Der Königsberger Dom in Modellansicht (Foto: Linde/.rufo)
Freitag, 08.08.2008
Kaliningrad: Königsberg-Miniatur zeigt Altstadt in 3D
Kaliningrad. Das alte Königsberg kehrt ins Herz des modernen Kaliningrad zurück: Seit Donnerstag ist im Shoppingtempel „Europa-Center“ ein besonderes Miniaturmodell des historischen Königsberger Stadtzentrums ausgestellt.
Das detailgetreue Modell im Maßstab 1:200 präsentiert den Besuchern in 48 Einzelteilen ein Stadtbild, dass heute weitgehend zerstört ist: das Pregelufer mit seinen historischen Fachwerkhäusern, die Dominsel mit der alten Universität, Parks, Grünanlagen und natürlich das Schloss.
Wilhelm Boddien (Foto: Linde/.rufo)
„Das Modell soll ein Symbol der Freundschaft zwischen Kaliningrad und Deutschland sein. Wir wollen den heutigen Bürgern Kaliningrads zeigen, wie die Stadt früher einmal ausgesehen hat. Vielleicht kann das Modell eine Entscheidungshilfe sein, wie das zukünftige Kaliningrad aussehen soll“, sagte Wilhelm Boddien, Geschäftsführer des Födervereins Berliner Schloss, in dessen Besitz sich das Modell befindet, bei der Eröffnung.
Modellbau als Therapie
Die Geschichte des Modells ist ein individuelles Beispiel von Heimatverlust. Erbaut wurde es von dem ehemaligen Königsberger Horst Dühring, der damit seine Vertreibung aus der Stadt therapeutisch verarbeitete. In mühevoller Kleinarbeit baute er das Modell des verlorenen Königsbergs neben seinem Beruf als Lehrer in seiner Freizeit. 26 Jahre war er damit beschäftigt, das aufwändige Projekt zu vollenden.
Der Wunsch des 2006 verstorbenen Dühring war es, dass das Modell eine würdige Ausstellung erfährt. Das schien sich zuerst nicht zu erfüllen. Die letzten Jahre verkümmerte das Modell fern der Öffentlichkeit in einem Depot irgendwo in Nordrhein-Westfalen.
Blick in die Zukunft im Angesicht der Vergangenheit
„Die Ausstellungsorte in Deutschland waren nicht interessant. Wir wollten einen Ort, der mehr in die Zukunft schaut und dabei auch die Vergangenheit braucht“, sagt Wilhelm Boddien. Denn Boddien hat ein Vermächtnis zu übergeben. Dühring zu Dank verpflichtet, weil dieser das Modell zum Wiederaufbau der Berliner Schlosses unentgeltlich baute, wollte Boddien das Modell des alten Königsberg in einem dynamischen und pragmatischen Umfeld sehen.
Und was passt da besser, als die Stadt, die das Modell darstellt? Genau das dachte sich auch der Kaliningrader Architekt Arthur Sarnitz. Er stöberte das Modell in Deutschland auf, holte es nach Kaliningrad und übernahm die Kosten für Restauration und Ausstellung.
So sah das Pregelufer einmal aus - zumindest in der Erinnerung von Horst Dühring (Foto: Linde/.rufo)
Identität Kaliningrads: historisch oder geschichtslos?
Sarnitz ist prominenter Verfechter des originalgetreuen Aufbaus der Altstadt in Kaliningrad. Dieser Standpunkt wird längst nicht von allen vertreten. Denn nicht alle wollen die deutsche Vergangenheit in das Stadtbild integrieren – viele ziehen es vor, mit modernen Glashochhäusern der Stadt einen geschichtslosen Neuanfang zu geben.
Aber Sarnitz sucht die Identität Kaliningrads in der Geschichte. Er sammelt mit Hilfe seines Architekturbüros schon seit Jahren alle auffindbaren Dokumente und Materialien des alten Königsbergs. Mit dem Modell von Horst Dühring hat er ein einmaliges Zeitdokument gefunden. „Die Seele der Stadt lebt in diesem Modell weiter“, sagt Sarnitz.
Die Ausstellung steht unter dem Patronat des deutschen Generalkonsulats in Kaliningrad und ist noch mindestens zwei Wochen im „Europa-Center“ zu sehen. Was danach mit dem Modell passiert, ist noch unklar. Arthur Sarnitz aber träumt schon von einem Dühring-Museum in Kaliningrad.
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Der sibirische Frost hat auch Kaliningrad fest im Griff: Der Meteorologische Dienst sagt für das Wochenende Temperaturen von bis zu -30 Grad voraus. Im Ostseebad Selenogradsk ist man dann bereits nah am historischen Kälterekord: Am 25. Januar 1942 waren hier minus 33,1 Grad gemessen worden. ( Topfoto: Plath/.rufo)