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Mutig gestreift: das Visabüro des deutschen generalkonsulats in der Leningradskaja. (Foto: Plath/.rufo)
Mutig gestreift: das Visabüro des deutschen generalkonsulats in der Leningradskaja. (Foto: Plath/.rufo)
Dienstag, 17.04.2007

Kaliningrad: Deutsches Konsulat startet Visaausgabe

Kaliningrad. Drei Jahre nach seiner Eröffnung darf das Generalkonsulat der Bundesrepublik in Kaliningrad endlich beginnen, seinen eigentlichen Zweck zu erfüllen: Deutschland-Visa für die Bewohner der russischen Ostsee-Exklave auszustellen.

Am Donnerstag, 19. April, wird die Visastelle des Konsulats offiziell in Dienst genommen, schon am Tag darauf können die ersten Antragsteller ihre Dokumente einreichen. Das Büro in der uliza Leningradskaja 4 ist zwar noch ein Provisorium. Doch es ist voll arbeitsfähig, und wer hier sein Visum beantragt, soll es im Normalfall und bei ordnungsgemäßen Papieren noch am gleichen Tag ausgereicht bekommen.

Das vor allem wird Generalkonsul Guido Herz am Donnerstag während der Eröffnung im Namen seiner Mitarbeiter betonen, und dafür die peinliche Startphase der bundesdeutschen Gesandtschaft im einstigen Königsberg thematisch-diplomatisch in den Raum zwischen den Zeilen beordern. Schwamm drüber. Zumindest an diesem Tag.

Deutschland liegt nahe


Und dann wird ausgiebig die Rede sein von der hohen Bedeutung, die dem Konsulat der Bundesrepublik zukommt bei der Erleichterung der Reisefreiheit im Kaliningrader Gebiet, das wie kaum eine andere Region Russlands von intensiven deutsch-russischen Kontakten geprägt ist:

Bei Russland-Aktuell
• Deutsches Konsulat in Jekaterinburg mit Visaabteilung (06.03.2007)
• Visa-Erleichterung: Nur Schirinowski war dagegen (15.02.2007)
• Kaliningrad: Bootstourismus kämpft mit Gegenwind (16.06.2006)
• Einfache Einreise nach Kaliningrad ein Wunschtraum (11.05.2006)
• Kaliningrad: Neuer deutscher Generalkonsul berufen (25.10.2005)
Deren Spektrum reicht von Wirtschaftsbeziehungen über universitäre Partnerschaften bis hin zu kulturellen und humanitären Hilfsprojekten und ist längst nicht mehr zu überschauen. Dazu kommen zahllose private Freundschaften, die in den anderthalb Jahrzehnten seit Öffnung des einstigen Militärsperrgebietes tiefe Wurzeln geschlagen haben.

Deutschland liegt, vom Pregel aus gesehen, ja auch wirklich nahe. Nicht nur aus der Geschichte Ostpreußens heraus, nein, auch rein geografisch: Es sind, und dies bekommt man allenthalben zu hören in Kaliningrad, von hier aus bis Berlin nun mal nur knapp 600 Kilometer. Täglich fahren Linienbusse dorthin, es gibt eine direkte Zugverbindung und dreimal wöchentlich einen Flieger.

Teurer Umweg via Moskau


Bis Moskau ist es doppelt so weit. Doch eben dort müssen die Bewohner der westlichen Region Russlands bisher antanzen, um ein Visum für „Germanija“ zu bekommen – persönlich. Für viele eine wirkliche Zumutung, nicht nur wegen der Zeit raubenden, beschwerlichen Transittour via Litauen und Weißrussland, sondern auch rein finanziell. „Dieser Umweg über Moskau ist für die meisten Leute einfach zu teuer und wird als große Schikane empfunden.“

Die Worte einer jungen Kaliningrader Doktorandin, die in Berlin studiert und gern einmal ihre Eltern für ein paar Tage zu sich einladen würde, damit sie Deutschland kennen lernen – sie stehen durchaus exemplarisch für eines der ärgerlichsten Hindernisse, das sich dem wachsenden Ost-West-Dialog auf dieser russischen „Insel der Partnerschaften“ bislang so beharrlich in den Weg stellt.

Welche Bedeutung die russische, namentlich die Kaliningrader Seite dem deutschen Visabüro in der Leningradskaja zumisst, lässt sich da nicht nur denken, sondern auch an der Gästeliste zur Eröffnung am 19. April ablesen.

Erwartet werden nicht nur Gouverneur Georgij Boos und alle Größen der Regionalpolitik, sondern auch Sergej Jastrschembskij, Bevollmächtigter des russischen Präsidenten für die Verbindungen zur Europäischen Union. Aus Moskau reist der deutsche Botschafter an.

Ordnung muss sein


Für Michael Scholz, Chef der Visa-Abteilung, und sein Team hat die Arbeit längst begonnen. Zahllose Kaliningrader nutzten in den letzten Tagen das bereits geschaltete Info-Telefon (4012) 34 12 36, um sich einen Termin für die Beantragung des Visums zu holen.

Voranmeldung. Auf diese Weise wollen die Konsularbeamten vermeiden, dass sich vor dem Schalter lange Warteschlangen bilden und die Leute vor allem von außerhalb vergeblich nach Kaliningrad kommen –im litauischen und polnischen Konsulat sorgte dies schon oft für Frust und Ärger.

In der Regel solle es so sein, dass man sein am Vormittag beantragtes Visum dann am Nachmittag abholen könne, sagt Scholz. Voraussetzung seien vollständige, gültige Dokumente und korrekt ausgefüllte Antragsunterlagen. „Schon darum ist es wichtig, sich vorher zu informieren. Das erspart demjenigen, der das Visum beantragt, aber auch uns zusätzlichen Aufwand und damit Ärger. Wir wollen ja alle, dass es reibungslos läuft.“

Die Kosten für ein deutsches Schengen-Besuchsvisum liegen für die Kaliningrader einheitlich bei 1250 Rubel (35 Euro). Darüber hinaus werden auch Geschäftsvisa ausgestellt. Insgesamt geht das Konsulat von etwa 20 000 Visaanträgen pro Jahr aus.

Strenge Sicherheitsauflagen


Trotz aller Servicefreundlichkeit: Die Sicherheitsnormen sind streng. Davon künden schon die neuen massiven Metallabzäunungen, die dem einstigen Office eines deutsch-russischen Touristikunternehmens am alten Königsberger Oberteich nun ein etwas festungshaftes Aussehen verleihen. Einzig der in mutigen Rot-Tönen längs gestreifte Bürocontainer vor dem Haus bricht beinahe avantgardistisch das strenge Sicherheitsbild.

Auch hinter der Fassade, an der nun das gelbe ovale Schild mit dem Bundesadler und der Aufschrift „Generalkonsulat“ prangt, geht es EU-diktiert technokratisch zu: Alle Kaliningrader Visaanträge durchlaufen ein spezielles, Computer vernetztes Kontrollsystem.

Mit der Eröffnung der Visaabteilung endet die mittlerweile über drei Jahre dauernde Startphase, die von derart viel Provisorium, Pech und Peinlichkeit begleitet war, dass es Berlins obersten Gesandten in Kants alter „Stadt der reinen Vernunft“ mehr als einmal zu reichlich undiplomatischen Formulierungen reizte: „Das ist ein einziges Trauerspiel“ war noch eine der milderen Sätzte, mit denen sich Guido Herz gelegentlich Luft machte.

Joschkas großer Auftritt


Denn eigentlich gibt es das Konsulat seit Februar 2004. Es heißt, der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer habe einen Anlass gesucht, um zum 200. Todestag Immanuel Kants nach Kaliningrad zu kommen und am Philosophengrab in bekannter Manier lässiger Gestik sein aus Studentenzeiten gehütetes, gehörig zerlesenes Büchlein der „Kritik der praktischen Vernunft“ ehrerweisend aus der Tasche zu ziehen – die ohnehin geplante Eröffnung eines deutschen Generalkonsulats in der Hauptstadt der künftigen russischen EU-Enklave kam da gerade recht.

Der offizielle Akt der Konsulatseröffnung musste zwar im Deutsch-Russischen Haus der Stadt über die improvisierte Bühne gehen, denn ein Gebäude für die Gesandtschaft gab es nicht einmal ansatzweise. Doch Fischer hatte seinen Auftritt und die mitgereisten Berliner Journalisten etwas Kluges zu schreiben.

Auf der Suche nach einem Domizil verbrannte hernach Cornelius Sommer, der in Botschafterehren ergraute erste Generalkonsul in Kaliningrad, viele Nerven und die letzte diplomatische Amtszeit vor dem Ruhestand.

Gebäude fand er mehrere, nur passten die jeweils einer Seite nicht: Moskau oder Berlin. In den örtlichen Administrationen fand Sommer auch nicht eben nur Hilfe. Seine Mannschaft richtete sich unterdessen in den angemieteten Appartments des Hotels „Albertina“ häuslich ein und so gut es ging auch bürotechnisch. Für das Gästehaus ein gutes Geschäft. Für die Diplomaten ein Abstellgleis. Denn an den eigentlichen Job, Visa auszustellen, war in den umgebauten Schlafzimmern des „Hotelkonsulats“ schon aus Sicherheitsgründen nicht zu denken.

Konsulat verdrängte Visa-Kurier


Cornelius Sommer gehörte bald zu den populärsten Gesichtern in Kaliningrad und wurde ob seiner Immobiliensuche selbst beim Schlangestehen an der Kasse im Supermarkt angesprochen, Bürgermeister aus umliegenden Städten der Exklave boten ihm Gebäude an.

Doch viele Kaliningrader, die für einen Visaantrag nach Moskau fahren mussten, fühlten sich von den Deutschen veralbert. Zumal der Visaservice der Hamburger Handelskammer-Filiale, der bis dato jahrelang als Kurierdienst zwischen Moskau und Kaliningrad funktionierte und vielen tausend Kaliningradern geholfen hatte, nach Eröffnung des „Konsulats“ schließen musste.

Als Sommers Nachfolger Guido Herz im Herbst 2005 das Amt übernahm, war ein Haus für das künftige Generalkonsulat endlich gefunden: eine Neureichen-Villa in der Thälmannstraße 14, im Altkönigsberger-Stadtteil Maraunenhof.

Die Bremser sitzen in Deutschland


Zwischen Peinlichkeit und Hoffnung: Konsulatsschild am Visabüro. (Foto: Plath/.rufo)
Zwischen Peinlichkeit und Hoffnung: Konsulatsschild am Visabüro. (Foto: Plath/.rufo)
Wann dort der schwarz-gelbe Diplomaten-Bundesadler an der Prachtfassade prangt, steht derzeit im bestirnten Himmel über der Stadt. Das russische Eigentumsrecht ist kompliziert genug, um den Kauf einer solchen Immobilie, als einstiger Besitz eines örtlichen Oligarchen im Scheidungskrieg ohnehin kein ganz einfaches Objekt, gehörig in die Länge zu ziehen.

Wobei das in diesem Fall gar nicht das eigentliche Problem ist. Es sind die Deutschen selbst, die es mit der Konsulatseröffnung nun gar nicht mehr so eilig haben – namentlich die Beamten im Berliner Finanzministerium. Dort schob man unter Verweis auf die Haushaltslage den Kauf inklusive Aus- und Umbau des Anwesens solange vor sich hin, bis Herz der Kragen platzte.

Er machte sich in Berlin für eine provisorische Lösung stark. Weil: „Ziel des deutschen Generalkonsulats war und ist es, die Reisemöglichkeiten für Bewohner des Kaliningrader Gebietes zu erleichtern und die Region vor einer drohenden Isolierung als EU-Enklave zu bewahren. Das ist so zwischen der EU, der Bundesrepublik und Russland vereinbart worden. Wir machen uns lächerlich, wenn das hier so weitergeht.“

Guter Draht zur Regierung


Ob seine bisweilen undiplomatisch direkte Art und sein guter Draht in die Regierung bis hoch zur Kanzlerin dem Generalkonsul geholfen hat – mag sein. Guido Herz gehörte vor dem Eintritt in diplomatischen Dienst zum Beraterstab der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Sachen Osteuropa. Die Eröffnung des Visa-Büros haben die Kaliningrader ganz sicher seiner Initiaive zu verdanken.

Doch auch Herz hat von dem Büro in der Leningradskaja etwas Gutes, auch wenn ihm das Streifenmuster des neuen Vorbaus wohl nicht so sehr gefällt. Sollte es in Zukunft tatsächlich irgendwann einmal zur Eröffnung des „echten“ Generalkonsulats kommen, wird es mit Umzug ruck zuck erledigt sein. Denn die Villa in der Thälmannstraße liegt gleich um die Ecke.

(thoralf plath/.rufo).

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