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Ende der Herrlichkeit: KD-Avia wird zerstückelt und dann stückchenweise übernommen. Aber man kann noch fliegen ... (Foto: Plath/.rufo)
Ende der Herrlichkeit: KD-Avia wird zerstückelt und dann stückchenweise übernommen. Aber man kann noch fliegen ... (Foto: Plath/.rufo)

Kaliningrad: KD Avia erst zerstückeln, dann übernehmen

Kaliningrad. Voraussetzung für die Finanzhilfe für die schwer angeschlagene KD-Avia war die Trennung von Fluggesellschaft und Flughafen. Jetzt werden die Einzelteile schrittweise übernommen - von Moskau und St.Petersburg. Die Staatsanwaltschaft hilft.

KD Avia ist nun ein geteiltes Unternehmen. Nicht länger vereint die Airline den Besitz des Kaliningrader Flughafens Chrabrowo und den eigentlichen Flugbetrieb unter einem Dach.

Jetzt gibt es zwei Firmen: KD Avia als reine Fluggesellschaft und die ausgelagerte Neugründung „Internationaler Flughafen Kaliningrad“.

Das Management hatte sich gegen diese Zerschlagung bis zuletzt gewährt – doch das Manöver war gewissermaßen die Bedingung für den behördlichen Rettungsfallschirm. Anderenfalls wäre der Flugbetrieb im Dezember wohl eingestellt worden.

Flughafen nun in Moskauer Regie?


Ein Hausherr für den nun „selbstständigen“ Kaliningrader Flughafen steht offiziell noch nicht fest, aber es wird aller Vorraussicht die Moskauer Airport-Holding Scheremetjewo werden – alles andere wäre eine Überraschung.

Denn auch darum ging es nach Meinung vieler Beobachter in diesem Konflikt, der von den Turbulenzen der Finanzkrise ausgelöst wurde, doch dann schnell zu einem Luftkampf zwischen regionalen und föderalen Behörden und KD Avia wurde: Der Moskauer Wettbewerber wollte ein Stück vom Kaliningrad-Kuchen abbekommen.

Seit Chrabrowo sich dem Konzept von KD Avia entsprechend zu einem Luftdrehkreuz zwischen Russland und Westeuropa entwickelt, wird der noch vor wenigen Jahren bedeutungslose Provinzflugplatz am Westrand des Imperiums auch für die Hauptstadt interessant. Da kamen die Turbulenzen der Krise offenbar gerade recht.

Hilfe ja, aber nur wenn Moskau mit einsteigt


Russlands Transportminister Igor Lewitin stellte bei einem Arbeitsbesuch im Herbst klar: KD Avia werde Hilfe bekommen – aber nur, wenn der monopolistische Betrieb von Flughafen und Fluglinien aufgegeben werde.

Bei Russland-Aktuell
• Kaliningrads Krisen-Airline KD Avia wird geteilt (06.12.2008)
• Zangengeburt Rosavia: Russlands neue Groß-Airline (02.12.2008)
• Kaliningrader Airline KD Avia geht die Luft aus (27.11.2008)
• Kaliningrad: Behörden setzen KD Avia unter Druck (21.11.2008)
• Direktflüge zwischen Berlin und Kaliningrad (28.11.2005)
Die Antimonopolbehörde und Bouverneur Georgi Boos stießen wie auf Kommando in das gleiche Horn.

... und auch dann nur teilweise


Nun fließt das Geld aus Moskau tatsächlich. Allerdings: Auf der kurz vor Jahresende von der russischen Regierung bekanntgebenenen Liste jener 225 Unternehmen, die staatliche Finanzhilfe gegen die Folgen der Wirtschaftskrise bekommen werden, steht nur das neugegründete Unternehmen „Internationaler Flughafen Kaliningrad“

Die hochverschuldete Airline (Gesamtverbindlichkeiten nach inoffiziellen Angaben rund 9 Milliarden Rubel), die ebenfalls Geld beantragt hatte, bekommt nichts.

Airline unter Kontrolle der Bank St. Petersburg


Das Mehrheitspaket der KD Avia-Aktien liegt inzwischen bei der Bank St. Petersburg, der die Kaliningrader Fluggesellschaft allein knapp 3,5 Milliarden Rubel schuldet. „Wir sind aber nicht die Eigentümer, sondern führen nur die operative und finanzielle Kontrolle durch“, stellte Bank-Vorstandsvize Wladimir Reutow umgehend klar, nachdem die Bank in Kaliningrad bereits als neuer Besitzer von KD Avia vorgestellt worden war.
In der Praxis macht das freilich keinen großen Unterschied. Die Bank kontrolliert – und setzte inzwischen auch einen neuen Chef an die Spitze von KD Avia: Gennadi Boldyrew, bislang Vize der Fluggesellschaft „Rossia“.

Am Konzept von KD Avia, russische Ballungszentren und westeuropäische Metropolen miteinander zu verbinden, werde sich aber nichts ändern, erklärte Generaldirektor Reutow bei seinem Dienstantritt. „Dieses Konzept hat Zukunft, damit ist KD Avia auf einem richtigen Weg.“

Gouverneur setzt die Staatsanwaltschaft auf KD Avia an


Vorerst letzter Akt im Gezerre um die regionale Fluggesellschaft: Gouverneur Georgij Boos hat die Kaliningrader Staatsanwaltschaft um Prüfung der Gründungsdokumente von KD Avia ersucht.

Es geht laut Pressemeldungen vor allem darum, den staatlichen Anteil am Aktienkapital der Fluggesellschaft zu ermitteln.

Bei der Teilung des staatlichen Unternehmens Kaliningradavia und der anschließenden Gründung der Aktiengesellschaft KD Avia im Jahr 2002 sei der staatliche, von der Gebietsregierung verwaltete Anteil möglicherweise unterbewertet worden.

Die Gebietsregierung hielt Ende 2008 etwa 9 Prozent der KD Avia-Aktien. Es sieht so aus, als wolle man mehr. So wird "falsche Privatisierung" korrigiert.

Aus den Turbulenzen dürfte Kaliningrads Überflieger so bald nicht heraus sein.



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