Freitag, 09.08.2013

Völliger Blackout in der Region Kaliningrad

Wer selbst sein Wasser aus dem Brunnen schöpft, hat es zumindest auch dann, wenn der Strom ausfällt (Foto: plath/.rufo)
Kaliningrad. Ohne Strom und Wasser. Mehrere Stunden lang dauerte der Stromausfall in der russischen Ostseeregion Kaliningrad. Erst am Freitagmorgen wurden alle Verbraucher wieder ans Netz angeschlossen.
Als Ursache gilt ein Defekt am Gaskraftwerk TEZ-2, dass die Region mit Energie versorgt. „Am Donnerstag etwa gegen 22:10 Uhr (Moskauer Zeit – in Kaliningrad dementsprechend 21:10 Uhr) war praktisch die gesamte Region Kaliningrad ohne Strom, lediglich die größeren Städte Sowjetsk und Gussew waren nicht von der Abschaltung betroffen. In vielen Häusern fiel mit der Strom- auch die Wasserversorgung aus. Es gab Probleme mit dem Mobilfunknetz“, teilte der Katastrophenschutz mit.

Trafohäuschen in Mitleidenschaft gezogen


Es dauerte etwa eine Stunde, bis die Energieversorgung teilweise wiederhergestellt werden konnte. Durch den Kurzschluss wurden aber mehrere Transformatoren außer Betrieb gesetzt. Erst kurz vor sechs Uhr morgens (ebenfalls Moskauer Zeit) wurden die Schäden laut Katastrophenschutz vollständig behoben.

Insgesamt waren gut 650.000 Menschen von dem Stromausfall betroffen. Vielen blieb nichts weiter übrig, als früher zu Bett zu gehen. Der Blackout habe aber keine weiteren Schäden hervorgerufen. Wichtige militärische Objekte und soziale Einrichtungen arbeiteten im normalen Betrieb, heißt es.

Das TEZ-2, fünf Kilometer südwestlich der Gebietshauptstadt Kaliningrad, ist eins der modernsten Gaskraftwerke Russlands. Der erste Block wurde 2008 vom Energieversorger RAO EES in Betrieb genommen, der zweite anno 2010 von Gazprom. Die Stromkapazität liegt bei 900 Megawatt.

Stromversorgung in Kaliningrad problematisch


Die Stromversorgung ist für die russische Ostsee-Exklave seit langem ein Problem. Schon im kalten Winter 2012 drohten die Lichter in der Region auszugehen. „Die Stromversorgung im Gebiet ist ein Koloss auf tönernen Füßen”, erklärte damals der mit einer Expertise betraute Ex-Ressourcenminister Kaliningrads Juri Slobin.

Allerdings galt bisher nicht das Kraftwerk, sondern das Leitungsnetz als Schwachstelle. Das alte Verteilernetz ist völlig überlastet und müsste dringend erneuert werden. Rund 20 Prozent der produzierten Energiemenge gehen allein aufgrund der Übertragungsverluste in den alten Kabeln verloren.

Atomstrom aus Kaliningrad für die Welt


Kaliningrad setzt stattdessen vordergründig auf den Ausbau der Stromproduktion. 2016 (oder wahrscheinlicher 2017) soll der erste Block eines Atomkraftwerks in der Region ans Netz gehen. In seiner Endstufe hat das AKW eine Kapazität von 2.400 Megawatt – deutlich mehr als Kaliningrad selbst braucht.

Die Region hofft daher, einen Teil der Strommenge ins Ausland exportieren zu können – nach Litauen, Polen und eventuell auch nach Deutschland, das selbst aus der Atomenergie aussteigen will.