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Aufrüstung angekündigt: Schnellboote der Kaliningrader Ostsee-Flotte (foto: tp/.rufo)
Aufrüstung angekündigt: Schnellboote der Kaliningrader Ostsee-Flotte (foto: tp/.rufo)
Dienstag, 19.08.2008

US-Raketen in Polen: Wird Kaliningrad aufgerüstet?

Kaliningrad. Dem Gebiet Kaliningrad steht als Antwort auf die Stationierung amerikanischer Raketen in Polen offenbar eine neue Militarisierung bevor. Selbst von der Stationierung neuer Atomwaffen ist schon die Rede.

Nachdem der polnische Regierungschef Donald Tusk am Freitag überraschend der Stationierung eines amerikanischen Raketenabwehrschirms im Norden Polens zustimmte, ließ die Reaktion aus Kaliningrad nicht lange auf sich warten.

Das Moskauer Verteidigungsministerium hatte sie für den Fall des Falles auch schon mehrfach angekündigt: Russland werde nun seinerseits Abwehrraketen im Gebiet Kaliningrad aufstellen und die Verteidigungskraft der russischen EU-Enklave verstärken, erklärte ein hochrangiger Offizier der Baltischen Flotte.

In Tschkalowsk bei Kaliningrad sind solche Su-27-Kampfjets stationiert (Foto: tp/.rufo)
In Tschkalowsk bei Kaliningrad sind solche Su-27-Kampfjets stationiert (Foto: tp/.rufo)
Nach Medienberichten erwägt Moskau erstmals seit Ende des Kalten Krieges, Teile der Ostseeflotte mit Atomsprengköpfen zu bestücken. Die Rede ist von Schiffen und U-Booten, aber auch von Kampfjets. Bestätigt wurde dies vom Kaliningrader Flottenstab allerdings nicht.

"Destabilisierung der Sicherheit in Europa"


Ohnehin ist noch unklar, wie konkret und umfassend die Pläne für eine erneute Aufrüstung des ehemaligen Militärsperrgebietes Kaliningrad, einst "größter Flugzeugträger der Sowjetunion" genannt, wirklich sind.

Tatsache ist aber: Russland wertet die geplante Aufstellung des amerikanischen Schutzschildes aus 96 Patriot-Raketen einschließlich einer ständigen Garnison von 110 US-Militärangehörigen in nur 200 Kilometer Entfernung von der Kaliningrader Grenze als ernste Bedrohung seiner Sicherheit.

"Die amerikanisch-polnische Vereinbarung destabilisiert die Sicherheit in ganz Europa", kritisierte Gouverneur Georgi Boos die Raketenpläne. "Das wird der gesamten Region ernste Probleme bereiten." Andererseits müsse Russland auf die neue Bedrohungslage reagieren.

Bei Russland-Aktuell
• Gebiet Kaliningrad rüstet weiter ab (17.04.2008)
• Kaliningrad – Baltijsk bekommt einen Aquapark (23.02.2008)
• Kaliningrad: NATO-Schiffe zu Besuch in Baltijsk (11.02.2008)
• Kaliningrad: Polessk soll zum Skipper-Mekka werden (19.09.2007)
• Kaliningrad: Grenzschutz weitet Sperrzonen aus (12.04.2007)
Boos plädierte zugleich dafür, den Dialog nicht abzubrechen und warnte davor, in die Konfrontationslage des Kalten Krieges zurückzufallen. "Russland ist ein Teil Europas und Kaliningrad der westliche Vorposten Russlands. Die Existenz neuer militärischer Objekte darf und wird nicht zur Isolation des Kaliningrader Gebiet führen."

Modernisierung der Flotte seit langem geplant


Ein Rückfall in Sowjetzeiten, als der "Sonderverteidigungsbezirk" Kaliningrad mit bis zu 300.000 Mann unter Waffen als Gebiet mit der höchsten Militärkonzentration weltweit galt, ist in der Tat nicht zu befürchten.

Die Armee ist seit Ende des Kalten Krieges radikal abgerüstet worden. Die derzeitige Truppenstärke liegt nach inoffiziellen Angaben bei 20.000 Mann, die seit einer Strukturreform komplett der Baltischen Flotte unterstellt sind.

Der Militärhafen in Baltijsk wird wieder stärker abgeschirmt (Foto: tp/.rufo)
Der Militärhafen in Baltijsk wird wieder stärker abgeschirmt (Foto: tp/.rufo)
Dass die russische Ostsee-Marine, die derzeit etwa 90 großenteils veraltete Schiffe und Schnellboote in Dienst hat und seit Jahren in die Sicherheitspartnerschaft der Ostsee und Nato-Manöver eingebunden ist, technisch modernisiert werden soll, ist seit längerem geplant und hat nichts mit dem amerikanischen Raketenschild zu tun.

Kontrollen in Baltijsk verschärft


Auswirkungen der verhärteten Fronten sind aber bereits spürbar. Alle, die mit einer Öffnung der gesperrten Flottenstadt Baltijsk für die zivile Entwicklung gerechnet haben, können diese Hoffnungen wohl auf absehbare Zeit begraben.

Die Kontrollen, vor allem von Ausländern, sind deutlich verschärft worden. Auch die polnisch-russischen Verhandlungen über eine Öffnung der Seegrenze des Frischen Haffs für den internationalen Schiffsverkehr liegen auf Eis.



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