Donnerstag, 05.07.2012

Jazz, Arbat und Feuerwerk: Kaliningrad feiert Stadtfest

Stadtfest und Sommer: Für die Kaliningrader gehört das zusammen (Foto: tp/.rufo)
Kaliningrad. Der Ausflug in den September ist Geschichte: Kaliningrad richtet den „Tag der Stadt“ künftig wieder im Sommer aus. Am kommenden Wochenende werden Siegesplatz und Prospekt des Friedens zur Party-Zone.
Mit einem dreitägigen Programm feiert Kaliningrad sein Stadtfest in diesem Jahr erstmals wieder im Juli – wie es bis 2008 üblich war. Damals hatte OB Alexander Jaroschuk den traditionellen Tag der Stadt auf Mitte September verlegen lassen mit der Begründung, dass dann alle Kaliningrader wieder aus den Ferien zurück seien und mitfeiern könnten. Doch die frühherbstlich unterkühlte Party kam bei den Leuten nicht an.

Nun also wieder ein Fest in Sommerlaune. Nicht mehr wie einst aus sowjetischem Brauch üblich am 4. Juli, dem Geburtstag des Namenspatrons und Stalin-Gefolgsmanns Michail Kalinin – wohl durchaus absichtsvoll votierte der Stadtrat, als das Thema im Februar zur Abstimmung stand, für das zweite Juliwochenende als künftiges Datum der offiziellen Festivität. Es fällt in Russland zusammen mit dem „Tag des Fischers“ – und der wird in der Ostseestadt traditionell groß gefeiert.

Hauptbühne steht am Rätehaus


Von Freitag an wird sich das Stadtzentrum zwischen Schlossplatz und Zentralpark für drei Tage in eine Partyzone verwandeln mit Konzerten von Blues bis Klassik, Kunstausstellungen und Straßentheater, Film- und Modefestival. Erstmals seit langem sollen auch die Stadtteile wieder mehr in das Fest einbezogen werden, Bühnen stehen unter anderem in Tschkalowsk und der Haffsiedlung Pribreschny.

Am meisten los dürfte freilich auf und vor der Hauptbühne am Dom Sowjetow sein, wo vor allem am Sonnabend in einem schier pausenlosen Programm ein Konzert das nächste ablöst. Rappelvoll verspricht es abends zu werden, wenn „Tschaif“ auftritt, eine der beliebtesten Popgruppen Russlands.

Kein Stadtfest ohne Pyrotechnik: Feuerwerk am Rätehaus (Foto: tp/.rufo)
Im Vorprogramm werden local heroes auf der Bühne stehen: die Kaliningrader Band „Throughts Aloud“ sowie „Crossroadz“, eine ziemlich gute Blueskapelle. Nach der großen Sause soll, wie jedes Jahr, ein großes Feuerwerk Pyrosterne und Gefunkel in den Königsberger Nachthimmel zaubern.

Sommernachtstraum: Auftrieb der Schönen


Überhaupt setzt der Tag der Stadt 2012 auf Traditionelles. Am Samstagvormittag bekommen die diesjährigen „Verdienten Kaliningrader“ auf der Hauptbühne ihre Medaillen, ein Kandidat in diesem Jahr: die russische Seefahrerlegende Gennadi Kolomenski, Kapitän der berühmten Viermastbark „Krusenstern“.

Das 2007 im Rahmen des Kaliningrader Stadtfestes gegründete Internationale Mode- und Schönheitsfestival „Sommernachtstraum“, feiert in fünfter Auflage sein erstes kleines Jubiläum.

Dem Auftakt-Auftrieb der schlanken Schönheiten am Freitagabend im Haus der Künste soll am Sonnabend ein großes Defilee auf der Hauptbühne folgen, und den gesamten Sonntag über zeigen die Designer aus 16 Ländern und acht russischen Städten ihre Models und Kollektionen dann auf der Bühne neben dem Denkmal „Die kämpfenden Bullen“.

„Koenig Jazz Band“ am Schillerdenkmal


Kein Stadtfest ohne Jazz. Dass Russlands westlichste Großstadt seit einigen Jahren unter dem Label Kaliningrad City Jazz ihr eigenes Festival ausrichtet, hat die Szene beflügelt – und lockt auch immer mehr ausländische Jazzgrößen zu Sessions in das alte Königsberg.

Fans der „einzig wahren Musik“ kommen zum Stadtfest am Theaterplatz auf ihre Kosten, hier gibt’s auf der Bühne neben dem Schillerddenkmal an beiden Tagen kostenlose Konzerte unter anderem mit der „Koenig Jazz Band“, The Light Keepers“, dem „Paris Trio“ und „Smooth Jazz Operator“. Aus dem benachbarten Klaipeda, Litauens Jazzhochburg, kommt das wunderbare „Laimonas Urbikas Quartett“ herüber.

Kaliningrad bekommt zwei Boulevards auf Zeit


Zur offiziellen Stadtparty geht, was ansonsten das Jahr über nicht möglich scheint: Kaliningrad bekommt eine Fußgängerzone. Genau genommen gleich zwei: Die Baranow-Straße verwandelt sich zwischen Siegesplatz und dem Shopping-Center Akropol in einen „Kaliningradskij Arbat“ mit Straßenmusikern, Open-Air-Kunstausstellungen, Schriftstellerlesungen, Kunsthandwerk.

Angeblich ist dies eine Generalprobe: Noch in diesem Jahr soll die uliza Baranowa zur ersten Fußgängerzone Kaliningrads ausgewiesen werden. Davon geredet wird allerdings seit Jahren…

Voll gesperrt für Autos wird am Sonntag auch der gesamte Prospekt Mira vom Siegesplatz bis zum Zentralpark an der Luisenkirche. Die fast zwei Kilometer lange Bummelmeile führt am Baltika-Stadion vorbei. Der diesjährige Austragungsort für die Festivitäten zum Tag des Fischers wirbt mit „Ucha für alle“ um Gäste – die traditionelle russische Fischsuppe dürfte ihre Wirkung nicht verfehlen.

Affen nicht länger aus dem Häuschen


Rund sieben Millionen Rubel (ca. 175.000 Euro) lässt die Stadt sich das Fest kosten. Diese Zahl nannte in der vorigen Woche Swetlana Sikosa, Kulturamtschefin der Stadtverwaltung. Verglichen mit früheren Partys ist das vergleichsweise sehr wenig. Offenbar verschätzte man sich bei der Mithilfe privater Sponsoren, die mit einer Million Rubel unter den Spenden-Erwartungen blieben, wie Sikosa einräumte.

So musste das Festkomitee sparsam wirtschaften. Geschadet hat das dem Renommee der beliebtesten Party des Jahres nicht, die Kaliningrader verstehen auch ohne millionenteure Stars zu feiern.

Freuen können sich die Affen im Zoo: Sie bekommen endlich ihr Volierenhaus wieder, frisch renoviert. Zur Feier des Tages soll der neue Käfig eröffnet werden, allerdings wird Oberbürgermeister Jaroschuk, als Geschenkeverteiler sonst alles andere als kamerascheu, sich diesen Auftritt wohl verkneifen.

Der Wahlkampf naht. Mit einer Horde Schimpansen auf dem Foto – diese Steilvorlage wird er seinen Konkurrenten nicht gönnen wollen.