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Vor zehn Jahren wiederentdeckt: Restaurierte Exponate der „Prussia“-Sammlung (Foto: Plath/.rufo)
Vor zehn Jahren wiederentdeckt: Restaurierte Exponate der „Prussia“-Sammlung (Foto: Plath/.rufo)
Donnerstag, 19.03.2009

Kaliningrad: Exponate der Prussia-Sammlung entdeckt

Kaliningrad. Archäologen des Kaliningrader Museums für Kunst und Geschichte haben erneut Exponate der berühmten Königsberger Prussia-Sammlung geborgen. Entdeckt wurden sie im Keller einer einstigen Freimaurerloge.

Bei Bauarbeiten für ein Hotel im Stadtzentrum nahe des Schlossteiches stießen Arbeiter in den verschütteten Kellern der früheren Königsberger „Drei-Kronen-Loge“ Anfang März auf seltsame Keramikfragmente.

Die daraufhin hinzugezogenen Archäologen des Museums für Kunst und Geschichte hatten die Scherben anhand der Signaturen schnell bestimmt: Zweifelsfrei gehören sie zur legendären Sammlung des einstigen Königsberger Prussia-Museums.

Wiederentdeckt: Archäologe Kostja Skworzow beim Restaurieren erster Prussia-Keramiken. (Foto: tp/.rufo)
Wiederentdeckt: Archäologe Kostja Skworzow beim Restaurieren erster Prussia-Keramiken. (Foto: tp/.rufo)
Man habe etwa 2000 Objekte und Fragmente bergen können, sagt Museumsarchäologe Konstantin Skworzow. Er hat bereits damit begonnen, die Stücke zuzuordnen und zu restaurieren. Skworzow, eigentlich auf die Erforschung von Gräberfeldern des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung spezialisiert, gilt als ausgewiesener Fachmann in Sachen Prussia-Sammlung.

Zusammen mit seinem Kollegen Anatoli Walujew gelang ihm 1999/2000 im einstigen Königsberger Fort Nr. III der Sensationsfund: Tief unten in den Kasematten und einem Festungsgraben der Bastion am nördlichen Stadtrand entdeckten die Archäologen in einer mehrmonatigen Suchaktion insgesamt 28.000 Prussia-Exponate – zum Teil noch ganz erhalten, zum Teil in Bruchstücken.

240 000 Exponate von Steinzeit bis Mittelalter


Es war der bislang größte Wiederfund der seit Kriegsende größtenteils verschollenen Kollektion, die man einst zu den berühmtesten archäologischen Sammlungen Europas zählte.

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Mitte des 19. Jahrhunderts von der Altertumsgesellschaft „Prussia“ begründet und im Ergebnis umfangreicher Ausgrabungen in vielen Regionen Ostpreußens kontinuierlich ausgebaut, umfasste sie schließlich 240.000 Exponate von der Steinzeit bis in das Hochmittelalter. Das aus der Sammlung hervorgegangene Prussia-Museum residierte im Südflügel des Königsberger Schlosses.

Nach den verheerenden Luftangriffen auf Königsberg im Spätsommer 1944 lagerte man die kostbare archäologische Sammlung an bombensichere Orte aus. Ein Teil des Fundus, vor allem die wertvollen prähistorischen Grabgefäße und Keramiken, wurde in die Nähe von Alleinstein (Olsztyn) evakuiert und überstand dort wie durch ein Wunder alle Kriegswirren.

Weitere "Prussia"-Fragmente liegen in Allenstein und Berlin


Heute sind diese Exponate im Ermländisch-Masurischen Museum Olsztyn ausgestellt. Große Teile der Studiensammlung und fast das komplette Prussia-Fundarchiv ließ der umsichtige Chef des Ostpreußischen Landesamtes für Vorgeschichte, Walter la Baume, im Gutshaus Broock nahe der vorpommerschen Stadt Demmin verstecken.

Von dort gelangten sie nach dem Krieg in das Ostberliner Institut für Vor- und Frühgeschichte, wo sie vier Jahrzehnte unangetastet im Keller vor sich hin gammelten: Über das Thema Königsberg herrschte zu DDR-Zeiten Stillschweigen.

Erst nach der Wende nahm sich die Wissenschaft dieser Exponate an. Ausgewählte Stücke sind inzwischen im Museum für Vor- und Frühgeschichte im Schloss Charlottenburg zu bestaunen.

Jahrzehntelang zum Plündern freigegeben


Der größte Teil der Prussia-Sammlung aber blieb in Königsberg. In Kisten verpackt, lagerte man die wertvollsten Stücke vor der herannahenden Front in den Kasematten des Fort III (auch Festung Quednau genannt) ein, der größten und sichersten Bastion des Königsberger Befestigungsringes aus dem 19. Jahrhundert.

Im Fort III fanden sich die größten Überreste der geplünderten und zerstückelten Prussia-Sammlung (Foto: tp/.rufo)
Im Fort III fanden sich die größten Überreste der geplünderten und zerstückelten Prussia-Sammlung (Foto: tp/.rufo)
Heute wissen die Kaliningrader Historiker, dass der berühmte Museumsschatz dort jahrzehntelang offen und ungestraft geplündert werden konnte: Die Festung war zu sowjetischen Zeiten militärisch genutzt und für die Öffentlichkeit wie auch für Museumsmitarbeiter nicht zugänglich.

Dafür bedienten sich Soldaten und Offiziere, ließen sich aus den römischen Münzen Souvenirs anfertigen, schmuggelten vergoldete skandinavische Schmuckfibeln aus den Kasematten, um sie als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.

In der Kantine des Forts wurden mit einem seltenen bronzezeitlichen Schwert, von dem die Archäologie überhaupt nur zwei Exemplare kennt, Fleischportionen zurechtgehackt.

Erste Funde auf Schwarzmarkt


Als die Armee das als Waffenlager genutzte Fort Ende der 1990er Jahre aufgab, holten sich Raubgräber die Kasematten der Backsteinfestung, was von den zerrupften Prussia-Funden noch übrig war. Bald tauchten erste Exponate auf dem Kaliningrader Schwarzmarkt auf. Dort entdeckte sie Konstantin Skworzow.

Stadt mit doppeltem Boden: Auf fast jeder Kaliningrader Baustelle taucht ein Stück Königsberg auf (Foto: tp/.rufo)
Stadt mit doppeltem Boden: Auf fast jeder Kaliningrader Baustelle taucht ein Stück Königsberg auf (Foto: tp/.rufo)
„Anhand der deutschen Signaturen waren die Stücke eindeutig zu identifizieren. Wir wussten ja auch aus Unterlagen und Korrespondenzen längst, wohin die Prussia-Sammlung 1944 evakuiert wurde. Darum war relativ klar, wo die Exponate herkommen mussten“, erinnert er sich.

Die Spur führte in die alte Quednau-Festung und schließlich zum Sensationsfund im November 1999. Doch auch eines steht seither fest: Der weitaus größte und wertvollsten Teil der Sammlung ist wohl unwiederbringlich verloren.

Umso überraschender waren die Wissenschaftler von der aktuellen Entdeckung unter den Kellergewölben der im Krieg zerstörten Königsberger Freimaurerloge „Zu den drei Kronen“.

Historisch ist die Wiederentdeckung durchaus erklärbar. In dem Logenkomplex auf dem einstigen Hinteren Tragheim befand sich eine Filialausstellung der Prussia-Sammlung. Denn auf dem Hintertragheim hatte auch das Ostpreußische Landesamt für Denkmalpflege seinen Sitz. Große Teile der so genannten Prussia-Studiensammlung wurden hier aufbewahrt.

Archäologen hoffen auf Hilfe


Die geborgenen Fragmente sind angesichts des Schicksals der Sammlung von besonderem Wert. Erstmals hat man Exponate aus dem Bestand der Keramiken wieder entdeckt, außerdem bronzezeitlicher Schmuck und Waffen. Die Kaliningrader Archäologen hoffen nun auf Unterstützung aus dem Ausland, denn dem Museum für Kunst und Geschichte wurden in diesem Jahr wegen der Finanzkrise die ohnehin knappen Mittel um 50 Prozent gestrichen.

Schon die Rettung der vor zehn Jahren geborgenen Prussia-Funde gelang als deutsch-russisches Gemeinschaftswerk. Die Hamburger Zeit-Stiftung finanzierte die Restaurierung und Katalogisierung der Objekte am Kunsthistorischen Museum.

Die „neue“ Königsberger Prussia-Sammlung wurde dort anlässlich der 750-Jahrfeier 2005 eröffnet und zählt seither, ergänzt und bereichert durch Funde aktueller Ausgrabungsprojekte, zu den Juwelen der Dauerausstellung in der einstigen Stadthalle.



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