Freitag, 24.09.2004

Zehn Jahre Autobau in Kaliningrad

Harter Brocken made in Kaliningrad: Hummer H2 (foto: jm/rufo)
24.9.2004, Kaliningrad. Aus Anlaß seines zehnjährigen Bestehens öffnete der Autohersteller „Avtotor“ sein Werksgelände für die Kaliningrader Bevölkerung. Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt 250 Millionen US-Dollar investiert und produziert mittlerweile mehr als ein Dutzend Automodelle der Marken Kia, General Motors und BMW.

Diese imposant klingende Geschichte relativiert sich bei einem Betriebsrundgang. Für europäische Verhältnisse erinnert das Werk mehr an eine Spielzeugfabrik, denn bei „Avtotor“ wird nicht am Fließband produziert, sondern lediglich die Endmontage importierter Teilesätze vorgenommen. So gleicht denn auch die „Produktionshalle“ für den panzerartigen Geländewagen „Hummer H2“ (Stückpreis 75.000 Euro) mehr einem schwerbewachten Ausstellungsraum für Autozubehör als einer Autofabrik.

Niedrige Stückzahlen in der Automanufaktur

So hält sich auch der Produktionsumfang im überschaubaren Rahmen. In Kaliningrad werden Kias, BMWs und Hummers ausschließlich für den russischen Markt zusammengeschraubt, in den Export geht keines der Autos. Für das erste Halbjahr 2004 hat „Avtotor“ eine Fertigungszahl von 6399 Autos gemeldet, womit bei einer Fünftageswoche 49 Autos pro Tag das Werk verlassen haben.

Gute Perspektiven dank Sonderkonditionen

Doch die Perspektiven für „Avtotor“ sind nicht schlecht, denn der Umweg über Kaliningrad lohnt sich für ausländische Autofirmen: Russland ist ein wachsender Markt und in der Exklave lassen sich durch Zollvergünstigungen im Rahmen der Sonderwirtschaftszone und die niedrigen Löhne sehr gut Produktionskosten sparen.

Dem einzigen Automodell, das weltexklusiv nur in Kaliningrad gebaut wird, hilft das aber auch nicht recht auf die Sprünge: Der kompakte Geländewagen Kia Sportage, für den Avtotor aus Korea eine Fertigungslizenz und aus Deutschland von Karmann die gebrauchten Produktionsanlagen erhielt, tut sich auf dem russischen Markt reichlich schwer. Denn der Chevrolet Niva aus Togliatti, ein gemeinsames Kind von General Motors und Lada, ist ähnlich groß, aber weitaus billiger.

(jm+ld/.rufo)