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Das Kaliningrader Frauen-Team Alpha 09 arbeitet sich mit einem deutschen Trainer seit drei Jahren in der Liga steil nach oben (Foto: Alpha 09)
Das Kaliningrader Frauen-Team Alpha 09 arbeitet sich mit einem deutschen Trainer seit drei Jahren in der Liga steil nach oben (Foto: Alpha 09)
Sonntag, 13.01.2013

Kaliningrad: Alpha 09 träumt von der Championsliga

Thoralf Plath, Kaliningrad. Frauenfußball wird in Russland immer populärer. Der Aufstieg der „Alpha-Ladies“ Kaliningrad steht beispielhaft dafür. Trainiert wird die Mannschaft von einem Deutschen.

Fußball hat Olga Bekrenewa schon gespielt, da war sie noch keine zehn. Wenn den Jungs im Hof mal jemand in der Mannschaft fehlte, sprang sie ein. Später traf sie sich auf dem Spielfeld beim Sportverein Lokomotive mit anderen Mädchen. Das alles ist noch gar nicht lange her, und es war kaum mehr als Kicken so zum Spaß.

Inzwischen ist die 24-Jährige auf dem Weg nach ganz oben: „Spätestens im übernächsten Jahr steigen wir in die russische Premier Liga auf, das ist unser Ziel“, sagt sie selbstbewusst. „In fünf Jahren wollen wir zu den Top drei in Russland gehören und dann auch in der europäischen Champions League spielen.“

Olga Bekrenewa ist Kapitänin von FK Alpha 09 Kaliningrad, einer der jüngsten und schon erfolgreichsten Frauenfußballmannschaften Russlands. Die Elf aus dem einstigen Königsberg legt gerade einen sagenhaften Aufstieg hin: Erst im September 2009 gegründet, spielt Alpha inzwischen in der zweithöchsten russischen Spielklasse, der Ersten Division, und wurde in ihrer Regionalzone West Zweiter. Beim Finalturnier im Herbst in Sotschi erkämpften die Kaliningraderinnen Rang acht.

Am Anfang war echter Straßenfußball: impulsiv und ehrgeizig


„Bei besserer Vorbereitung wäre noch mehr drin gewesen“, sagt Stefan Lindemann. „Es war unser bisher größter Coup. Da kann man schon stolz sein. Aber im nächsten Jahr wollen wir das Finalturnier gewinnen, ganz klar.“ Der Deutsche hat am Aufstieg der Alpha-Frauen großen Anteil, er trainiert sie von Beginn an, formte sie zu einem Team. „Wo wir als Mannschaft heute spielerisch stehen, das haben wir Stefan zu verdanken“, sagt Anastasia „Nasty“ Kolomiets, auch in dieser Saison wieder Torschützenkönigin des Clubs.

Die Damen-Riege mit ihrem Betreuerteam, Chef-Coach Stefan Lindemann ist rechts im Bild (Foto: Alpha 09)
Die Damen-Riege mit ihrem Betreuerteam, Chef-Coach Stefan Lindemann ist rechts im Bild (Foto: Alpha 09)
„Für mich ist es ein Traumjob“, sagt Lindemann selbst und lächelt. „Die Mädchen sind talentiert und spielen einen Top-Fußball, da können sich Männermannschaften noch was abgucken.“

Zu seinem Posten kam der 46-Jährige eher zufällig. Lindemann, er lebt seit Anfang der 1990er Jahre in Kaliningrad, brachte eines Tages seinen Sohn zum Training im Verein Lokomotive, sah dort eine Frauenmannschaft spielen. „Das war echter Straßenfußball, impulsiv und ohne große Strategie, aber ehrgeizig und mit vollem Einsatz.“

In Deutschland hatte er selbst viele Jahre aktiv Fußball gespielt, brachte es bis in die Verbandsliga Schleswig-Holsteins. „Ich hab eine Weile beim Spiel zugeschaut, wir kamen ins Gespräch, und plötzlich war ich Trainer“, erzählt er.

Gleich in der ersten Saison Gebietsmeister


Mädchen, die Fußball spielen wollten in Kaliningrad, liefen bis dahin in den „Männerclubs“ eher so nebenbei, wenn überhaupt. Um der Kickerei eine Form zu geben, gründeten sie im September 2009 den FK Alpha 09, von Beginn an ein reiner Frauenfußballverein.

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Vorbild dieses Club war das System von Turbine Potsdam. Lindemann führte ein straffes Trainingssystem auf, viermal die Woche ging es auf den Platz, dazu Taktik, Ausdauer. Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, gleich die erste Saison schloss Alpha 09 als Gebietsmeister der Ostsee-Exklave ab. Im Finalturnier der Zweiten Liga in Anapa am Schwarzen Meer stürmten die Kaliningraderinnen im Jahr darauf bis ins Endspiel und verloren nur knapp.

Zu Hause organisierte Lindemann ein Freundschaftsspiel gegen eine Verbandsliga- Auswahl vom Berlin. Russisch-deutscher Frauenfußball, die Szene horchte auf im sportvernarrten Kaliningrad: Die Ränge im großen Stadion des Zweitligisten „Baltika“ füllten sich. Alpha gewann 1:0.

Zur schäumenden Siegesparty im Deutsch-Russischen Haus kam sogar der deutsche Generalkonsul, aus dem Spiel ist mittlerweile eine echte deutsch-russische Fußballfreundschaft mit den Berlinerinnen gewachsen. „Was die Politik nicht hinkriegt, im Sport klappt das“, sagt Lindemann.

Auf dem Weg zum Profiteam?


Der deutsche Trainer und seine jungen Fußball-Ladies sind in Kaliningrad längst stadtbekannt. Alpha 09 ist regelrecht Kult, zu Heimspielen feuern manchmal 600 Fans ihre Mannschaft an, viele Frauen und Mädchen darunter.

Tanja Efimowa (in weiß), eine der Torjägerinnen von Alpha 09, hier bei einem Spiel gegen Junost Moskau (Foto: Alpha 09)
Tanja Efimowa (in weiß), eine der Torjägerinnen von Alpha 09, hier bei einem Spiel gegen Junost Moskau (Foto: Alpha 09)
Der Klub zieht seine Planungen inzwischen professionell auf. Man hat Sponsoren gefunden, die die weiten Wege zu den Spielorten finanzieren. Manchmal sind es über tausend Kilometer bis zum Auswärtsspiel. Vor kurzem verpflichtete Alpha 09 einen zweiten Trainer, einen Vollprofi. Jewgeni Schorwen spielte bis zu einer schweren Verletzung vor zwei Jahren aktiv in der ersten russischen Division.

Für die nächste Saison will man zudem zwei U-18-Nationalspielerinnen verpflichten. „Wenn wir nach ganz oben aufsteigen wollen, geht das nicht anders“, sagt Lindemann. Auch die Gründung einer Nachwuchsmannschaft für Mädchen von zwölf bis sechzehn ist geplant. „Das wird dann unser Double-Team.“

In dieser Woche geht’s wieder los


Die neue Saison beginnt für die Alpha-Frauen bereits in dieser Woche wieder. Für den Anfang hat der Trainer Hallentraining angesetzt, zweimal wöchentlich: „Sollten sich da während der ausgiebigen russischen Neujahrsferien hier und ein paar Pfunde angesetzt haben, die sind schnell wieder runter“, sagt Lindemann und schmunzelt vielsagend.

Am 8. Februar geht’s es dann das erste Mal zu Sache: FK Alpha 09 Kaliningrad fährt zum Internationalen Frauenfußball-Hallenturnier nach Berlin. Ehe Anfang April die russischen Pokalspiele beginnen, kommen die Berlinerinnen nach Kaliningrad: Am 30. März laufen Alpha und der Verbandsligist Blau Gelb zum Freundschaftsspiel auf – „wahrscheinlich im Baltika-Stadion“, wie Lindemann ankündigt. „Es ist unser Beitrag zum Deutschlandjahr in Kaliningrad. Und wir hoffen natürlich auf viele Zuschauer, gern auch aus Deutschland.“

Ende Mai geht’s dann aber endlich los in der Ersten Liga der russische Meisterschaft, sie endet mit dem Finalturnier im November, an dem die Alpha-Frauen natürlich teilnehmen wollen. Müssen, besser gesagt, wenn die Pläne aufgehen sollen.

Trainer Stefan Lindemann hat noch einige andere Spieltermine im Kalender in diesem Jahr, unter anderem gegen Spitzenteams aus Polen und Litauen, „aber das wichtigste ist und bleibt die russische Liga.“

Frauenfußball ist im Kommen


Die steile Karriere des FK Alpha 09 Kaliningrad könnte auch gut als Beispiel für den Aufschwung stehen, den der Frauenfußball in Russland gerade nimmt. Jahr für Jahr kommen Dutzende neue Mannschaften hinzu, es gibt mittlerweile vier Spielklassen von der Premierliga mit ihren derzeit acht Proficlubs bis hinunter zu den Stadt- und Gebietsmeisterschaften. In der Ersten Liga, in der Kaliningrad spielt, kämpfen 40 Teams in sechs Regionalzonen um Punkte.

Gewiss ist Frauenfußball immer noch etwas Exotisches in der Machowelt russischer Fußballstadien. Aber das Bild wandelt sich. „Wir wollen, dass man uns am Männerfußball misst“, sagt Swetlana Schurawljowa, Direktorin des Spitzenclubs „Rossijanka“ Krasnoarmejsk, kürzlich in einem Radiointerview. „Wir spielen in vielem sogar faszinierender als Männer. Frauenfußball ist klüger, wenn er auch manchmal unlogisch ist. Er ist wie ein Frau, oft einfach ein Rätsel.“

Der Traum vom WM-Stadion


Einen Traum haben die Kaliningrader Fußballfrauen natürlich auch. „Einmal in unserem WM-Stadion spielen“, meint Nasty Kolomiets, „das wär’s. Oder aber wenigstens als Zuschauerin dabei sein bei einem der Spiele.“ Seit Herbst steht fest, dass das alte Königsberg im Sommer 2018 zu den Ausrichterstädten der Fußballweltmeisterschaft in Russland gehören wird.

Die ganze Stadt lag sich in den Armen, als Ende September die Entscheidung fiel, und auch die Alpha-Frauen feierten mit auf der großen Fußballparty an der Königsberger Dominsel. Jetzt steht der Stadt ein beispielloser Bauboom bevor, für eine halbe Milliarde Euro soll ein ganzes Sportstädtchen aus dem Boden gestampft werden rings um das supermoderne WM-Stadion für 45.000 Zuschauer.

Vielleicht wird der FK Alpha 09 dort eines Tages auch für ein UEFA Champions League-Spiel auflaufen, wer weiß. Immerhin wollen sie doch ganz nach oben, die Kaliningrader Fußball-Ladies und ihr deutscher Trainer.



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Stoll 14.01.2013 - 19:07

Einfach Klasse ! Viel Erfolg und den Namen merke ich mir.


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