Montag, 05.03.2012

Wahl: Kaliningrad verdirbt Putin die Siegerlaune

Ein Wahllokal in Kaliningrad: Putin ist unbeliebter als im restlichen Land. (Foto: kaliningrad.ru)
Kaliningrad. In der Ostsee-Exklave Kaliningrad hat Wladimir Putin sein (nach Moskau) landesweit zweitschlechtestes Ergebnis eingefahren. In der Gebietshauptstadt hätte es für ihn nicht einmal zur absolute Mehrheit gereicht.
Die Schlagzeile des örtlichen Internet-Portals „newkaliningrad.ru“ am heutigen Montagmorgen bringt es auf den Punkt. „Kaliningrad schickt Putin in die Stichwahl“, spottet der Infodienst.

Die widerspenstige Königsberg-Provinz, Heimat von Putins Ehefrau Ludmila, hat dem Strahlemann die Feier verdorben. Nur 52,55 Prozent der Wähler gaben Putin ihre Stimme, so wenig wie in keiner anderen Provinz des Riesenreiches. In der Gebietshauptstadt selbst votierten gar nur 46 Prozent für ihn – fast ein Fünftel weniger als im Gesamtwahlergebnis.

Junge Generation für Milliardär Prochorow


Vergleichen mit den gesamtrussischen Resultaten, hieß der Gewinner der Präsidentenwahlen 2012 im Gebiet Kaliningrad Michail Prochorow. Mit 13,56 Prozent fuhr der als Einzelbewerber angetretene Oligarch in der Exklave fast doppelt so viele Stimmen ein wie im Landesdurchschnitt und belegte im Endergebnis Platz drei.

Prochorow wurde vor allem in Kaliningrad gewählt, wo eine junge, gut ausgebildete und westorientierte Generation zunehmend die politische Debatte prägt. Hier stimmten in einigen Wahllokalen fast ein Viertel der Wähler für den Milliardär.

Kommunisten liegen vorn


Noch besser schnitt im Gebiet Kaliningrad nur Kommunistenführer Gennadi Sjuganow ab, mit 21,33 Prozent ebenfalls über seinem Gesamtergebnis liegend, wenn auch nur knapp.

Schon bei der Staatsduma-Wahl im Dezember hatten die Kommunisten von der Proteststimmung gegen Putins Regierungspartei „Einiges Russland“ profitiert – und in der Gebietshauptstadt sogar die meisten Stimmen geholt.

Sjuganow vorn, Mironow weit abgeschlagen


Russlands ewiger Politik-Krawallo, LDPR-Chef Wladimir Schirinowski, kam auf 7,79 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis entspricht in etwa dem der früheren Wahlen, der Nationalist hat in der Exklave eine nicht allzu große, aber stabile Anhängerschaft.

Abgeschlagen auf dem letzten Rang landete mit 3,53 Prozent der Stimmen auch am westlichen Rand Russlands Sergej Mironow von der Partei „Gerechtes Russland“. Dieses Politkonstrukt des Kremls hat in Kaliningrad nie wirklich Wurzeln geschlagen, daran änderte auch das Engagement von lokalen Promis wie Fischdorf-Chef Pawel Fjodorow nichts.

Webkameras irritieren ältere Menschen


Doch das Ergebnis dieser Wahl stand im Prinzip bereits im Vorfeld fest, und das schlug sich in der Wahlbeteiligung nieder. Trotz öffentlicher Aufrufe und der politisch aufgeladenen Atmosphäre ging im Kaliningrader Gebiet nur jeder Zweite der 757.299 Stimmberechtigten tatsächlich zur Wahl, die Wahlbeteiligung lag nach Angaben von Gebietswahlleiter Michail Pljuchin bei 59,3 Prozent.

Besonders ältere Leute waren offensichtlich auch irritiert von den Web-Kameras, mit denen nahezu alle der 513 Wahllokale ausgestattet worden waren, mit Ausnahme von Krankenhäusern, Gefängnissen, Armeeobjekten und einem Dutzend kleinen Orten, in denen kein Internetzuzgang möglich war.

Nicht zuletzt dieses technischen Aufwandes wegen dürfte die Präsidentenwahl 2012 mit Gesamtkosten von rund 72 Millionen Rubel als teuerste in die Geschichte der Exklave eingehen.

Wahl läuft regelkonform ab


Ohne Beschwerden blieb sie trotzdem nicht. Laut Bericht der Gebietswahlkommission zum vorläufigen amtlichen Endergebnis gab es insgesamt 26 Beschwerden, viele wegen der halbstündigen Abschaltung der Online-Übertragung während der Stimmauszählung.

In der Zeit von 19.30 bis kurz vor 20 Uhr blieben die Webcams schwarz. Wahlleiter Pljuchin begründet das mit der Anbindung an das Daten-Center in St. Petersburg. Man habe auf die Abschaltung der Kameras keinen Einfluss gehabt.

Insgesamt verlief die Wahl nach Einschätzung der Wahlbeobachter, darunter 14 ausländische, aber ruhig und ohne Störungen oder Gesetzesverstöße ab.