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Müll ziert im Gebiet Kaliningrad die schönsten Orte (Foto: .rufo)
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Freitag, 26.05.2006

Kaliningrad: Müll-Feuerwehr soll für Sauberkeit sorgen

Kaliningrad. Es stinkt zum Himmel. Mit einer neu organisierten Müllentsorgung, mehr Geld für Straßenfeger und Öffentlichkeitsarbeit will Kaliningrads Oberbürgermeister Juri Sawenko der Vermüllung der Stadt Herr werden.

Eines der größten Probleme Kaliningrads stinkt buchstäblich zum Himmel: Müll. Er landet überall, wo man geht und steht, neben den Gehwegen und in Parks, in Vorgärten und Hinterhöfen, leeren Häusern und verlassenen Militärobjekten. Über 3.000 Müllcontainer stehen in den Straßen Kaliningrads, doch viele quellen schon über, wenn die Müllabfuhr sie nur einen Tag nicht leert. Denn in den offenen Kübeln landet alles.

Abfall liegt überall



Recycling? Mülltrennung? Fehlanzeige. Das Ufer des Oberteichs ist von leeren Plastikflaschen, Tetrapaks und Unrat gesäumt, im Wallgraben des Dohnaturms hinter dem Zentralmarkt türmt sich Gewerbeabfall meterhoch. Der Betonschutt des Baubooms wird klammheimlich an den Stadträndern verklappt, zwischen Garagenkolonien und Brachland.

Die Ursachen der Misere sind bekannt. Ein schwerfälliger kommunaler Entsorgungsbetrieb mit der Mentalität einer Sowjetbehörde und schlecht bezahlten Mitarbeitern, aber auch die endlos steigende Flut von Einwegverpackungen und verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber Umweltproblemen haben die Abfallentsorgung zur Katastrophe auswachsen lassen.

Im Stadtzentrum rings um den polierten Platz des Sieges wird mittlerweile scharf auf Sauberkeit geachtet. Doch Arbeiterwohnviertel wie der Baltiski Rayon versinken im Dreck. Als im Frühling der Schnee des langen Winters taute, sah es in manchen Vierteln der Stadt aus, als seien dort Wertstoffcontainer explodiert.

Mehr Wettbewerb für Müllabfuhr


Darum hat Oberbürgermeister Juri Sawenko das Thema inzwischen zur Chefsache gemacht und seine Verwaltung auf den Kampf gegen den Müll eingeschworen. Weil organisierte Frühlings-Subbotniks nicht viel helfen, lässt Sawenko jetzt das Abfall-Management umbauen und modernisieren.

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In dieser Woche trat die erste Stufe des Strategieplans in Kraft: Die Haushaltsmittel fließen künftig nicht mehr an den kommunalen Entsorgungs-Monopolisten "Tschistota" (Sauberkeit), sondern an die Stadtbezirksverwaltungen. Von dort aus wird die Entsorgungsleistung künftig ausgeschrieben, um mehr Wettbewerb in die Müllbeseitigung zu bringen.

An der offiziellen Zentraldeponie Kaliningrads, einem riesigen Abfallgebirge am Rand der Siedlung Kosmodemjanskoje, will die Stadt eine elektronische Sammelwaage bauen lassen, um die angelieferten Mengen künftig genau erfassen zu können. Bisher schätzt man den Müll kubikmeterweise nach Augenmaß.

Während die Waage, Kosten etwa 2,5 Millionen Rubel (70.000 Euro), erst noch angeschafft werden muss, hat die neugegründete Firma "Sauberkeit und Ökologie" schon gut zu tun. Das stadteigene Unternehmen soll künftig die Rolle einer Müll-Feuerwehr spielen - und zum Beispiel dort einspringen, wo Abfallkübel nicht geleert werden oder Beschwerden auflaufen.

„Unsere erste Aufgabe ist aber, die Anzahl der Altdeponien im Stadtgebiet zu erfassen", sagt Sergej Lewakow, stellvertretender Chef der ökologischen Eingreiftruppe. Fast 120 solcher Kippen hat man schon lokalisiert. Sie sollen schrittweise geschlossen und saniert werden werde - eine gewaltige Aufgabe, von der noch niemand weiß, wie sie zu bewerkstelligen ist.

Ökologische Zeitbomben


Noch deutlicher wird das, blickt man über die Stadtgrenzen hinaus. Die unkontrollierten Müllkippen sind eines der größten Umweltprobleme der russischen Exklave. Nach Angaben des Statistikamtes gibt es im Kaliningrader Gebiet 161 offene Deponien mit einer Gesamtfläche von etwa 135.000 Hektar, auf denen derzeit grob geschätzte 38 Millionen Kubikmeter Müll lagern - pro Jahr kommen 450.000 Kubikmeter dazu.

Was genau in den Tiefen dieser Kippen schlummert, weiß kein Mensch. Immer wieder ist von radioaktiven Abfällen die Rede. Ökologische Zeitbomben sind diese Altlasten in jedem Fall.

Für die Zukunft ist darum der Bau einer großen Müllverbrennungsanlage geplant. Als Standort einer solchen Anlage, Jahreskapazität 100.000 Tonnen, ist die Region der Bernsteinsiedlung Jantarny (Palmnicken) an der Samlandküste im Gespräch. Geschätzte Kosten: umgerechnet 70 Millionen Euro.

Die Hoffnung auf ein lukratives Geschäft hat im Westen bereits die Großen der Branche auf den Plan gerufen. Seit vorigem Jahr sprachen mehrere Delegationen deutscher Entsorgungsträger und renommierter Anlagenbauer in Kaliningrad vor. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Mehr "Dworniki" und Plakate


Jenseits dieser strategischen Ziele will Bürgermeister Sawenko mit kleinen Schritten für mehr Sauberkeit in Kaliningrad sorgen. So sollen die 430 „Dworniki", Straßenfeger, mehr Lohn bekommen, und weitere eingestellt werden.

Der Dwornik ist eine russische Institution. Auch in Kaliningrad gehört das rhythmische Schurren ihrer Reisigbesen ebenso zum frühmorgendlichen Bild wie Jogger und Sonnenaufgang. Meist sind es alte Leute, die sich mit umgerechnet 40 Euro im Monat ihre karge Rente aufbessern. Jüngere Menschen nehmen diesen Job kaum an.

Das Geld will Sawenko aus einem Sonderfonds nehmen, aus dem bereits die Plakatkampagnen bezahlt werden, mit denen neuerdings überall im Stadtzentrum um Sauberkeit gemahnt wird: "Kaliningrader, halten wir unsere Stadt rein!" Im russischen Volksmund klingt das etwas anders: „Sauber ist es nicht dort, wo man aufgeräumt hat, sondern dort, wo nichts weggeworfen wurde."

(tp/.rufo)


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