sich kennen zu lernen und miteinander zu arbeiten. Nur so könnten sie Verständnis für die gemeinsame, wechselhafte Geschichte der beiden Völker aufbringen und zur Versöhnung in Europa beitragen, sagte Czygan seinerzeit bei der Feier zur Verleihung der Ehrendoktorwürde, mit der die russische Universität sein Engagement für die Brückenschläge zwischen Ost und West auszeichnete.

Zahlreiche junge Russen haben dank dieser Kooperation und des von Czygan initiierten Studierendenaustausch zwischen den beiden Universitäten in Würzburg Freunde gefunden.

Kein Freund von Lobesreden


Öffentliche Ehrungen und Laudationes waren Franz-Christian Czygan eher lästig, er fand sie schlicht „langweilig und überflüssig“. Als die Universität den „kunstsinnigen Botaniker“ (Mainpost) einmal zu seinem 65. Geburtstag porträtieren wollte, lehnte er ab.

Stattdessen wünschte er sich Verse seines Lieblingsdichters Jewgeni Jewtuschenko in der Nachdichtung von Godehard Schramm. Die Universität hat diese Zeilen nun noch einmal veröffentlicht, in einem Nachruf:

Bedeutungslose Menschen gibt es nicht.
Denn jedes Schicksal hat, planetengleich, Geschichte.
Und jeder Einzelfall ist stets ein Sonderfall,
und kein Planet gleicht ihm im Weltenall.
So hat ein jeder seine ganz geheime Welt.
Der allerschönste Augenblick darin ist nur der seine.
Die allerschlimmste Stunde gehört ihm ganz alleine.
Uns aber ist der Blick dafür verstellt.




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