Montag, 09.07.2012

Donnerndes Stadtfest: Schwere Gewitter über Kaliningrad

Überflutete Straße in Kaliningrad nach Gewitter-Wolkenbruch (Foto: newkaliningrad.ru)
Kaliningrad. Erst Hochsommer, dann Unwetter: Heftige Gewitter, von Hagel, Starkregen und Sturm begleitet, haben am Wochenende im Gebiet Kaliningrad Straßen und Keller geflutet und Bäume umgestürzt.

Die drückende Hitze ließ schon am Sonnabendmorgen Unheil ahnen in Kaliningrad. Bereits am späten Vormittag hatte das Thermometer die 30-Grad-Marke erreicht, die Luftfeuchtigkeit erinnerte an tropische Breiten.

35 Grad Hitze produzieren Gewittersturm


Nachmittags brachen die Unwetter los, vor denen der Katastrophenschutz bereits am Tag zuvor gewarnt hatte. Zuerst im Osten der Exklave, wo sich bei Temperaturen bis zu 35 Grad gewaltige Gewitterwolken aufgetürmt hatte. Zwischen Tschernjachowsk (Insterburg) und Osjorsk (Darkehmen) brachen Sturmböen mehrere Alleebäume um, Dorfbewohner berichteten gestern von bis zu drei Zentimeter durchmessenden Hagelkörnern, die zum Teil Fensterscheiben durchschlagen hätten.

Bei Gwardejsk (Tapiau) schlug eine Windhose eine Schneide der Verwüstung durch ein Waldgebiet, zu Schaden kam zum Glück niemand.

Kaliningrad erreichte die Gewitterfront am späten Nachmittag – und wirbelte das Stadtfest arg durcheinander. Zeitweise ging gar nichts mehr, auf den Bühnen, vor allem aber auf den Straßen, wo sich das Wasser in einigen Abschnitten mehr als einen halben Meter aufstaute und den ohnehin umleitungsgeplagten Verkehr vollends zum Erliegen brachte.

Auto-Bäder wegen altersschwacher Kanalisation


Die flutgefährdeten Stellen kennt man seit Jahren, ohne dass die Ursachen beseitigt worden wären. In der Aleja Smelnych etwa bildete sich unter der Bahnüberführung auch diesmal wieder ein fast ein Meter tiefer See: Die noch aus deutscher Zeit stammende Kanalisation schafft die Regenmengen nicht schnell genug abzuleiten.

Das Problem ist bekannt, verschärft durch den Bauboom: Die vielen neuen Hochhäuser sprengen die Kapazität der Abwasserrohre. Besonders akut wird es bei Gewitterstürmen mit Sintflut-Zugabe wie am Sonnabend. Doch es wird auch diesmal wieder so kommen wie üblich: Sobald das Hochwasser angelaufen ist, ist die Sanierung der Abwasserrohre kein Thema mehr.

Strom weg, Keller voll - aber kein Vergleich mit Krymsk im Kaukasus


Auch am Wochenende dauerte der Unwetterspuk kaum länger als eine Stunde. In der Nacht zu Sonntag blitzte, donnerte und schüttete es vor allem an der Samlandküste noch einmal heftig, in elf Ortschaften waren rund 4500 Menschen zeitweise ohne Strom: Blitzeinschläge legten im Gebiet insgesamt 17 Transformatorstationen lahm. Diese Zahlen nannte gestern der regionale Katastrophenschutz.

Die weitere Gewitterbilanz: 45 umgestürzte Bäume allein im Kaliningrader Stadtgebiet, fast 6000 Anrufe wegen überfluteter Keller oder Straßenabschnitte. In der Pawlik-Morsow-Straße stürzte in einem Wohnhaus die vom Regen durchweichte Decke einer Dachgeschosswohnung ein.

Immerhin: Verletzt wurde durch das Unwetter niemand. Kaliningrad konnte sogar sein Stadtfest ordentlich zu Ende feiern, auch das „Tschaif“-Konzert auf der Hauptbühne am Dom Sowjetow fiel nicht wie lange befürchtet ins Wasser.

Allenfalls das mitternächtliche Feuerwerk von Pyro-Magier Han sah in diesem Jahr etwas blass aus. Kräftige Sommergewitter sind halt schwer zu toppen.