Die einen haben Schwein, die anderen nur die Grippe ... (Foto:)
Montag, 23.11.2009
Kaliningrad: Geschäfte mit der Schweinegrippe-Impfung
Kaliningrad. Sorgen macht die Ausbreitung der Schweinegrippe den Kaliningradern seit Wochen, die Krankheitsfälle häufen sich, es sind bereits zwei Menschen an der H1/N1-Vireninfektion gestorben in der russischen Ostsee-Exklave.
Ende vergangener Woche gab es im Kaliningrader Gebiet 107 Fälle von A/H1N1. Anfang Dezember soll nun endlich der Impfstoff für die allgemeine Immunisierung eintreffen: Tamara Doroschko, Infektions-Chefärztin des Gebietes, sprach gegenüber der Presse von zunächst 145 000 Dosen – für über eine Million Einwohner des Gebietes.
Zunächst sollen Schulkinder, Studenten und Lehrer geimpft werden, vorrangig außerdem Mitarbeiter des Medizinwesens, kommunaler Dienste, des öffentlichen Personenverkehrs sowie anderer Einrichtungen mit viel Publikum. Die entsprechende Spritze gibts in Polikliniken oder beim zuständigen Hausarzt – kostenlos, bei Nachweis eines Wohnsitzes im Gebiet.
Unterdessen hat das Thema Schweinegrippe in Kaliningrad heftige und wütende öffentliche Proteste ausgelöst, denn etliche Apotheken machen offenbar ein Geschäft mit der gefürchteten Infektion: Sie haben die Preise für das gegen die H1N1-Grippe wirksame Medikament „Arbidol“ drastisch angezogen.
Auf dem Markt kamen die Antivirus-Tabletten zu einem Durchschnittspreis von etwa 140 Rubel (etwa 3,20 Euro) pro Packung, inzwischen kosten sie in vielen Kaliningrader Apotheken um und über 200 Rubel. Die Zeitung Argumentyj i Faktyj ermittelte gar einen Spitzenpreis von knapp 240 Rubel (umgerechnet etwa 5,50 Euro).
Viele Bürger fordern daher ein Einschreiten der Gebietsregierung, um dem „Spekulieren der Apotheken mit der Nachfrage nach Antivirus-Präparaten“, wie eine örtliche Zeitung schreibt, ein Ende zu bereiten.
Gouverneur Georgi Boos hat sich in dieser Woche zu dieser Frage geäußert. Er empfahl den Kommunen, Arbidol auf die Liste der lebensnotwendigen Medikamente zu setzen: „In diesem Fall kann die Gesundheitsbehörde eingreifen und das Preisniveau regulieren.“
Auch für die derzeit in öffentlichen Einrichtungen allgegenwärtigen Atemschutzmasken, die in manchen Städten Russlands kostenlos abgegeben werden, muss man in Kaliningrad zahlen.
Die Masken kosten in Apotheken der Gebietshauptstadt zwischen 3 und stolzen 14 Rubel. Sie alle zwei bis drei Stunden zu wechseln, wie Ärzte empfehlen, kann da ein teures „Vergnügen“ werden.
In der Straßenkinder-Betreuungsstätte Jablonka (Apfelbäumchen) bekommen diese Kaliningrader Kinder, was ihnen in ihren sozial zerrütteten Familie versagt blieb: ein warmes Zuhause, Fürsorge, geregelte Mahlzeiten. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche leben in Kaliningrad auf der Straße - bei den derzeitigen Temperaturen der blanke Horror. (Topfoto: Plath/.rufo)