Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Startseite


Im Sommer gut belegt: der Yacht- und künftig auch Grenzhafen in Nida/Litauen (Foto: Plath/.rufo)
Im Sommer gut belegt: der Yacht- und künftig auch Grenzhafen in Nida/Litauen (Foto: Plath/.rufo)
Mittwoch, 01.02.2012

Russland und Litauen öffnen Seegrenze im Kurischen Haff

Kaliningrad. Die russische Seite des Kurischen Haffs war bisher für ausländische Boote tabu. Während in Litauen der Yachttourismus aufblüht, herrschte jenseits von Nida gähnende Leere auf dem Wasser. Das soll sich nun ändern.

Bereits im Frühling sollen die Einklarierungshäfen für das Passieren der Seegrenze im Haff, Rybatschi (Rossitten) auf russischer und Nida (Nidden) auf litauischer Seite, offiziell ihren Betrieb aufnehmen. Das berichtet die Rossiskaja Gaseta unter Berufung auf die Staatliche Russische Agentur für den Ausbau von Grenzanlagen. Laut Alexander Strutschew, Chef der Kaliningrader Regionalverwaltung dieser Behörde, ist das Projekt für den litauisch-russischen Seegrenz-Kontrollpunkt auf der Kurischen Nehrung jetzt abgestimmt und abgeschlossen.

Gammelmole lädt nicht zum Anlegen ein


Während der touristisch florierende Hafen von Nida bereits über eine entsprechende Infrastruktur verfügt, sieht das auf russischer Seite trüber aus. Da hier seit Jahrzehnten nur einheimische Fischkutter und neuerdings einige Ausflugsboote aufs Wasser dürfen, hat der Ausbau von Hafenanlagen nie jemanden gekümmert. Der alte Fischerhafen von Rybatschi-Rossitten, an dessen langer Mole vor dem Krieg Ausflugsschiffe und Liniendamper aus Cranz und Memel anlegten, gammelt als Ruine vor sich hin.

Segeln auf dem Kurischen Haff, bislang noch eine ziemlich einsame Angelegenheit (Foto: tp/.rufo)
Segeln auf dem Kurischen Haff, bislang noch eine ziemlich einsame Angelegenheit (Foto: tp/.rufo)
Die Sanierung zum Ein- und Ausklarierungshafen für ausländische Yachten will nun ein privater Investor auf eigene Rechnung übernehmen – und dafür dann die Marina betreiben. Die wasserseitige Infrastruktur, das nötige Vertiefen und Austonnen des Fahrwassers etwa, bleibt staatliche Aufgabe. Wie das alles bis zum Frühling geschafft werden soll, erscheint fraglich – zumal das Haff derzeit fest zugefroren ist.

In „Blindfahrt“ nach Rossitten?


Darum wird der Grenzhafen Rybatschi vorerst wohl nur von Booten mit geringem Tiefgang angesteuert werden können, die Rede ist von maximal 1,40 Meter. Auch für die droht es mit der sprichwörtlichen Handbreit Wasser unterm Kiel ganz schnell mal knirschend knapp zu werden, denn aktuelle amtliche Seekarten mit verlässlichen Tiefenangaben gibt es nicht. So etwas firmierte hier bislang unter der Rubrik Staatsgeheimnis.

Bei Russland-Aktuell
• Grüner Korridor an der visafreien Grenze nach Polen (27.01.2012)
• Hafen Pionersk wieder für ausländische Yachten offen (18.07.2011)
• Ausländische Yachten dürfen auf russische Gewässer (15.07.2011)
• Neue Bootslinie zwischen Kaliningrad und Baltijsk (09.07.2010)
• Kurisches Haff ab 2010 für Bootstourismus offen? (09.09.2009)
Dennoch: Die Öffnung der Seegrenze ist ein großer Durchbruch für die isolierte russische Exklave, denn Moskau sperrte sich in dieser Frage seit Jahren. Lange scheiterte eine Einigung mit Litauen daran, dass der Grenzverlauf in Haff und Ostsee nicht eindeutig geklärt und dadurch ein Grenzabkommen nicht ratifiziert worden war – große Ölvorkommen unter dem Meeresboden spielten dabei eine wesentliche Rolle.

Geheimhaltungs-Reflex sitzt tief


Auch nach innen leistete der Grenzschutz, in Russland dem Geheimdienst FSB unterstellt, beharrlich Widerstand gegen eine Öffnung der Kaliningrader Binnengewässer am Kurischen Haff für den internationalen Bootstourismus: Die Geheimhaltungsparanoia aus sowjetischen Zeiten hat im ehemaligen Militärsperrgebiet Königsberg tiefe Wurzeln geschlagen.

Erst im vorigen Jahr wurde, auf Druck der Kaliningrader Regionalregierung von Gouverneur Nikolai Zukanow, das Wasserstraßenrecht entsprechend novelliert und geöffnet. Für das Befahren von Flüssen im Gebiet Kaliningrad benötigen ausländische Skipper zwar immer noch eine Genehmigung, zu beantragen nach bisheriger Rechtslage bei der Einklarierung in Rybatschi oder Baltisk (Pillau). Der Passierschein (russisch: Propusk) soll aber innerhalb einer Woche erteilt werden.

Das Kurische Haff, rechts im Bild, ist auf russischer Seite für ausländische Boote tabu (Foto: tp/.rufo)
Das Kurische Haff, rechts im Bild, ist auf russischer Seite für ausländische Boote tabu (Foto: tp/.rufo)

Studie belegt Wassertourismus-Potenzial


Bis zum Beginn der neuen Segelsaison soll die Seegrenze im Haff via Nida/Rybatschi passierbar sein, sagt Alexander Strutschew – und rechnet damit, dass in diesem Jahr bereits einige Dutzend ausländische Yachten auch die russische Seite der Lagune hinter der berühmten Nehrung erkunden. Angesichts der Rahmenbedingungen eine ziemlich optimistische Hoffnung, doch immerhin: Interesse an einem Törn in die bislang verschlossene Wasserwelt von Russisch-Ostpreußen äußerten in der Vergangenheit so einige Segler.

Und Potenzial für den Bootstourismus hätte die Königsberg-Exklave, das hat gerade erst wieder eine Studie des russischen Transportministeriums herausgestellt. Zum Vergleich führt die Expertise Tallinn an: Der ehemalige Olympiahafen der estnischen Hauptstadt wurde im vorigen Jahr von 20 000 ausländischen Yachten angelaufen.

Für solche Zahlen sind am Kaliningrader Gestade freilich erst einmal gewaltige Investitionen nötig. Doch Pläne und Projekte für Sportboot- und Yachthäfen gibt es längst. Was zuallererst kommen musste, waren offene Grenzen. Da scheint sich jetzt etwas zu tun.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Mittwoch, 01.02.2012
Zurück zur Hauptseite








Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Kaliningrad kompakt
09.10.2015Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
25.06.2015Kaliningrad bangt um Fußball-Weltmeisterschaft
25.05.2015Einiges Russland endet im Ostseehafen Baltijsk
16.01.2015Stürme entfachen Bernsteinfieber in Kaliningrad
03.07.2014Kaliningrader Gouverneur fürchtet Maidan an der Ostsee
17.04.2014Kaliningrad opfert für Fußball-WM 2018 Grünflächen
03.01.2014Verlorenes Erbe: Kants Spuren verschwinden in Kaliningrad
05.12.2013Aus Königsberger Kreuz-Apotheke soll Hotel werden
11.10.2013Putin entschärft litauisch-russischen Handelsstreit
01.10.2013Schmelztiegel Schlossplatz vereint Kulturen
09.08.2013Völliger Blackout in der Region Kaliningrad
05.07.2013Polen verschärft die Visaregeln für Kaliningrader
29.05.2013Kaliningrads Bürgermeister besitzt heimlich Villa in Cannes
22.05.2013Umfrageåtief: Kommunisten in Kaliningrad vor Kremlpartei
03.05.2013Lasch-Bunker eröffnet nach Renovierung

Mehr Kaliningrad bei www.kaliningrad.aktuell.ru >>>

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt
[Alt-Text]

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru





top us casino sites for you!! casino payment solutions http://www.playonlineblackjack.us.com/ best us deposit bonus casinos Dragon Orb and many more the newest online slot play trusted online casinos still accepting U.S. players best online blackjack review Do you want to play real money slots 24/7?) Click to grab your slots bonus - up to $2500) best online casinos for usa players + Play the best casino games + Claim generous slots bonuses I found the best online casino bonus us friendly ever. Play online casino games with the best bonuses. TOP USA Casinos accepting credit cards - Visa, Mastercard, Amex - reliable deposits. One of the most popular casino sites among slots lovers. Start playing Polar Explorer, one of RTG's newest slots machines at rtgbrands. slots games how to win in vegas slots best online casino allow us customers big bonus online gambling sites