Donnerstag, 09.04.2009

Museum, Konzerthaus, Symbol der Stadt: Königsberger Dom

Alleine die neue Dom-Orgel ist einen Besuch wert. Sie wurde erst 2008 eingebaut. (Foto: Plath/.rufo)
Wohl jeder Kaliningrader, den man nach Sehenswertem fragt, wird ihn empfehlen: den Königsberger Dom. Seit Anfang der 1990er Jahre haben viele am Wiederaufbau der kriegszerstörten Ruine mitgearbeitet, allen voran der resolute "Dombaumeister" Igor Odinzow, Chef der staatlichen Restaurierungsfirma Kafedrealnyj Sobor.
Dank dieses großen russisch-deutschen Gemeinschaftswerkes hat die mittelalterliche Backstein-Basilika heute wieder ein Dach, die Uhr im Südturm - eine detailgetreue Nachbildung der Siemens-Uhr von 1910 - schlägt zu jeder vollen Stunde nach dem Glockenspiel des Big Ben, und im Schatten des Hohen Chores legen freitags und sonnabends Kaliningrader Brautpaare Blumen am Grab von Immanuel Kant nieder.

Der wiederaufgebaute Dom ist heute vor allem ein Gedächtnisort, eine kulturell-museale Stätte, an der Königsberg und Kaliningrad auf eine Weise zusammentreffen wie sonst wohl kein zweites Mal in dieser doppelbödigen Stadt.

Museum im Doppelturm des Doms:
Blick auf alte Panoramagemälde - und auf das real existierende Panorama


In den drei Etagen des Doppelturms sind Ausstellungen untergebracht zum Dom-Wiederaufbau, zur Stadtgeschichte und über Immanuel Kant - alles ein bisschen durcheinander und sicherlich nicht von den Leitmotiven moderner Museumskonzepte geprägt, aber Jahr für Jahr von über 40 000 Menschen besucht.

Domchor


Höhepunkte eines Dombesuchs sind zweifellos die Konzerte. Der Domchor unter Leitung von Elena Kramarenko ist für seinen professionellen Vortrag russischer und urkrainischer Volksweisen und liturgischer Lieder der Russischen Orthodoxie längst über die Grenzen Kaliningrads hinaus berühmt:

Regelmäßig sind die zwölf Sängerinnen und Sänger auf Konzertreise in Deutschland, Holland, Österreich und anderen Ländern Europas.

Orgelkonzerte


Unvergesslich bleibt jedem Besucher auch ein Konzerterlebnis auf der großen, 2007 geweihten Schuke-Orgel. Zweimal wöchentlich lädt der junge preisgekrönte Domorganist Artjom Chatschaturow zu einem jeweils halbstündigen Konzert ein.

Der Dom ist zugleich evangelische und orthodoxe Kirche


Auch Kirche ist der Dom noch (oder besser: wieder). Die beiden Sakristeien unter den Türmen dienen heute als Kapellen der Evangelisch-Lutherischen und der Russisch-Orthodoxen Kirche.


Königsberger Dom
Kafedralnyj Sobor na ostrowe Kanta (Kneiphof)

Tel. 007 4012 - 64 68 68
oder 007 4012 - 93 57 98

Das kontrastierende Selbstverständnis der beiden christlichen Konfessionen spiegelt sich dabei deutlich wider: Hier der spartanisch-schlichte Raum mit einem einfachen Altar, dort Ikonen, Weihrauch, Kerzen, liturgische Chorgesänge vom Tonband.

Doch ob nun protestantisch oder orthodox: Zu Andacht und Einkehr laden beide Kapellen ein. Und das ist nach allem, was dem alte Dom seit den verheerenden britischen Bombenangriffen im September 1944 widerfuhr, ein richtiges Wunder.