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Auf der Kaliningrader Oktoberinsel soll das Stadion entstehen, bisher existiert es nur auf dem Papier (Foto: Plath/.rufo)
Auf der Kaliningrader Oktoberinsel soll das Stadion entstehen, bisher existiert es nur auf dem Papier (Foto: Plath/.rufo)
Donnerstag, 25.06.2015

Kaliningrad bangt um Fußball-Weltmeisterschaft

Kaliningrad. Die Vorfreude auf die Fußball-WM ist in Russlands Ostseeprovinz der Sorge gewichen: Die Stadt hinkt beim Stadionbau zurück. Sollte Moskau auf einer Kostensenkung bestehen, droht Kaliningrad die WM zu verpassen.


Vor drei Jahren war der Jubel riesig in Kaliningrad. Korken knallten, Autos hupten und ein Feuerwerk jagte in den Nachthimmel, als die Stadt im September 2012 zu einer der elf Austragungsorte gewählt wurde. Schon damals war klar, Kaliningrad steht viel Arbeit bevor, um sich WM-fein zu machen.

Mutko: Die Zeit drängt


Möglicherweise zu viel, denn die Projektierungsarbeiten für das Stadion haben sich in die Länge gezogen. Russlands Sportminister Witali Mutko warnte, Kaliningrad müsse sich sputen. Drei Stadien, seien fertig, die meisten übrigen im Bau, nur in Kaliningrad werde das Projekt erst abgeschlossen. „Ich hoffe, im Juni geht es zur Expertise und im August auf die Baustelle, denn die Zeit drängt“, sagte Mutko.

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Doch eben diese staatliche Expertise könnte den WM-Plänen Kaliningrads den Garaus machen. Denn Russland hat beim Zusammenstreichen des Haushalts auch die Finanzierung der Weltmeisterschaft jüngst um 30 Milliarden Rubel (500 Millionen Euro) gekürzt. Mutko nannte dies „Programmoptimierung“.

Bauherr sieht keine Einsparmöglichkeiten


Für die „Baltika Arena“ in Kaliningrad sind bisher 17,5 Milliarden Rubel (knapp 300 Millionen Euro) reserviert. Möglichkeiten zum Einsparen gebe es dabei nicht, warnte der Besitzer des mit Projektierung und Bau beauftragten Unternehmens Crocus Group, Aras Agalarow.

Technisch ist das Stadion zusammen mit der Arena in Rostow eins der schwierigsten: Beide stehen auf Sumpfgebiet, müssen daher auf Pfählen errichtet werden. Für die „Baltika Arena“ sind das über 2.000 Pfähle, jeder 50 Meter lang und 1,20 Meter im Durchmesser.

Ausstieg angedroht


Es sei angesichts des Rubelverfalls sogar schwer, im angegebenen Preisrahmen zu bleiben, sagte Agalarow. „Leider können wir beim Bau und der Ausrüstung des Stadions den Import nicht umgehen. Elektronik, Bildschirme, Ton- und Lichtanlagen sowie andere Hightech-Produkte müssen wir im Ausland kaufen“, klagte Agalarow und drohte: „Wenn die Expertise den Preis nicht bestätigt; für weniger Geld können wir nicht bauen, darum werden wir dann absagen.“

Sollte es dazu kommen, wäre die Crocus Group bereits der zweite Bauherr, der aussteigt. Ursprünglich sollte die „Mostowik“ Gruppe des Bau-Oligarchen Oleg Schischow die Arena bauen. Doch im September 2014 wurde deren Projekt in Moskau zerrissen. Von den 45.000 Plätzen blieben 35.000 übrig, auf das teure Schiebedach wurde verzichtet. Selbst der geplante Bauort, die Oktoberinsel, wurde noch einmal neu diskutiert.

Darum wird es eng mit den Fristen. Zeit für die Suche nach einem neuen Bauunternehmer bleibt wohl kaum, worauf Agalarow wohl auch spekuliert, wenn er mit dem Ausstieg droht. Im schlimmsten Fall wird dann Russland auf Kaliningrad als Austragungsort verzichten müssen.



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