Vom Platz des Sieges musste er verschwinden, doch eine Kopie des Revolutionärs findet sich noch auf dem Innenhof einer Hochschule der Baltischen Flotte. (Foto: jm/.rufo)
Montag, 25.07.2005
Kaliningrad: KP kämpft für Lenins Comeback
Kaliningrad. Im Dezember wurde Lenin vom Sockel geholt und zur Generalüberholung in die Werkstatt verbannt. Jetzt fordern die Kommunisten seine Rückkehr, doch der Bürgermeister will die Statue nicht mehr sehen.
Alle Risse sind gekittet, die Oberfläche ist geglättet und der neue Korrosionsschutz garantiert der Bronzestatue ein langes Leben: Die Sanierung des Lenin-Denkmals ist abgeschlossen - doch wohin nun mit dem Führer des Weltproletariats?
Bürgermeister kein Freund von Lenin
„Unangebracht“ sei seine Rückkehr auf den neu gestalteten Siegesplatz, erklärte der Kaliningrader Bürgermeister Juri Sawenko nach dem Stadtjubiläum. Auf dem Platz, im Schatten der fast 70 Meter hohen Christus-Erlöser-Kathedrale, laden mittlerweile Bänke, Springbrunnen und Zierbäumchen zum Flanieren ein. Lenin, mit dem Rücken zum Gotteshaus, habe dort nichts mehr zu suchen, so die Meinung des Bürgermeisters.
Die örtliche kommunistische Partei reagierte empört und kündigte Klage gegen Sawenko an. Schließlich gebe es einen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom Herbst 2004, der eine Rückkehr des Denkmals auf den Siegesplatz vorsehe. Über diese Entscheidung könne sich Sawenko nicht so einfach hinwegsetzen, argumentierten sie.
Offener Brief an den Gouverneur
Ihrem Ärger machten die Lenin-Anhänger auch in einem offenen Brief an den Gouverneur des Kaliningrader Gebietes, Wladimir Jegorow, Luft: Mit seinem Handeln habe sich „der Ex-Kommunist Sawenko endgültig in einen Anti-Sowjetschik verwandelt. Und das in einem Gebiet, das von 60 Jahren 45 Jahre lang sowjetisch war!“ schrieben sie voller Empörung.
Auch das Argument des Bürgermeisters, dass Lenin und Kirche auf einem Platz unvereinbar seien, ließen die Kommunisten nicht gelten: „Hey ihr Theologen aus der Stadtverwaltung mit eurem vulgären Geschmack!“ wandten sie sich direkt an die Politiker. „Zeigt uns auch nur einen Geistlichen, der weiß, wie Gott dem Führer der Ausgebeuteten und Unterdrückten gegenübersteht!“
Mit ihren Protesten hatten die Kommunisten in den letzten Jahren durchaus Erfolg. Mehrmals wurde die geplante Demontage des Denkmals aufgrund ihres erbitterten Widerstandes verschoben. Im Vorfeld des Stadtjubiläums ersannen die Politiker dann einen Kunstgriff. Lenin sei marode und müsse in die Werkstatt, erklärten sie und versprachen seine baldige Wiederkehr. Gegen eine Generalüberholung konnten die Kommunisten schlecht etwas einwenden - und so verschwand der Revolutionsführer Anfang Dezember 2004 kampflos von der Bildfläche.
Verflogene Leidenschaft
Ob die Kommunisten es jetzt noch schaffen, ihren Lenin ins Stadtzentrum zurückzuholen, scheint fraglich. Sawenko weiß in seiner Ablehnung eine Reihe Abgeordneter hinter sich, darunter auch so gewichtige wie die Kaliningrader Chefarchitektin Tatjana Kondakowa. Um die Gemüter zu beruhigen, hat Sawenko immerhin vorgeschlagen, an einem weniger zentralen Ort einen Lenin-Platz einzurichten. Im Herbst soll auf einer Sitzung des Stadtrates darüber entschieden werden.
Noch pochen die Kommunisten jedoch auf eine Rückkehr Lenins an den zentralen Siegesplatz. „Doch“, so stellte eine Lokalzeitung unlängst fest, „auch Leidenschaft verfliegt ja irgendwann“.
(jm/.rufo)
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