 |
|
| Das Fischdorf ist eines der Projekte von Baschin (Foto: Ballin/rufo) | |
Mittwoch, 09.07.2008
Kaliningrad: Chefarchitekt Baschin zurückgetreten
Kaliningrad. Alexander Baschin, Chefarchitekt von Kaliningrad und eine der prägendsten Figuren des boomenden Wiederaufbaus, ist überraschend zurückgetreten. Er zog die Konsequenzen aus andauernden Konflikten.
|
|
Offiziell quittierte der junge Chefplaner der aufstrebenden Gebietshauptstadt seinen Dienst „auf eigenen Wunsch“. So verlautet es aus dem Rathaus: Herr Baschin habe am Freitag seine Kündigung eingereicht, ließ Kaliningrads neuer Citymanager Felix Lapin vermelden.
|
Rücktritt nach Konflikten Doch es scheint offensichtlich, dass der Rüktritt Baschins mit der Verwaltungsreform zusammenhängt, die Lapin angeschoben hat. Im Zuge dieser Umstrukturierung ist vor einigen Tagen die bislang sehr eigenständig agierende 30-köpfige Abteilung des Chefarchitekten mit dem städtischen Bauamt zusammengelegt und diesem unterstellt worden.
|
Damit verlor das Büro Baschin eine Menge Kompetenzen - unter anderem das Recht, Grundstücksentscheidungen zu treffen. Chef der neuentstandenen Behörde ist Pawel Sarkisow, ein Getreuer von Oberbürgermeister Alexander Jaroschuk.
|
Bürgermeister stoppt Baschin-Projekt
Der hatte zu Stadtarchitekt Baschin und vielen seiner Projekte von Beginn an ein gestörtes Verhältnis. Schon im Wahlkampf prangerte Jaroschuk, der selbst aus der Baubranche kommt, die „konzeptlose punktuelle Neubebauung Kaliningrads“ an. Als er kurz nach seinem Amtsantritt ein umstrittenes, weil die gewachsene Struktur des historischen Stadtbildes zerstörendes Hochhaus-Projekt am Wassilijewskij-Platz stoppte, wurde der Bruch offenbar: Baschin hatte diesem gläsernen Business-Center seinen Segen gegeben.
|
Seit Alexander Baschin 2006 das Amt des Kaliningrader Chefarchitekten von seiner glücklosen Vorgängerin Tatjana Kondakowa übernahm, saß er auf einem heißen Stuhl. Denn in Zeiten von Wirtschaftswachstum und Bauboom liegen sich in der Pregelstadt zwei Lager in den Haaren, die erbittert streiten um das künftige Aussehen des früheren Königsberg: Die einen plädieren für historisierende Baukonzepte, gewissermaßen in Anlehnung und Rückbesinnung auf Geschichte und gewachsene Topografie.
|
Hoch hinaus oder zurück in die Vergangenheit? Die anderen lehnen genau dies ab, sie wollen es modern, gläsern und vor allem - möglichst hoch hinaus. Es sind die Investoren, die dies wollen. Sie kommen zumeist aus Moskau, haben mit Königsberger Geschichte nicht viel am Hut, sie wollen Geld verdienen mit ihren verglasten Shopping- und Businesscentern.
|
Zwischen beiden Lagern: Chefarchitekt Baschin. Er versuchte den Kompromiss. Was dabei herauskommt, ist am Pregel gegenüber der Dominsel Kneiphof zu sehen. Dort wächst seit vier Jahren das Handels- und Handwerkszentrum „Fischdorf“, ein historisch angehauchter Mix Altkönigsberger Baustile, in Fachwerkgiebeln das Speicherviertel der Hundegatt-Lastadie zitierend und nebenan hanseatischen Backstein, das Ganze veredelt mit Wohlstandsfassaden, die sich unter der Stil-Rubrik "Neurussische Gründerzeit" führen ließen.
|
Engagiert für Schloss-Wiederaufbau
|
Die Entwürfe der Fischdorf-Häuser stammen aus dem Computer des jungen Architekten Alexander Baschin. Er fing sich damit eine Menge Kritik und manchen Kitsch-Vorwurf ein - aber auch viel Lob und Anerkennung. Die Häuserzeile am Pregel zählt zu den Sehenswürdigkeiten des neuen Kaliningrad, und ist ein geradezu exemplarisches Beispiel für die derzeitige Debatte um Stadtbild und Neubebauung. Baschin hat sich dieser Debatte von Beginn an gestellt. Öffentlicher Kritik ging er nicht aus dem Weg, er stellte sich den Diskussionen, und das war durchaus etwas Neues für dieses Amt.
|
Nicht zuletzt zählte und zählt Alexander Baschin zu den engagiertesten Befürwortern des Schloss-Wiederaufbaus. Für ihn war es immer ein zentraler Teil und ambitioniertestes Vorhaben für die Neugestaltung des Stadtzentrums - zusammen mit dem Wiederaufbau eines teils der historischen Königsberger Altstadt.
|
Mangelnde Distanz zu Investoren Doch dies sind Visionen. Die Realität des Kaliningrader Baubooms ist eine andere. In die Kritik geriet Baschin zunehmend für die überall im Stadtzentrum wachsenden gesichtslosen Geschäftscenter und Hochhäuser, auch eine mangelnde Distanz zu den Großinvestoren und ihren Interessen wurde dem Chefarchitekten nachgesagt.
|
Nun wird der 40-jährige wohl in seinen eigentlichen Beruf zurückkehren. Denn sein eigenes privates Architektenbüro hat Alexander Baschin nie aufgegeben. Die Rede wird in der städtebaulichen Debatte zwischen Königsberg und Kaliningrad sicher auch zukünftig des Öfteren von ihm sein.
|
|
|