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| Der Dom bekommt Nachbarn im alten Stil: Das Fischdorf wächst. (Foto: Plath/.rufo) | |
Donnerstag, 04.01.2007
Kaliningrad: Am Pregel wächst das "Fischdorf"
Kaliningrad. Zwischen der Dominsel und sowjetischen Wohnblockzeilen nimmt ein neues Stadtviertel Gestalt an: das "Fischdorf", ein in Kaliningrad bislang einzigartiges Wiederaufbauprojekt mit viel Königsberger Flair.
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Gleich neben der Brücke, die von der Oktober-Straße hinüber auf den Kneiphof führt, ragt längs des Pregelufers ein Ensemble schlanker Fachwerkgiebel in den grauen Winterhimmel. Der künftige Flußbahnhof für Ausflugsschiffe wird viele Königsberger an Altbekanntes erinnern: Zitieren die schwarz-weißen Giebel doch unverkennbar die einstige Lastadie am Hundegatt, die historischen Pregel-Speicher ein paar hundert Meter flussabwärts. Sie versanken wie fast die gesamte Königsberger Innenstadt im Bombenhagel des Krieges, die Reste wurden nach dem Krieg eingeebnet.
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Hotel mit Festungsturm
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| Neue Altstadt: Laternen auf der Kaiserbrücke (Foto: Plath/.rufo) |
Neben den Fachwerkgiebeln wächst das Vier-Sterne-Hotel "Suworow", ein hanseatisch anmutender Backsteinbau mit Zitaten aus der preußischen Festungsarchitektur - vor allem in Gestalt des wuchtigen zinnenbekrönten Eckturms. Weiter hinten am Pregel ziehen Bauarbeiter die "Fischbörse" hoch, ein modernes Geschäftszentrum hinter klassizistischer Fassade mit mehreren hundert Quadratmetern Bürofläche, Business-Restaurant und Kongresssaal.
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Auch die "Fischbörse" zitiert Stadtgeschichte: Am Pregel, wenn auch nicht ganz an der gleichen Stelle, befand sich einst der legendäre Königsberger Fischmarkt. Ganz bewusst hat Kaliningrads junger Meisterarchitekt Alexander Baschin, von dessen Reißbrett die Entwürfe des ambitionierten Fischdorf-Projektes stammen, sich bei der Gestaltung der 13 Quartale auf 900 Metern längs des alten Pregel an Alt-Königsberger Baustilen orientiert. Er wolle eine Brücke schlagen zwischen modernem Städtebau auf europäischem Niveau und der 750-jährigen Stadtgeschichte, sagt Baschin.
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| Ein Zitat alten Königsberger Baustils: Neue Speichergiebel am Pregel (Foto: Plath/.rufo) | |
Als er vor zwei Jahren die Computeranimationen seiner Entwürfe präsentierte, wirkte das alles alles noch arg bunt zusammengewürfelt und irgendwie verspielt: ein historisierender Stilmix von Barock bis Gründerzeit, obendrein krass kontrastierend mit der Umgebung aus tristen sowjetischen Wohnblocks. Das "Fischdorf" wurde heftig diskutiert. Ein Neo-Königsberger Disneyland, mäkelten die Kritiker. Und historisch korrekt sei das ganze ja sowieso nicht.
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Schon als Baustelle beliebt
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Inzwischen sind solche Töne seltener zu hören. Schon als Baustelle ist die wachsende Häuserzeile zwischen dem Alten Pregel und der Oktoberinsel zur neuen Kaliningrader Sehenswürdigkeit avanciert - auch weil das in den sowjetischen Nachkriegsjahren eingeebnete, bis heute von Brachflächen und Plattenbaugebirgen geprägte Stadtzentrum nun zum ersten Mal so etwas wie eine architektonische Seele bekommt.
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Wird das "Fischdorf" in diesem Sinne gar zum Kristallisationskern? Schon sitzt Alexander Baschin, inzwischen zum Chefarchitekten der Stadt berufen, über Ideenskizzen, auch die Dominsel wieder zu bebauen.
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Großes Potenzial, viel Brachland
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| Schon jetzt eine Stadtbrache weniger: Die Fischdorf-Baustelle (Foto: Plath/.rufo) |
Für solche Zukunftsphantasien hat Pawel Fjodorow kein Ohr. Was kaum wundert: Mit seiner Großbaustelle ist der ehemalige Ölmanager und Wirtschaftsprofessor voll ausgelastet. Fjodorow ist geistiger Vater des Fischdorf-Projektes und Generaldirektor der eigens gegründeten Finanzierungsgesellschaft. Die Idee zum Bau des Handels- und Geschäftszentrums kam dem Moskauer, als er 2002 als Vizegouverneur für wirtschaftliche Entwicklung nach Kaliningrad kam.
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"Die Region hat große Potenziale, und dass es zu einem Aufschwung kommen würde, deutete sich damals schon an. Zugleich lagen so riesige Flächen innerhalb der Stadt einfach brach." Weil ihn die Geschichte und die versunkene Architektur der alten Preußenmetropole faszinierte, musste Fjodorow nicht lange überlegen, als er die Pläne des ehrgeizigen Architekten Baschin zum ersten Mal sah. "Das hat mich gleich überzeugt, und wie man heute sieht, auch die Kaliningrader. Wir bauen ein Stück des alten Königsberg wieder auf, als Verbindung von europäischer Bautradition und Moderne."
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Münchhausen kehrt zurück – und ein
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Als erstes Fischdorf-Bauwerk wurde 2005 die alte neue Kaiserbrücke über den Pregel eröffnet - eine orginalgetreue Rekonstruktion mit gußeisernen Kandelabern und Klappmechanismus, Fjodorows Geschenk an die Stadt zur 750-Jahrfeier. In diesem Jahr soll die "Fischbörse" eröffnet werden und auch das Suworow-Hotel, dessen Restaurant "Kaiserkrug" den Namen eines beliebten Königsberger Lokals wiederbeleben wird - ein gewisser Freiherr von Münchhausen kehrte gern dort ein.
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Darum lässt Pawel Fjodorow gerade eine Skulptur des berühmten Lügenbarons als Symbolfigur für das Restaurant fertigen. Wie es ihm überhaupt an ausgefallenen Ideen für sein Projekt nicht mangelt: Auf dem Turm des "Suworow" etwa soll eine alte Schiffskanone täglich um 12 Uhr einen Schuss abfeuern, der Platz vor der Fischbörse bekommt einen riesigen Kompass und der am Pregel geplante Leuchtturm ein Planetarium unter die Kuppel.
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Auf rund 100 Millionen Euro belaufen sich nach Fjodorows Angaben die Investitionskosten für das 35 Hektar große Quartier.
Bis 2010 soll es fertig sein - mit den zwei Nobelwohnvierteln "Karolinenhof" und "Albrecht", drei Hotels, acht Restaurants und einer schmucken Pregelpromenade, an der Bernstein- und Souvernirläden, ein Museum für Moderne Kunst und viele Cafés zum Flanieren einladen und sowohl die Kaliningrader als auch Touristen locken dürften. (tp/.rufo)
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