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| Beste Lage und auch noch denkmalsgeschützt: das potentielle Deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad (Foto: Plath/.rufo) | |
Dienstag, 03.11.2009
Kaliningrad: Deutschlands Diplomaten in Warteschleife
Kaliningrad. Im kommenden Jahr sollte das deutsche Generalkonsulat endlich in sein neues Domizil am Oberteich, Thälmannstraße 14 einziehen. Doch daraus wird wohl wieder nichts. Die Bauarbeiten haben noch nicht einmal angefangen.
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Herbstliche Stille liegt über dem Grundstück in der uliza Telmana 14, der einstigen Herzog-Albrecht-Allee im Altkönigsberger Nobelviertel Maraunenhof. Über den kurzgeschorenen Rasen weht raschelnd welkes Laub, der Hund des Nachtwächters döst in seinem Zwinger vor sich hin, die Jugendstilvilla steht wie verlassen da.
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Eigentlich sollten hier längst die Bauarbeiter angerückt sein, um Räume umzubauen, Fliesen zu legen, die Fassade zu restaurieren. Denn schon im Sommer 2010 würde Generalkonsul Aristide Fenster gern die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik in Russlands EU-Enklave eröffnen. An ihrem offiziellen, ordentlichen Domizil. Endlich. Nach mittlerweile sechs Jahren provisorischer Untermiete.
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Baugenehmigung verweigert Von einem Umzugstermin redet der Konsul inzwischen nicht mehr. Stattdessen teilte er der Kaliningradskaja Prawda dieser Tage auf Anfrage diplomatisch mit, man sei „intensiv dabei, letzte juristische und technische Fragen zu klären“. Klingt nach Problemen. Die gibt es auch.
Die Behörden verweigern den Deutschen nach wie vor die Baugenehmigung. Während in Kaliningrad an allen Ecken und Enden historischen Bauten aus der Vorkriegszeit verfallen, illegal abgerissen oder bis zur Unkenntlichkeit „renoviert“ werden, sitzt der geplante Umbau der Villa zum Sitz des Generalkonsulats auf den Klippen des russischen Denkmalschutzgesetzes fest.
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Nicht behindertengerecht Die deutsche Vertretung sei in Besitz eines Wohnhauses, das ein Kulturdenkmal regionalen Ranges darstelle, erläutert ein Sprecher der Gebietsregierung. Für den geplanten Bau eines Pförtnerhäuschens und den Umbau im Inneren müssten daher einige Voraussetzungen, die bisher noch nicht restlos erfüllt seien.
„Der Bau der Eingangspforte ragt über die Grundstücksgrenzen hinaus. Unter anderem darum hat die Kulturdenkmalbehörde noch keine Zustimmung erteilt.
Außerdem müssen wegen des Baus der Pforte einige Bäume gefällt werden. Dafür ist eine Genehmigung nötig. Auch muss geklärt werden, wo Ersatzbäume als ökologische Ausgleichsmaßnahme gepflanzt werden könnten.“ Zudem fehle noch ein staatliches Gesamtgutachten für das Bauprojekt.
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Wenn das schon alles nach bürokratischen Bremsmanövern klingt, erscheint ein Argument der Behörden vollends absurd: Das Objekt sei nicht behindertengerecht. Mit dieser Begründung ließe sich in Kaliningrad so gut wie jede Baustelle stoppen – oder gar nicht erst genehmigen.
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| Generalkonsul Aristide Fenster will endlich in die Thälmann-Strasse umziehen. (Foto: Plath/.rufo) | |
Provisorium I: Hotel Albertina So ist Aristide Fenster der mittlerweile dritte deutsche Chefdiplomat, der sich in Kaliningrad mit der „Quartierfrage“ herumschlagen muss. Immerhin hat er es schon besser als Cornelius Sommer, der nach Gründung des Konsulats 2004 mit seinen Leuten im Hotel „Albertina“ campieren musste und monatelang wie ein Immobilienhändler durch die Stadt zog auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude – nur um dann jeweils von der russischen oder der deutschen Seite eine Absage zu kassieren.
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Provisorium II: Leningradskaja 4 Erst Sommers Nachfolger (und Fensters Amtsvorgänger) Guido Herz gelang im April 2007 der Einzug zunächst der Visastelle, bald darauf des gesamten Konsulats in ein Bürohaus in der ul. Leningradskaja 4.
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Nach den Sicherheitsbestimmungen Brüssels umgebaut, kann die Gesandtschaft seither wenigstens ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen – den Bewohnern der russischen Exklave deutsche Schengen-Visa auszustellen, bis zu 20 000 Anträge werden pro Jahr in dem rotgestreiften Containeranbau entgegengenommen.
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Doch die Leningradskaja 4 ist ein Provisorium. Gäste standesgemäß zu empfangen, zu kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen einzuladen, wie in den deutschen Auslandsvertretungen üblich, das alles kann der Generalkonsul hier vergessen.
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Darum hatte Aristide Fenster gleich nach seinem Amtsantritt im Februar diesen Jahres verkündet, den Umzug ins das Kanzleigebäude in der Telmana 14 als seine erste vordringliche Aufgabe zu betrachten.
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Von seinem jetzigen hinüber zum künftigen Amtssitz sind es Luftlinie knapp 200 Meter. Doch es scheint, als sei der wahre Weg um viele Kilometer länger.
Thoralf Plath
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