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| Virtuelles Reisebüro: Künstlerin Dominique Hurth (li.) nimmt die Reiseträume der "Antragsteller" entgegen. (Foto: S. Linde/.rufo) | |
Donnerstag, 03.07.2008
Kaliningrad: Künstlerprojekt nimmt Reisen unter die Lupe
Kaliningrad. Was bedeutet Reisen für die Kaliningrader – eingeschlossen von Schengen-Staaten in einer Enklave? Das will die Künstlerin Dominique Hurth seit Mittwoch mit einem virtuellen Reisebüro herausfinden.
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Ein künstlerisches Happening am Eingang des deutschen Generalkonsultats zieht Aufmerksamkeit auf sich: Die Umrisse eines Reisebüros sind grob auf den Boden aufgezeichnet, in der Mitte steht ein Tisch mit Formularen, hinter dem Dominique Hurth sitzt und Stempel verteilt.
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Es sieht fast aus wie der übliche bürokratische Alltag, aber auf den Formularen werden andere Fragen gestellt: Was ist für dich der ideale Reiseort? Wie stellst du dir die Reise vor? Würdest du zurückkommen, wenn du die Wahl hättest?
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Wie bastle ich mir eine Reise? „Die Reiseträume der Kaliningrader erfahren“, möchte die Künstlerin und gebürtige Französin Dominique Hurth in der „Travel Route Boutique“. Dazu wird von jedem Teilnehmer eine Akte mit vier auszufüllenden Formularen angelegt – inklusive Foto, das an Ort und Stelle geknipst wird. Im Anschluss wird eine Teilnahmebestätigung ausgehändigt, ganz wie im echten Visaverfahren.
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„Die Idee war, eine Reise selbst zu basteln“, sagt Dominique Hurth. Dabei gehe es auch darum, im Bezug auf das Thema Reise ein kritisches Bewusstsein bei den Kaliningradern zu erzeugen: was bedeutet Reisen abseits von der banal gewordenen Bürokratie des Visaverfahrens?
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Dazu können die „Antragsteller“ sich Fotos aussuchen, auf denen nicht unbedingt nur Städteansichten zu sehen sind, sondern auch ganz andere Dinge und Tätigkeiten – die Reise als mentale Grenzüberschreitung, Phantasie, Utopie.
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Dynamische Grenzstädte im Ostseeraum Das zweitägige künstlerische Projekt findet im Rahmen des postgradualen Studiengangs „EU-Urbanism II – Border Cities“ des Bauhaus Kollegs der Stiftung Bauhaus Dessau statt.
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Der Studiengang will herausfinden, inwieweit die Grenzstädte des Ostseeraums „Versuchsanordnungen für das Projekt der Europäisierung“ sind, inwieweit sie also Teil eines neuen transnationalen Kooperationsnetzwerks sind. Neben Kaliningrad stehen noch vier andere Städte auf dem Lehrplan – Kopenhagen, Malmö, Helsinki und Tallinn.
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„Es geht darum, wie sich über EU-Politik Räume aufmachen und Städte eine neue Dynamik bekommen oder auch abgeschottet werden“, sagt Stefan Rettich, Lehrer des Studiengangs und Betreuer des Projekts von Dominique Hurth.
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EU-Grenzen hemmen Kaliningrads Wirtschaft Dass Kaliningrad als einzige Nicht-EU-Stadt ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Denn die Stadt und das ganze Gebiet profitieren im Gegensatz zu den anderen Grenzstädten nicht von der EU-Grenzerweiterung. Im Gegenteil: die Grenzen wurden durch den kürzlichen Schengen-Beitritt von Polen und Litauen undurchlässiger und stellen eher ein wirtschaftliches Hemmnis dar.
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„In der Stadt hat man nicht den Eindruck, dass die Grenzen so präsent sind, aber im Gebiet sieht es viel ärmer aus als in den europäischen Nachbarregionen“, sagt Dominique Hurth.
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Das Künstler-Projekt kommt bei den Kaliningradern gut an, viele Leute machen mit. Der ideale Reiseort der Kaliningrader ist meist Berlin – das hängt auch mit der Lage des Happenings vor dem Generalkonsulat zusammen. Die Leute sind hier, um tatsächlich Visa zu beantragen oder abzuholen.
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Immerhin hat Dominique Hurth ihr Ziel erreicht, einen ersten Kontakt herzustellen. Vielleicht hat sie ja auch ganz andere Reiseträume in den Kaliningradern geweckt.
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