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Vorerst verdorbene Feierlaune: Kaliningrader Kriegsveteranen auf dem Platz des Sieges (Foto: Plath/.rufo)
Vorerst verdorbene Feierlaune: Kaliningrader Kriegsveteranen auf dem Platz des Sieges (Foto: Plath/.rufo)
Donnerstag, 26.04.2007

Kaliningrad: Glückwunsch vom Totengräber für Veteranen

Kaliningrad. Im Vorfeld der Feier zum Tag des Sieges am 9. Mai ist eine peinliche Panne passiert: Kriegsveteranen zugesandte Glückwunschkarten tragen auf der Rückseite die Werbung eines Bestattungsunternehmens.


Auf den ersten Blick sieht die Karte, tausendfach verschickt von der örtlichen Gesellschaft für Kriegsgedenken, so würdevoll aus, wie es der Anlass in Russland traditionell gebietet: Drei Frontveteranen des Großen Vaterländischen Krieges, zwei Männer und eine Frau, posieren in ihren Uniformen ordenssgeschmückt vor frühlingsgrünen Bäumen, daneben die Aufschrift: „9. Mai – Tag des Sieges“.

Doch auf der Rückseite des Glückwunsches wirbt, gewissermaßen als Sponsor, ein örtliches Bestattungsunternehmen für seine Dienste. Und das empfinden die meisten betagten Empfänger der Karten nun als schwere Beleidigung und Schlag ins Gesicht.

„Denken die Leute nicht nach, die dafür verantwortlich sind?“ fragt sich nicht nur der Vorsitzende des Kaliningrader Veteranenverbandes, Boris Kosnekow. Auch Lidia Kusmina vom Gebietskomitee der Kriegs- und Militärveteranen ist empört: „Wie konnte so eine Taktlosigkeit gegenüber all diesen verehrenswerten Menschen passieren?“

„So eine Beleidigung nicht verdient“

Der Skandal zog umgehend Kreise. Das Kaliningrader Regionalfernsehen „Jantar“ machte damit seine Abendnachrichten auf und heute zog die Kaliningradskaja Prawda mit einer Titelgeschichte nach.

„Wem kommt so etwas in den Sinn?“, zitiert die Zeitung den für seine Kriegsverdienste vielfach ausgezeichneten Frontsoldaten Boris Proschkow, der im April 1945 als Panzerkommandant an der Erstürmung Königsbergs teilnahm und sich verhöhnt fühlt:

Sonnenschein, Blumen und Orden: Wer will da an Begräbnisvorsorge denken? (Foto: Plath)
Sonnenschein, Blumen und Orden: Wer will da an Begräbnisvorsorge denken? (Foto: Plath)
„So eine Karte bereiten doch viele Menschen vor. Dass da niemand spürt, welche eine Beleidigung diese Reklame bedeutet, ist nicht zu verstehen. Viele Veteranen sind inzwischen alt und krank. Aber wer in diesen schrecklichen Krieg für sein Land gekämpft und gesiegt hat, der ist ein Held. Diese mutigen Menschen haben so eine Geschmacklosigkeit nicht verdient.“

„Eine unverzeihliche Dummheit passiert“


Im Kaliningrader Gebiet spielt der Tag des Sieges traditionell eine besonders große Rolle. Nicht nur, weil die Festungsstadt Königsberg im Zweiten Weltkrieg die erste deutsche Großstadt war, die die Rote Armee erstürmte.

Der dann im Potsdamer Abkommen der Sowjetunion zugeschlagene Norden Ostpreußens war jahrzehntelang als Militärdistrikt von der Außenwelt abgeschirmt. Viele Einwohner der russischen Exklave haben eine Armee-Biografie: Im regionalen Militärveteranen-Verband sind insgesamt 40 000 Mitglieder organisiert.

Bei Russland-Aktuell
• Kaliningrad: Lenin-Denkmal wieder auf dem Posten (04.04.2007)
• Kaliningrad: Siegesplatz nimmt Gestalt an (28.02.2006)
• Kaliningrad: Siegessäule bald mit Siegesengel (26.02.2007)
• 9. Mai: Moskau feiert den Sieg im Krieg (08.05.2006)
Nicht alle erhielten die pietätlose Kombikarte aus Siegesgruß und Sargreklame: Nur etwa 2000 solcher Glückwünsche will die Gesellschaft für Kriegsgedenken verschickt haben. Deren Chef Radik Chusainow ließ sogleich die Ohren hängen, als der Skandal öffentlich wurde und entschuldigte sich bei den Veteranen für die unbeabsichtigte Beleidigung. Es sei „eine unverzeihliche Dummheit passiert“, die zuvor leider niemandem aufgefallen sei.

Veteranen-Chef Boris Kosnekow zeigte sich daraufhin etwas versöhnter. Er gehe auch nicht davon aus, dass hinter dem taktlosen Werbeaufdruck böser Wille stecke. „Aber davon wird unseren Veteranen auch nicht leichter ums Herz.“ Eine gemeinsame Sitzung des Veteranenverbandes mit Chusainows Leuten soll die Wogen bis zum 9. Mai glätten.

Man erwarte ja gar keine Dankbarkeit dafür, was man damals im Krieg für sein Vaterland geleistet habe, meint Piroschkow. „Wir wollen doch nur, dass man in Ehren und Würde mit uns umgeht. Und das ist wohl nicht zuviel verlangt.“

(Thoralf Plath/.rufo)

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