Freitag, 09.04.2010

Jubiläum: Kaliningrad feiert Sturm auf Königsberg

Veteranen beim Empfang der Stadtverwaltung von Kaliningrad (Foto: TV)
Kaliningrad. Vor 65 Jahren hat die Rote Armee die „Festung Königsberg“ eingenommen. Damit endete die deutsche Geschichte der Hansestadt. Zum Jubiläum des Sturms gibt es „Kriegsspiele“ und einen Veteranenempfang.
Vier Tage dauerte im April 1945 die Schlacht um Königsberg. Gleich drei sowjetische Armeen griffen die Großstadt an. Um jeden Meter wurde erbittert gekämpft. Bei den Kämpfen wurde auch die Zivilbevölkerung schwer in Mitleidenschaft gezogen. Am 9. April kapitulierte die deutsche Militärführung.

Sturm von Königsberg in einer Ausstellung


Derzeit werden in einer Ausstellung in Kaliningrad Gegenstände aus diesen Kriegstagen und bisher unbekannte Fotos jener Zeit präsentiert. Zu sehen sind auch Propagandamaterialien der Roten Armee, darunter eine Armeezeitung mit Abbildungen gefangener deutscher Soldaten auf dem damaligen Kaiser-Wilhelm-Platz in Königsberg.

Die Stadtverwaltung hat zudem die sowjetischen Veteranen, die an der Eroberung der Stadt beteiligt waren, eingeladen. Die Züge aus Moskau, St. Petersburg und Minsk werden mit dem in Russland bekannten Marsch „Abschied der Slawin“ auf dem Bahnhof von Kaliningrad empfangen.

Veteranen nach Kaliningrad eingeladen


Damals, so erinnert sich der 85jährige Iwan Roschin in einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen, sei er am Bahnhof von Gewehrsalven empfangen worden. Die Deutschen hatten mehrere Lokomotiven zusammengekoppelt und sich darin verschanzt.

„Ein Faschist hat eine Granate nach mir geworfen, die Granate prallte an meinem Stiefel ab und explodierte. Ich habe eine lange Gewehrsalve in die Kabine abgegeben. Dabei habe ich nicht nur die Faschisten getötet, sondern auch die ganze Kabine durchlöchert“, erzählte Roschin dem russischen Fernsehen.

Der Krieg als Spiel


Während die Veteranen ihre Erlebnisse der Schlacht noch mal aufleben lassen, spielen Hobbyhistoriker in diesen Tagen die Schlacht von Königsberg noch einmal nach.

Bei den so genannten „Rekonstruktionen“ geht es um möglichst große Originaltreue. Die Teilnehmer dieser Kriegsspiele sind in Uniformen von Wehrmacht und Roter Armee gehüllt, auch die Waffenmuster entsprechen der damaligen Rüstung. Nur die Munition ist glücklicherweise diesmal nicht echt.