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| Arjtom Ryschkow will die Kaliningrader schockieren, aber keine Pornografie zeigen (Foto: Ballin/.rufo) | |
Montag, 11.07.2005
Erotik-Festival: Wir wollten schockieren
Kaliningrad. Noch bis zum 23. Juni läuft das Festival des erotischen Films im Kino „Sarja“. Art-Direktor Artjom Ryschkow erklärt aktuell.ru seine Vorstellung von Kino und was es mit der Erotik auf sich hat.
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aktuell.ru: Herr Ryschkow, das Filmprogramm des „Sarja“ gilt in Kaliningrad als außergewöhnlich. Warum?
Ryschkow: Derzeit haben wir in Kaliningrad drei Kinos. Geplant sind zwei weitere Multiplex-Kinos mit mehreren Sälen. Wenn wir uns wie die anderen auf das Zeigen der Blockbuster aus Hollywood konzentrieren, haben wir kaum eine Chance. Daher versuchen wir einen etwas anderen Weg zu gehen. Wir zeigen u.a. europäisches Kino. Das ist bislang nicht rentabel, unser Geld verdienen wir nach wie vor mit Hollywood-Filmen, aber es ist die Suche nach einer Nische.
Aktuell.ru: Sie haben schon mehrere Filmfestivals veranstaltet. Welche waren das und woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Ryschkow:Vor zwei Jahren haben wir in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut eine Fassbinder-Reihe gezeigt. Mit dabei war auch Hans Günther Pflaum, ein Freund Fassbinders. Mit solchen Gästen versuchen wir auch, Kontakt zu unserem Publikum herzustellen. Unsere Aufgabe ist es eben nicht, einfach nur Filme zu zeigen. Im letzten Jahr haben wir mit den Holländern und den Japanern Filmreihen veranstaltet. Wir haben auch schon russische Filme gezeigt, als das noch nicht so populär war wie jetzt.
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| Es laufen noch die Filme: |
Töte Freud (Komödie)11.07.
The wayward cloud (Erotik-Musical)23.07
Tickets 140 Rubel
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Im September wollen wir in Zusammenarbeit mit der EU ein europäisches Filmfestival mit Beiträgen aus 15 Ländern veranstalten. Danach ist erst ein spanisches und dann wieder ein deutsches Filmfestival geplant.
Aktuell.ru: Und jetzt eben das Festival des erotischen Kinos. Wie kam es dazu?
Ryschkow: Wir nannten es erotisches Kino, weil sich die Filme um das Thema Sex drehen. Das bedeutet aber nicht, dass wir dort Pornographie zeigen. Wer mit diesen Vorstellungen ins Kino geht, wird sicher enttäuscht. Erotik ist eher versteckte als offen dargestellte Sexualität. Obwohl es bei dem Film “Neun Songs” ziemlich offene Szenen gibt. Wenn wir heute so um die 70 Zuschauer haben, bin ich zufrieden. Wir wollen mit dem Festival Leute schockieren. Ich rechne damit, dass während der Vorführung Zuschauer aus dem Saal gehen. Wenn alle hinterher klatschen und “Bravo” rufen, habe ich irgend etwas falsch gemacht.
Aktuell.ru: Sehen Sie sich die Filme vorher an? Wenn ja, welcher Film ist Ihrer Meinung nach der schockierendste oder beste in dieser Reihe?
Ryschkow: Wenn es geht, schaue ich mir die Filme vorher natürlich an, schon um bei der Ankündigung auch die richtigen Worte zu finden. Aber das ist teuer, ich muss nach Moskau oder Kiew zu besonderen Filmvorstellungen für Art-Direktoren fliegen. Von dem Festival habe ich nur einige gesehen. Der schockierendste Film ist sicher der letzte, der am 23. Juni gezeigt wird: „Kaprisnoe oblako“ (heimste auf der Berlinale 2005 unter der Bezeichnung „The wayward cloud“ einen silbernen Bären und den Alfred-Bauer-Preis ein – d.R.). Er läuft derzeit noch in Moskau mit großem Erfolg.
Aktuell.ru: Sind die Kaliningrader denn Ihrer Meinung nach leicht zu schockieren? Sind Sie rückständiger als z.B. die Moskauer?
Ryschkow: Nein, ich glaube nicht, dass die Menschen hier konservativer sind als in Moskau. Aber dort leben sieben Mio. Menschen und hier knapp 500.000. Deshalb finden sich dort etwa 1.000 Menschen, die bereit sind für solche Filme und hier eben 70. Das heißt aber nicht, dass wir rückständiger sind als die Moskauer. Im Vergleich zu den Litauern sind wir wahrscheinlich schon noch etwas zurück. Die Litauer sind bereits Europäer, wir noch nicht. Aber Ziel des Festivals ist es ja, den Menschen einige ihrer Tabus zu nehmen.
Das Gespräch führte André Ballin
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