Kaliningrad. In Kaliningrad ist vor dem 750. Stadtgeburtstag ein hektischer Bauboom ausgebrochen: Bis zu den Feiern im Juli sind es nur noch zwei Monate, doch kaum ein Jubiläumsobjekt ist bisher fertiggestellt.
Nach viel zu langen Diskussionen über Finanzen und Kompetenzen wird seit einigen Monaten fieberhaft an der Verschönerung Kaliningrads gearbeitet. Lange vor sich hin dümpelnde Bauprojekte werden überraschend schnell fertiggestellt, Fassaden gestrichen, Dächer ausgebessert, Grünanlagen bepflanzt, Schlaglöcher ausgegossen und Bürgersteige befestigt.
Von den offiziellen Jubiläumsobjekten ist bislang allerdings kaum eines fertig gestellt: Auf der Baustelle des sogenannten „Fischdorfes“ in der Nähe der Dominsel gibt es Probleme mit dem Untergrund, wodurch der bisherige Zeitplan Makulatur geworden ist. Auch bei den umfangreichen Straßenbauarbeiten wird Verzug gemeldet. So zum Beispiel von der Uliza Newskowo, einer der wichtigsten Ausfallstrassen nach Norden, die Kaliningrad mit dem Flughafen Chrabrowo verbindet. Auch das Königstor, offizielles Symbol des Stadtjubiläums, ist noch nicht restauriert.
Der Platz wird fertig
Computeranimation des zukuenftigen Ploschad Pobedi
Doch Pawel Sarkisow, Chef des Komitees für Bau- und Verkehrswesen bei der Kaliningrader Stadtverwaltung, kann zumindest ein bisschen aufatmen: Der Ploschad Pobedi (Siegesplatz), der Hauptplatz für die Jubiläumsfeierlichkeiten im Juli 2005, wird auf jeden Fall fertig. Die Umbauarbeiten liegen voll im Zeitplan, erklärte er bei einer Baustellenbesichtigung.
Seit November des vergangenen Jahres wird mit Hochdruck an der vollständigen Umgestaltung des Platzes gearbeitet. Wo vorher der Wind über eine weite Betonfläche pfiff, soll in Zukunft ein Platz nach alteuropäischem Vorbild die Kaliningrader anlocken.
Die Erdarbeiten sind schon abgeschlossen, gegenwärtig verlegen die Bauarbeiter Pflastersteine, Gehwegfliesen und farbige Klinker zu Ornamenten. Auch die Platzumfassung aus rotem Granit ist bereits zu erkennen, das neue Gleisbett für die Straßenbahn ist ebenfalls fast fertig.
Auch die Tram bekommt ein neues Gleisbett (jm)
Mehr als 200 Bauarbeiter arbeiten gegenwärtig gleichzeitig auf dem Platz. Um die Arbeiten termingerecht zu vollenden, wird zum Teil in zwei Schichten rund um die Uhr gewerkelt.
Erlöser-Kirche nimmt Gestalt an
Auch die fast 70 Meter hohe Christus-Erlöserkirche im Hintergrund des Platzes verändert in schnellem Tempo ihr Aussehen. Seit 1996 wird an der Kirche gebaut, aber erst in den letzten Monaten kamen in die Arbeiten richtig in Schwung. Mittlerweile schimmern die Kirchenkuppeln golden und auch die 14 Tonnen schwere Hauptglocke hängt an ihrem Platz.
Zur Zeit werden die Außenwände mit weißem Marmor verkleidet. Die Kirchenleitung hat „die Hoffnung, dass bis zum Jubiläum die erste Bauetappe wie geplant beendet sein wird“. Das heißt, zumindest von außen soll alles fertig sein - der Innenausbau wurde von vornherein auf die Zeit nach den Jubiläumsfeierlichkeiten verschoben.
Von dem Trubel vor und während der 750-Jahrfeier gänzlich verschont, bleibt Lenin, der gegenwärtig in einer Werkstatt generalüberholt wird. Die umstrittene Wiederaufstellung des Denkmals auf dem Ploschad Pobedi wurde von der Stadtverwaltung kurzerhand auf „2006 oder später“ verschoben.
(jm/.rufo)
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