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Richtig obdachlos sind sie nicht, die russischen Mariner in Kaliningrad. Aber viele leben in Notunterkünften (Foto: Mischke/.rufo)
Richtig obdachlos sind sie nicht, die russischen Mariner in Kaliningrad. Aber viele leben in Notunterkünften (Foto: Mischke/.rufo)
Montag, 12.12.2005

Auch in Kaliningrad: Russlands Militär teils obdachlos

Kaliningrad. In Kaliningrad leben zehntausende Armeeangehörige und ihre Familien in baufälligen und beengten Unterkünften. Der Staat unternimmt zu wenig, um allen Familien die eigenen vier Wände zu ermöglichen.

Mehr als 40 Jahre lang war Kaliningrad militärisches Sperrgebiet, in dem zehntausende Angehörige der russischen Streitkräfte stationiert waren. Viele von ihnen leben auch heute noch mit ihren Angehörigen in der russischen Ostsee-Exklave. Oft am Existenzminimum, denn mit ihren niedrigen staatlichen Gehältern bzw. Renten können die Armeeangehörigen kaum ihre Familien versorgen.

Eigentlich ist die Militärführung verpflichtet, ihre langjährigen Untergebenen und deren Familien zumindest mit Wohnraum zu versorgen. Doch für viele von ihnen sind die eigenen vier Wände nur ein ferner Wunschtraum: Sie müssen in Wohnheimen der Armee ausharren, in denen sich auch mehrköpfige Familien mitunter ein einziges Zimmer teilen müssen.

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Sozialer Sprengstoff


Die Heime sind größtenteils stark sanierungsbedürftig. Undichte Dächer, rieselnder Putz, Feuchtigkeit in den Wänden, freiliegende Elektroleitungen und ungenügende Sanitäranlagen gehören zum Alltag. Was einmal als Notlösung gedacht war, hat sich für viele Betroffene längst zum Dauerprovisorium entwickelt: Manche Familien leben seit weit mehr als 10 Jahren unter diesen Bedingungen. Spannungen sind unter diesen Umständen vorprogrammiert.

Immerhin konnte das Oberkommando der Baltischen Flotte Ende September dieses Jahres in Baltijsk (Pillau) 108 Militärangehörigen und ihren Familien die Schlüssel zu ihren Neubau- Wohnungen überreichen. Doch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein:

Wie das Kaliningrader Lokalfernsehen berichtet, sind mehr als 6.000 weitere Armeeangehörige in Kaliningrad dringend versorgungsbedürftig. Die Warteschlange verkürzt sich jährlich um nur rund 100 bis 150 Familien.

Wohnraumzertifikate


Das Verteidigungsministerium versucht deshalb, das drängende Wohnraumproblem mit der Ausgabe von Zertifikaten zu entschärfen. Dabei erhalten Militärangehörige, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen (unter anderem müssen sie mindestens 10 Jahre in der Armee gedient haben), ein Zertifikat für eine bestimmte Quadratmeterzahl Wohnfläche. Mit dem Dokument können die Familien dann eigenständig auf Wohnungssuche gehen.

Allerdings beträgt der Wert der Zertifikate lediglich 11.000 Rubel (rund 320 Euro) pro Quadratmeter. In Kaliningrad liegt der Kaufpreis für einen Quadratmeter Wohnfläche jedoch bei durchschnittlich 16.000 Rubel (470 Euro). Die Differenzsumme muss von den Militär-Familien aus eigener Kraft aufgebracht werden, was viele nicht können.


Putin will Differenz ausgleichen - 880 Millionen Euro für Soldatenwohnungen


Immerhin gelang es Vizepremier und Verteidigungsminister Sergej Iwanow bei einer Kabinettssitzung mit Präsident Wladimir Putin vor einigen Tagen 30 Milliarden Rubel (880 Millionen Euro) zusätzlich aus dem föderalen Budget für den Ankauf von Wohnungen für Armeeangehörige herauszuholen.

Mit dem Geld soll in den nächsten zwei Jahren der Preisunterschied zwischen dem Wert der an Soldaten ausgegebenen Wohnungszertifikate und den Immobilienmarkt-Preisen in den Städten und Gebieten Moskau, St. Petersburg und Kaliningrad aufgefangen werden. (-jm/rufo)


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