„Von Kaliningrad in das Herz Europas“, werben die elektronischen Anzeigetafeln auf Bahnsteig 6 des Südbahnhofs. Hier kommt jeden Tag gegen Mittag der Zug aus Berlin an. Am frühen Abend geht es retour.
Die Bahnverbindung zwischen der deutschen Hauptstadt und dem einstigen Königsberg wurde schon kurz nach Grenzöffnung des jahrzehntelang abgeriegelten Militärsperrdistrikts Kaliningrad 1991 wiedereröffnet. Noch im gleichen Jahr organisierte Rail Tours Mochel einen ersten „Königsberg-Express“, 1992 folgten 30 weitere dieser Nostalgiezüge. Solche Sonderfahrten gibt es immer noch, betrieben vom deutschen Reiseveranstalter Arnold Kühn, doch seit dem 22. Mai 1993 verkehrt die Bahn auf der Strecke Berlin – Kaliningrad auch wieder fahrplanmäßig, nur einmal (1999-2003) unterbrochen, nachdem die polnische Bahn aus Rentabilitätsgründen aus dem Projekt ausstieg.
Kaliningrad ist die einzige Großstadt Russlands, in die noch ein Bahngleis der europäischen Spurweite führt – russische Schienenspuren sind 85 Millimeter breiter. Das so genannte „Berliner Gleis“ sollte zu Zeiten von Eisernem Vorhang und Kaltem Krieg dazu dienen, im Militärgebiet Kaliningrad stationierte Truppen im Ernstfall schnell und in großer Zahl per Bahn gen Westen oder in die Länder des Warschauer Paktes zu verfrachten. (tp)
Noch als Ruine imposant ragt die im 14. Jahrhundert erbaute Ordensburg Ragnit im heutigen Neman am Memelstrom auf. Man munkelt von unterirdischen Gewölben. Kaliningrad in der Gegenwart und Königsberger Geschichte - beides ist spannend. (Foto: Plath/.rufo)