Sonntag, 12.04.2009

Kaliningrad gedenkt der Erstürmung Königsbergs

Die Kriegsveteranen standen für einen Tag mal wieder im Mittelpunkt (Foto: tp/.rufo)
Kaliningrad. Bis zum traditionellen "Tag des großen Sieges" ist es noch ein paar Tage hin, doch in Kaliningrad feiert man ihn zweimal. Am Wochenende wurde des 64. Jahrestages der Erstürmung Königsbergs gedacht.

Traditionell begann der Feiertag mit einer offiziösen Kranzniederlegung am Memorial für die 1.200 Gardesoldaten, die beim Sturm auf die Festung Königsberg vom 7. bis 9. April 1945 ums Leben gekommen sind (inoffiziell waren es noch weitaus mehr).

Anschließend gab es in vielen Stadtteilen Kulturveranstaltungen, allerdings fielen diese deutlich bescheidener aus als in den vergangenen Jahren. Die Kriegsveteranen bekamen anlässlich des Feiertages eine Prämie von 1.100 Rubel (etwa 25 Euro) aus dem Gebietshaushalt sowie eine kostenlose Stadtrundfahrt.

Lokaler "Tag des Sieges"


Der 9. April, der Tag der Kapitulation Königsbergs, ist auch sechseinhalb Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges ein großer Gedenk- und Feiertag in Kaliningrad. Mit Königsberg eroberte die Sowjetarmee erstmals eine deutsche Großstadt – überdies einen Ort, den Hitler und sein Propagandaapparat zur uneinnehmbaren Festung ausgerufen hatten.

In allen offiziellen Reden des Kaliningrader Siegestages ist denn auch immer von der "Gorod-Krepost Kenigsberg", von der Festungsstadt Königsberg die Rede. Das gesamte Gedenk-Konstrukt reduziert sich auf militärische Aspekte.

Zivilbevölkerung spielt in der offiziellen Geschichte keine Rolle


Die Folgen, die die Einnahme Königsbergs für die eingeschlossene Zivilbevölkerung hatte, die grausame Rache der Sieger, sie spielt in den Veranstaltungen am 9. April nach wie vor keine Rolle. Insgesamt verloren bei den Kämpfen um die Stadt und den nachfolgenden Wochen bis zum offiziellen Kriegsende mehrere zehntausend Menschen ihr Leben.

Almosen für die Gewinner der Schlacht


In Kaliningrad leben heute noch etwa 300 Teilnehmer der Erstürmung Königsbergs. Sie werden auch von den jüngeren Generationen als Helden verehrt. Die Höhe der Geldprämie wurde in Kaliningrader Internetforen denn auch bissig kritisiert.

Eine peinliche Beleidigung sei das, was der Staat für seine Helden übrig habe, schrieb jemand. Man solle diesen Menschen lieber dauerhaft würdige Lebensbedingungen schaffen, anstatt sie einmal im Jahr mit so einem Almosen abzuspeisen.

Ein anderer gratulierte den alten Frontsoldaten so: "Glückwunsch zum großen Sieg! Und redet euren Söhnen und Enkeln ins Gewissen, warum sie solche Scheusale geworden sind!"