Russische Armee gräbt vergessene Panzer wieder aus
Nacht-Verkaufsverbot für harten Alkohol im Kommen
Startseite


Sensationeller Fund: Professor Kulakow, entdeckter Tunneleingang. (Foto: Plath/rufo)
Sensationeller Fund: Professor Kulakow, entdeckter Tunneleingang. (Foto: Plath/rufo)
Montag, 18.12.2006

Kaliningrad: Archäologen finden Schlosstunnel

Kaliningrad. Es gibt ihn also doch: Bei Ausgrabungen im Ostflügel des einstigen Königsberger Schlosses sind die Archäologen auf einen Gang gestoßen.

Noch ist unklar, wohin der geheimnisvolle Tunnel führt, er liegt voller Schutt und ist nur wenige Meter weit einsehbar. Der Eingang des etwa einen Meter breiten, schulterhohen Ziegelgewölbes liegt in einer Kellernische unter dem einstigen so genannten Unfried-Bau und fällt nach einem Knick steil ab in Richtung Pregel, der in zwei Armen am südlichen Hochufer des Schlosshügels entlangfließt.

Doch die Wissenschaftler sind sich so gut wie sicher: Dies ist jener legendäre Geheimtunnel, der seit dem Mittelalter das Ordensschloss mit der etwa einen 400 Meter entfernten Dominsel Kneiphof verband.

"Sensationelle Entdeckung"


Bei Russland-Aktuell
• Kaliningrad: Das Bernsteinzimmer unter dem Pregel? (24.11.2006)
• Kaliningrad: Neue Forschungen an Prussia-Sammlung (29.11.2006)
• Kaliningrad: Bernsteinmuseum zeigt Jubiläumsschau (29.09.2006)
Grabungshelfer räumen nun mit Eimern und Schaufeln den Schutt aus dem engen Stollen, damit dessen Erkundung beginnen kann. Von einer Sensation spricht unterdessen Wladimir Kulakow, der als Chef der Baltischen Expedition am Nationalen Archäologie-Institut die Schlossausgrabungen in Kaliningrad leitet.

Der Tunnel stamme wahrscheinlich aus dem späten 14. Jahrhundert und sei zumindest im bisher geöffneten Teil in sehr gutem Zustand. "Vielleicht können wir schon bald den Verbleib einiger verschollener Königsberger Kunstwerke und Museumsexponate aufklären."

Verschollen ist in der einstigen Hauptstadt Ostpreußens vieles. Ganze Sammlungen sind bis heute spurlos verschwunden. Allein aus dem kostbaren Fundus des Prussia-Museums fehlen zehntausende Exponate.

Doch alles in den Schatten stellt das dunkle Schicksal eines Kunstschatzes, der zum letzten Mal im Königsberger Schloss gesehen wurde, transportfertig verpackt in 27 Kisten, Anfang April 1945, kurz vor Erstürmung der Stadt durch die Rote Armee: das Bernsteinzimmer. Im Schlosskeller verliert sich seine Spur. Führt der unterirdische Geheimgang auf die Spur des legendären Kleinods?

"Alles nur Spekulationen"


Kaliningrader Freilichtmuseum: Freigelegte Reste der Schlossmauern. (Foto: Plath/.rufo)
Kaliningrader Freilichtmuseum: Freigelegte Reste der Schlossmauern. (Foto: Plath/.rufo)
Anatolij Walujew, Chefarchäologe des Kaliningrader Museums für Geschichte und Kunst, will das nicht kommentieren. "Das sind alles nur Spekulationen. Die Entdeckung des Tunneleingangs ist natürlich ein großer Glücksfall für uns. Doch das Ziel der Ausgrabungen ist nicht das Bernsteinzimmer, sondern die Konservierung des historischen Ursprungsortes der Stadt als Freilichtmuseum", sagt er.

Walujews deutsche Geldgeber sehen das womöglich ein wenig anders. Finanziert wird das seit drei Jahren laufende Grabungsprojekt vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". In der Hamburger Redaktion belegt ein umfangreiches Dossier: Vieles spricht dafür, dass das seit 60 Jahren an Dutzenden Orten in halb Europa gesuchte Bernsteinzimmer Königsberg nie verlassen hat - und mit einiger Wahrscheinlichkeit in einem Versteck unter den verschachtelten Kellergewölben Schlosses liegt. Bisher brachten die Ausgrabungen freilich kaum mehr als Backsteintrümmer und Weltkriegsgerümpel ans Licht. Der Tunnel ist die umso heißere Spur.

Auch der Kaliningrader Historiker Sergej Trifonow ist davon überzeugt, dass das Bernsteinzimmer und andere Königsberger Kunstschätze in einem geheimnisvollen unterirdischen Labyrinth zwischen Schloss und Dominsel liegt.

Für die Existenz des Tunnels habe er Belege in "deutschen Archivdokumenten" gefunden, so Trifonow, der seit Jahren den Mythen Königsbergs nachforscht, wobei ihm seine Vorliebe für bizarre Themen in der Riege der seriösen Archäologie nicht besten Ruf einbrachte. "Er ist ein freier Historiker, der nichts beweisen muss", meinte Kulakow, als Kollege Trifonow vor einigen Wochen seine Tunnelthese im russischen Fernsehen präsentierte.

Nach Kriegsende hinabgeklettert


Dabei ist der Geheimgang gar nicht so geheim. Für seine Existenz gibt es sogar Zeugen aus der Nachkriegszeit. Grigorij Pogodin etwa, einstiger Hauptmann der Sowjetarmee, beschreibt das Labyrinth in seinen Memoiren "Wir stürmten Königsbergs": Kurz nach Kriegsende seien er und ein paar Kameraden auf dem Schlossgelände in einen Lüftungsschacht hinabgeklettert und von dort in ein gemauertes Stollensystem gelangt.

"Wir kamen bis an den Pregel, dort gab es noch einen Schacht, vielleicht zehn Meter tief. Unter der Insel teilte sich der Tunnel in drei Richtungen, von den zwei verschüttet waren. Der dritte Zweig ging in südlicher Richtung weiter und endete an einem Eisentor, das zugeschweißt war."

Aus diesem Stoff sind in Kaliningrad die Königsberg-Mythen: dunkel, geheimnisvoll, Legenden und Wahrheit verschmelzen miteinander. Und das Bernsteinzimmer ist nie weit entfernt. (tp/.rufo)


Artikel versenden Leserbrief Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 18.12.2006
Zurück zur Hauptseite








In der Straßenkinder-Betreuungsstätte Jablonka (Apfelbäumchen) bekommen diese Kaliningrader Kinder, was ihnen in ihren sozial zerrütteten Familie versagt blieb: ein warmes Zuhause, Fürsorge, geregelte Mahlzeiten. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche leben in Kaliningrad auf der Straße - bei den derzeitigen Temperaturen der blanke Horror. (Topfoto: Plath/.rufo)


Die populärsten Artikel der letzten drei Tage

Kaliningrad kompakt
04.03.2010Oppositionelle Kräfte schließen Koalition
24.02.2010Ashton-Antrittsbesuch: Visafreier Verkehr "ab morgen"
19.02.2010Kaliningrad elektrisiert: Bernsteinzimmer gefunden?
16.02.2010Opposition plant neue Protestkundgebung
03.02.2010ganze Schicht eines Zollpostens verhaftet
02.02.2010Nach Großdemo: In Kaliningrad könnten Köpfe rollen
01.02.2010Wider das Vergessen: Das Massaker von Palmnicken
27.01.2010Gelassenheit zu Polens Raketenplänen
21.01.2010Kulturbrücke zum Atlantis der Aufklärung
21.01.2010Gaspreise steigen um 20 Prozent
19.01.2010Kaliningrad – Millionensubventionen für Bahntransit
18.01.2010AKW Strahlende Aussichten für Lunino
08.01.2010Kaliningrad 2010: Weit ist der Weg nach Königsberg
06.01.2010Falsche Bombenmeldung für Zug Kaliningrad-Moskau
04.01.2010Weißrussland droht Kaliningrad mit Stromlieferstopp

Mehr Kaliningrad bei www.kaliningrad.aktuell.ru >>>

Schnell gefunden
Krise in Kaliningrad?
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Moskau
Medwedew fordert Aufklärung über skandalösen VIP-Unfall
St.Petersburg
Eisbrocken vom Dach auch für Autofahrer gefährlich
Thema der Woche
Abwrackprämie soll Russlands Automarkt anschieben
Kopf der Woche
Milliardär Prochorow neuer Olympia-Chef in Russland?
Kaliningrad
Kaliningrad: Oppositionelle Kräfte schließen Koalition
Kommentar
Schneelawine überrollt „Wettergott“ Luschkow
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Freitag, 12. März
00:01 

Russland Geschichte: Gorbatschow wird Präsident

Donnerstag, 11. März
19:22 

Freier Luftraum: Privatpiloten von der Kette gelassen

17:52 

Ukraine: Präsident und Premier wieder in einem Boot

16:49 

Sprengstoff im Regenrohr auf dem Jaroslawler Bahnhof

15:38 

Lada soll mit Renault-Hilfe richtig groß werden

13:46 

Ukraine: Asarow als neuer Premierminister bestätigt

13:07 

„Sinfonie in Bildern“: Multimedia mit Tschaikowski

12:34 

Ukraine: Neue Regierungskoalition hat Rada-Mehrheit

10:47 

Nacht-Verkaufsverbot für harten Alkohol im Kommen

09:22 

Jakutischer Jäger hält Auto für einen Elch – ein Toter

00:01 

Russland Geschichte: Gorbi gewählt, Litauen souverän

Mittwoch, 10. März
18:30 

Medwedew fordert Aufklärung über skandalösen VIP-Unfall

17:35 

Sibirier entwendet Fähre, um Wodka zu kaufen

16:37 

Deutschland übergibt Mordverdächtigen an Russland

15:12 

Potanin macht Medienholding Profmedia börsentauglich

14:29 

Russisches Staatsfernsehen muss Beresowski zahlen

13:29 

Spionageskandal in Polen: Doppelagent für Minsk

12:48 

Russische Armee gräbt vergessene Panzer wieder aus

11:18 

Zug-Anschlag: Polizei verhaftet zehn Verdächtige

10:26 

Russland entsetzt milde Strafe für Kinderschänder

08:59 

Korrupter Polizist isst vor Verhaftung Geldscheine auf

00:02 

Russland Geschichte: Geburtstag eines Reaktionärs

Dienstag, 9. März
18:46 

Ukraine: Russisch wird nicht zweite Staatssprache

17:31 

Verkehrspolizei nutzt Autofahrer als Verbrecherjäger

16:43 

Drei Viertel aller Russen mit ihren Leben zufrieden

15:40 

Elitärer Moskauer Nachtclub geht in Flammen auf

15:03 

102 Stunden Wartezeit an estnisch-russischer Grenze

14:33 

Russland schon „morgen“ bereit für EU-Visafreiheit

13:34 

Eisbrocken vom Dach auch für Autofahrer gefährlich

12:26 

Kein Asyl: Russische Familie begeht Selbstmord in Glasgow

10:45 

Abwrackprämie soll Russlands Automarkt anschieben

09:10 

Moskauer Nachtclub ausgebrannt: 1 Toter, 250 evakuiert

00:02 

Russland Geschichte: Stalin kommt ins Mausoleum

Montag, 8. März
14:18 

Flugzeugunglücke: Iran weist russische Piloten aus

13:07 

Artistik auf Samtpfoten – das Moskauer Katzentheater

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU
[Alt-Text]

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell