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| Auf dieser Freifläche vor dem "Haus der Räte" stand einmal das Königsberger Schloss. (Foto: tp/rufo) | |
Montag, 12.11.2007
Kaliningrad: Neues Schloss als Regierungssitz?
Kaliningrad. Das „neue“ Königsberger Schloss könnte nach seinem geplanten Wiederaufbau Sitz der Regionalregierung des Kaliningrader Gebietes werden. Es könnte aber auch auf eine Nutzung als Luxushotel hinauslaufen.
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Gouverneur Georgij Boos überraschte dieser Tage während einer seiner stets öffentlichkeitswirksam inszenierten „Inspektionstouren“ durch die Gebietshauptstadt mitreisende Minister, Kommunalpolitiker und Medienleute mit seiner neuen Idee: „Wir wollen das Schloss wiederaufbauen, darum müssen wir uns schon jetzt ernsthaft darüber Gedanken machen, wer dort einziehen soll. Natürlich darf es nicht leer stehen, aber es muss auch eine Nutzung sein, die zum Charakter des Gebäudes passt“, sagte der Gebietschef.
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Er könne sich darum vorstellen, dass das neue Schloss neben einem großen Museumskomplex auch die oberste Behörde der Region beherberge. „Ein repräsentativer Regierungssitz hat in allen europäischen Ländern und Hauptstädten Tradition.“
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Vorbild Schloss Braunschweig?
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Derzeit gibt es in der Frage, wer oder was im wiederaufgebauten Wahrzeichen der Stadt residieren wird, nur vage Überlegungen. Sollte Moskau tatsächlich die von Präsident Putin in Aussicht gestellte Hälfte der auf 100 Millionen Euro geschätzten Baukosten übernehmen, ständen die Chancen für eine entsprechend dominierende öffentliche Nutzung des Schlosskomplexes nicht schlecht.
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Doch Alexander Baschin, Chefarchitekt von Kaliningrad und einer der engagiertesten Befürworter des Wiederaufbauprojekts, bezweifelt, dass die Staatsrubel tatsächlich an den Pregel rollen werden. Baschin setzt auf Investoren aus der freien Wirtschaft.
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Vorbilder seiner Kalkulationen ist dabei unter anderem der überwiegend privat finanzierte Wiederaufbau des Braunschweiger Schlosses – wo freilich die Nutzung eines beträchtlichen Teils des Bauwerks als Einkaufszentrum für heftige Diskussionen sorgte.
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Ähnliche Debatten gibt es derzeit auch in Kaliningrad. Denn soviel scheint allen klar: Je größer der Anteil privaten Investments am Königsberger Schloss, desto stärker werden die Geldgeber auch an der Nutzung mitverdienen wollen.
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Schon ist die Rede von einem exklusiven Luxushotel und entsprechender Gastronomie unter dem Dach neuen Schlosses: edles Speisen mit Blick auf Gemälde Friedrichs I., der sich 1701 hierselbst zum König in Preußen krönte….
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Privates Interesse am Wiederaufbauprojekt wächst
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An Interesse am ambitioniertesten städtebaulichen Wiederaufbau-Vorhaben der nächsten Jahre in Kaliningrad mangelt es mittlerweile nicht mehr. Seit die Auferstehung des Königsberger Schlosses sozusagen beschlossene Sache ist, stehen bei Baschin russische und ausländische Gesprächspartner Schlange, die genaueres über das Projekt und mögliche Beteiligungsmodelle wissen wollen.
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Das für die staatliche Finanzierung zuständige Moskauer Kulturministerium hält sich unterdessen vornehm zurück. Der Fonds zum Erhalt national bedeutsamer russischer Baudenkmale, aus dem die von Putin zugesagten Zuschüsse verwaltungstechnisch fließen sollen, scheint auch nicht sonderlich prädestiniert für das vor 752 Jahren vom Deutschen Orden als Burg gegründete Preußenschloss.
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Erweiterungsbau für Bürokraten steht schon
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Der Gedanke von Georgij Boos, das Königsberger Schloss als künftigen Sitz der Provinzregierung wiederaufzubauen, dürfte die Diskussion voranbringen – und in eine neue Richtung lenken.
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Zum Selbstverständnis eines russischen Gouverneurs passt so ein fürstlicher Dienstsitz jedenfalls ganz gut. Im geräumigen Schlosshof ist, so er nach altem Vorbild wieder entsteht, viel Platz für die schweren Nobelkarossen der Kaliningrader Verwaltungschefs.
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Und sollte der Platz für alle Minister und ihre verschachtelten Bürokratenapparate nicht reichen, steht gleich nebenan auf dem alten Schlossplatz sogar schon ein Erweiterungsbau bereit: das klobige „Haus der Räte“.
(Thoralf Plath/tp/.rufo)
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