Mittwoch, 03.04.2013

Putin möchte Kant als Symbol für Kaliningrad nutzen

Der preussische Philosoph Immanuel Kant ist wohl der populärste Sohn seiner Stadt. (Foto: Archiv/.rufo)
Kaliningrad/Moskau. Immanuel Kant soll Symbol für Stadt und Gebiet Kaliningrad werden, schlägt Wladimir Putin vor. Eine russische Ausgabe Kants soll vorbereitet werden. Ist das ein Weg zur Umbenennung Kaliningrads? Königsberg - Kaliningrad - Kantgrad?
Bei einem Treffen Putins mit Studenten und Professoren der Kaliningrader "Kant-Universität" in seiner Moskauer Residenz regte eine der Teilnehmerinnen an, den Namen des preussischen Philosophen als Symbol für dessen Heimatstadt und das ganze Verwaltungsgebiet zu nutzen. Dies könne helfen, die Beziehungen zu EU-Strukturen und die Kulturpolitik in der Region zu entwickeln.

Putin stimmte zu. Man müsse nun prüfen, was man auf Staatsebene dafür tun könne. Kant könne ein Markenzeichen nicht nur für die Universität, sondern auch für die gesamte Region werden. Auf jeden Fall aber sei eine russische Ausgabe der Werke Kants nötig.

Der Europäer Kant als neues Bindeglied für die Region


Putin schien nicht sonderlich überrascht über den Vorschlag. Zumindest erinnerte er sich auch gleich daran, dass Kants Werk "Zum ewigen Frieden" ein erster Versuch nach dem Siebenjährigen Krieg war, ein vereintes Europa zu begründen.

Putin hatte bereits in seiner ersten Amtszeit vorgeschlagen, das Gebiet Kaliningrad zu einer Drehscheibe europäischer Integration zu machen. Zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte er der Kaliningrader Universität den Namen "Kant-Universität" verliehen.

Der der in Königsberg geborene preussische Philosoph Immanuel Kant hatte zwar nie in seinem Leben seine Heimatstadt auf Dauer verlassen, war aber dennoch fünf Jahre lang Untertan des Zaren: Königsberg war 1758 bis 1763 von Russland besetzt. Erst Zar Peter III. (in Kiel geboren) gab das Gebiet an sein Idol Friedrich den Grossen zurück, bevor er meuchlings ermordet wurde.

Das Grab Kants am Königsberger Dom ist heute ein Walfahrtsort für Hochzeits- und Erinnerungsfotos.

Kant ist in Russland populärer als der Sowjetfunktionär Kalinin


Wenn Kant offiziell als neues Markenzeichen der Stadt entwickelt würde, gäbe das der ewigen Diskussion über die Umbenennung Kaliningrads neue Impulse. Haben doch schon lange viele Kaliningrader ihre Stadt inoffiziell in "Kenig" umbenannt, weil ihnen die Namen "Kalinin" und "Kaliningrad" schwerer über die Lippen gehen.

Zumindest ist Immanuel Kant wohl nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern auch in Russland ungleich populärer als der Sowjetfunktionär Kalinin, der mit der Ostseeregion nie etwas zu tun hatte.