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Hässlich, leer und juristisch umstritten: Das Dom Sowjetow in Kaliningrad (Foto: tp/rufo)
Hässlich, leer und juristisch umstritten: Das Dom Sowjetow in Kaliningrad (Foto: tp/rufo)
Donnerstag, 20.07.2006

Kaliningrad: Streit um "Haus der Räte" vor Gericht

Kaliningrad. Das "Haus der Räte", Kaliningrads berühmteste Bauruine, macht wieder einmal Schlagzeilen. Diesmal vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft klagt gegen den Verkauf des "Dom Sowjetow" vor drei Jahren.


Als die Organisation "Kulturell-Geschäftliches Zentrum", eine je zur Hälfte von der Stadt und der Gebietsverwaltung gehaltene Aktiengesellschaft, das Rätehaus im März 2003 für knapp 7,3 Millionen Rubel (214.000 Euro) an eine Moskauer Firma verscherbelte, schwappte eine Welle der Empörung durch die Stadt – auch wenn die Mehrheit der Kaliningrader den 16-stöckigen sowjet-konstruktivistischen Betonklotz lieber abgerissen sehen würde.

Denn schnell hatten Experten ausgerechnet, dass der Marktwert der unvollendeten Immobilie eigentlich zehnmal höher lag. Allein das 3,2 Hektar große Grundstück in zentraler Lage war ganz offensichtlich mehr wert als ein Preis, den damals bereits ein mittelprächtiges Eigenheim am Stadtrand kostete.

Einstweilen nur eine dünne Beweislage


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Käufer des monumenalen Rohbaus, der nach dem Willen seiner Schöpfer die architektonische Dominanz des 1968 gesprengten Königsberger Schlosses ersetzen sollte, war das Moskauer Bauunternehmen "Protostroj" - eine Firma, von der man in Kaliningrad nicht viel mehr musste, als das sie mit dem allenfalls symbolischen Mindest-Stammkapital von 10.000 Rubel (300 Euro) gegründet worden war.

Protostroj wollte laut Baustellenschild aus dem Monstrum ein "Verwaltungs- und Geschäftszentrum" bauen. Geplante Fertigstellung: Oktober 2006. Daraus wird wohl nichts.

Stattdessen steht Protostroj jetzt vor dem Kadi. In parallelen Klagen am Kaliningrader Schiedsgericht ziehen Gebietsstaatsanwaltschaft und die Immobilienagentur der neuen Regionalregierung von Gouverneur Georgi Boos gegen den vermeintlich ungesetzlichen Rätehaus-Deal zu Felde.

Den Beweis blieben beide Kläger freilich noch schuldig - so dass der Richter den Prozess bereits am ersten Verhandlungstag verschob. "Viel Pathos und eine stümperhafte Vorbereitung", lästerte die Zeitung "Dwornik“ anschließend.

Zukunft des Klotzes weiterhin ungewiss


Mit einer Entscheidung wird immerhin noch in diesem Sommer gerechnet. Das Ermittlungsverfahren beginnt bereits politische Kreise zu ziehen. Denn im August 2005, in den letzten Tagen des ehemaligen Gouverneurs Wladimir Jegorow, verlegte Protostroj seinen Sitz von Moskau nach Kaliningrad. Die juristische Adresse der Firma ist seither laut Zeitungsberichten identisch mit der von Konstantin Schewejko. Er war unter Jegorow Chef des Immobilienausschusses.

Möglicherweise wird der umstrittene Verkauf rückgängig gemacht und der Betonklotz fällt erneut zurück in das Staatseigentum. Was aus dem Haus der Räte werden soll, wird dadurch freilich nicht klarer. Zwar bekam der Kasten im vorigen Jahr zum großen Stadtgeburtstag einen frischen blau-weißen Anstrich und neue Fenster spendiert und wirkt seither viel freundlicher. Doch innen steht das Labyrinth aus langen Korridoren und 32.000 Quadratmetern Büroräumen nach wie vor leer.

Kaliningrads Chefarchitekt schwebt der Umbau in ein "Dienstleistungs- und Geschäftszentrums" vor. Was immer sich hinter der wolkigen Bezeichnung konkret auch verbirgt: In Baschins Entwurf zur Neugestaltung des ehemaligen Schlossplatzes hat das Dom Sowjetow seinen festen Platz - radikal saniert und mit einer riesigen Glaspyramide auf dem Dach.

(tp/.rufo)

Haus der Räte - die Geschichte eines Kaliningrader "Baudenkmals"

1967: Der Rat der Volksdeputierten Kaliningrads beschließt den Bau eines "Hauses der Räte" anstelle des abgerissenen Königsberger Schlosses.

1970: Der Bau des Gebäudes beginnt - in etwa dort, wo sich vor dem Krieg die Ostpreußische Reichsbank befand.

1992: Der Rohbau, offiziell zu zwei Dritteln fertiggestellt, wird "eingefroren". Hartnäckig halten sich bis heute Gerüchte, der Bau sei aufgrund statischer Mängel abgebrochen worden. Die Konstrukteure bestreiten das vehement. Sie geben die Finanznot der Perestrojka-Zeit als Hauptursache an.

1995: Stadt und Gebietsverwaltung gründen mit je 50 Prozent Anteil die Offene Aktiengesellschaft "Kulturell-Geschäftliches Zentrum" (KDZ) und übertragen ihr das Rätehaus inklusive des 3,28 Hektar großen Grundstücks.

1996: Die Firma "MiDifi Holding" mit Sitz in Panama erwirbt das Rätehaus.

2001: Stadtverwaltung und Gebietsadministration erwirken per Gericht, dass das Geschäft mit dem untätigen panamesischen "Investor" rückgängig gemacht wird. Der Status quo (KDZ, 50/50 Prozent Stadt/Gebiet) wird wieder hergestellt. KDZ versucht, das Dom Sowjetow an den gerade gegründeten regionalen Entwicklungsfonds zu verkaufen. Das Geschäft wird nicht genehmigt.

2002: KDZ ist pleite und wird per Gerichtsbeschluss von einem Konkursverwalter weitergeführt.

2003: Verkauf des Dom Sowjetow an die Moskauer Baufirma Protostroj für den Preis von 7,3 Millionen Rubel.

2005: Protostroj verlegt seinen Firmensitz nach Kaliningrad. Das Dom Sowjetow bekommt zur 750-Jahrfeier frische Fassadenfarbe.

2006: Die Gebietsregierung ficht den vermeintlich nicht gesetzlichen Verkauf vor Gericht an. (tp)



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